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Investoren in Europa setzen auf Nachhaltigkeit

Knapp zwei Drittel der institutionellen Anleger in Europa berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien. Das hat eine Befragung von mehr als 800 institutionellen Investoren in zehn ausgewählten europäischen Ländern durch das Marktforschungsinstitut Elbe 19 im Auftrag von Union Investment. Demnach werden ökologische und soziale Kriterien vor allem bei den Anlageentscheidungen skandinavischer Investoren berücksichtigt. Im Ranking liegen Österreich und die Schweiz mit ähnlich hohen Werten dicht dahinter.

Frankfurt (csr-news) > Knapp zwei Drittel der institutionellen Anleger in Europa berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien. Das hat eine Befragung von mehr als 800 institutionellen Investoren in zehn ausgewählten europäischen Ländern durch das Marktforschungsinstitut Elbe 19 im Auftrag von Union Investment. Demnach werden ökologische und soziale Kriterien vor allem bei den Anlageentscheidungen skandinavischer Investoren berücksichtigt. Im Ranking liegen Österreich und die Schweiz mit ähnlich hohen Werten dicht dahinter.

Auch in Bezug auf den Anteil nachhaltiger Investments an den gesamten Kapitalanlagen, liegen die skandinavischen Länder mit einem durchschnittlichen Anteil von 61 Prozent vorne. Deutlich mehr als in anderen europäischen Ländern. Es folgen die Niederlande mit einem Anteil von 53 Prozent und Großbritannien mit 43 Prozent vor der Schweiz (38 Prozent), Österreich (35 Prozent) und Deutschland (33 Prozent). Italien bildet mit einem Anteil von 22 Prozent das Schlusslicht. Als Anlageklasse mit der größten Nachhaltigkeitswirkung werden länderübergreifend Aktien eingeschätzt (55 Prozent), gefolgt von Alternativen Investments (45 Prozent) und Immobilien (44 Prozent).

Institutionelle Anleger wollen transparentere Produkte

Sehr unterschiedlich ist das Wissen über nachhaltige Kapitalanlagen in den verschiedenen europäischen Ländern ausgeprägt. Im Durchschnitt bescheinigen sich 18 Prozent der Befragten einen sehr guten Kenntnisstand. Vorn liegen die Investoren in Großbritannien, von denen 27 Prozent ihr Know-how als sehr gut einstufen, gefolgt von denen in den Niederlanden mit 26 Prozent und in Skandinavien mit 23 Prozent. In Deutschland beurteilt dagegen nur jeder Zehnte seine Kenntnisse so positiv.

Die angebotenen nachhaltigen Anlagelösungen halten 37 Prozent der Investoren für hilfreich. Die meisten Befragten (44 Prozent) bewerten diese jedoch neutral, ein knappes Fünftel (19 Prozent) beurteilt sie als nicht hilfreich. Besonders kritisch sind die institutionellen Anleger in der Schweiz und in Deutschland, wo das Produktangebot bei nur 25 Prozent bzw. 30 Prozent der Befragten auf positive Resonanz stößt. Länderübergreifend bemängeln die Kritiker vor allem eine ungenügende Transparenz der Produkte, 42 Prozent nennen diesen Punkt – deutlich mehr sind es wiederum in der Schweiz mit 51 Prozent und in Deutschland mit 50 Prozent. „Die Nachhaltigkeitskenntnisse der Investoren variieren von Land zu Land erheblich. In Deutschland gibt es bei der nachhaltigen Kapitalanlage noch Luft nach oben, wie der Vergleich mit Skandinavien zeigt. Asset Manager sind gefordert, Wissenslücken gezielt zu schließen und individuelle Anlagekonzepte mit transparentem Reporting anzubieten“, sagt Alexander Schindler, Vorstand von Union Investment mit Zuständigkeit für institutionelle Kunden.

Knapp ein Drittel bezieht Klimaschutzaspekte ein

Wesentlicher Impulsgeber für nachhaltige Kapitalanlagen ist aus Investorensicht die Regulierung (37 Prozent), gefolgt von der Medienberichterstattung (28 Prozent) und veränderten Risikobedingungen (25 Prozent). Mehr als zwei Drittel der Investoren (67 Prozent) sind der Meinung, dass sich die von der Politik angestrebte Reduktion von Treibhausgasen auf die Kapitalmärkte auswirken wird. Beim Weltklimagipfel in Paris hatte sich die internationale Staatengemeinschaft das Ziel gesetzt, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Auswirkungen erwarten die institutionellen Anleger vor allem auf die Öl- und Gasindustrie (72 Prozent) sowie Energieversorger (53 Prozent) und Automobilhersteller (37 Prozent).

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Quelle: Union Investment

Ein knappes Drittel der Befragten (31 Prozent) bezieht bereits Klimaverbesserungsstrategien in Anlageentscheidungen ein. Vorn liegen auch hier die Großanleger in Skandinavien mit 54 Prozent, gefolgt von denen in den Niederlanden (47 Prozent) und Großbritannien (35 Prozent). Am wenigsten verbreitet ist die Einbeziehung von Klimaaspekten in Italien und Deutschland, wo diese bislang nicht einmal jeder Fünfte berücksichtigt (17 Prozent bzw. 18 Prozent). „Die meisten Investoren in Europa glauben zwar, dass sich die Reduktion von Treibhausgasen auf die Kapitalmärkte auswirken wird, doch nur eine Minderheit will Konsequenzen ziehen. Im Risikomanagement führt daran aber kein Weg vorbei“, stellt Schindler fest.