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Haftstrafen in Asbest-Prozess gegen prominente Ex-Manager in Italien

Prominente Ex-Manager des italienischen Bürogeräteherstellers Olivetti sind zu Haftstrafen verurteilt worden, weil mehrere Todesfälle von Beschäftigten auf den Kontakt mit Asbest bei der Arbeit zurückzuführen sein sollen.

Rom (afp) > Prominente Ex-Manager des italienischen Bürogeräteherstellers Olivetti sind zu Haftstrafen verurteilt worden, weil mehrere Todesfälle von Beschäftigten auf den Kontakt mit Asbest bei der Arbeit zurückzuführen sein sollen. Der von 1978 bis 1996 amtierende Olivetti-Chef Carlo De Benedetti und sein Bruder Franco müssen wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung fünf Jahre und zwei Monate hinter Gitter, wie ein Gericht im norditalienischen Ivrea am Donnerstag entschied. Ex-Verkehrsminister Corrado Passera, der in den 90er Jahren das Unternehmen mitführte, bekam ein Jahr und elf Monate auf Bewährung.

Zwischen 2003 und 2013 waren rund 20 Menschen gestorben, die zwischen Ende der 70er und Anfang der 90er Jahre in der von Asbestfasern verseuchten Olivetti-Fabrik in Ivrea tätig waren. Seit November 2013 ermittelte die italienische Justiz. Sie vermutete, dass die Todesfälle auf die Asbestbelastung in der Fabrik zurückzuführen sind. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich nun „zufrieden“ mit dem Urteil. „Die Opfer und ihre Familien haben Gerechtigkeit bekommen“, erklärte Staatsanwältin Laura Longo.

Carlo De Benedetti kündigte dagegen an, gegen seine Verurteilung in Berufung zu gehen. Er sei „verblüfft“, da er für Taten verurteilt worden sei, die er nicht begangen habe. Der Geschäftsmann De Benedetti – ein langjähriger Erzrivale des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi – ist in Italien sehr bekannt. Er kontrolliert die Verlagsgruppe Espresso-Repubblica und ist im Energiesektor und bei Autozulieferern im Geschäft. Der Mitangeklagte Passera war einst Chef der italienischen Post und der Bank Intesa. In der Regierung von Mario Monti war er von November 2011 bis April 2013 Minister für Transport, Infrastruktur und wirtschaftliche Entwicklung.

In Italien hatte vor wenigen Jahren ein Asbest-Prozess um den Schweizer Industriellen Stephan Schmidheiny für Furore gesorgt, der für den Tod tausender Arbeiter und Anwohner von Baustofffabriken verantwortlich gemacht wurde. Er war im Februar 2012 zunächst zu 16 Jahren Haft verurteilt worden, gut ein Jahr später im Berufungsverfahren zu 18 Jahren Haft. Das Kassationsgericht kassierte im November 2014 letztlich seine Verurteilung, weil es die Vorwürfe als verjährt einstufte.