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Arbeitgeberverband: Integration von Flüchtlingen auf Arbeitsmarkt ist „Dauerlauf“

Nach Klagen über mangelnde Anstrengungen der Wirtschaft hat der neue Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands BDA, Steffen Kampeter, die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt als „Dauerlauf“ bezeichnet. „Der Trend stimmt“, sagte Kampeter am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“. Auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, mahnte zu Geduld. Dagegen forderte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann mehr Jobs und Lehrstellen für Flüchtlinge.

Berlin (afp) > Nach Klagen über mangelnde Anstrengungen der Wirtschaft hat der neue Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands BDA, Steffen Kampeter, die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt als „Dauerlauf“ bezeichnet. „Der Trend stimmt“, sagte Kampeter am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“. Auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, mahnte zu Geduld. Dagegen forderte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann mehr Jobs und Lehrstellen für Flüchtlinge.

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BDA-Geschäftsführer Steffen Kampeter: „lange Anstrengung nötig“.

In den vergangenen Tagen hatten mehrere Politiker vor allem an große Unternehmen appelliert, mehr für die Integration von Flüchtlingen auf den Arbeitsmarkt zu tun. Kampeter sagte zu der daraus resultierenden Diskussion, es sei, als würde einem Marathonläufer vorgeworfen, er habe nach zehn Kilometern noch keine Medaille gewonnen. Nötig sei eine „lange Anstrengung“, die mit Mut und Zuversicht und nicht mit Schuldzuweisungen gemeistert werden müsse. Zudem wies der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) darauf hin, dass der Zugang zum Arbeitsmarkt für Flüchtlinge erst Anfang August erleichtert worden sei. Dies habe die Politik so entschieden und dürfe nicht der Wirtschaft angelastet werden, betonte Kampeter. Auch DIHK-Präsident Eric Schweitzer wies Vorwürfe zurück, wonach sich die Wirtschaft nicht genügend für die Flüchtlingsintegration engagiere. Von dem Tag, an dem ein Flüchtling deutschen Boden betrete, bis zu dem Punkt, wo er in der Lage sei, eine Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung anzufangen, vergingen durchschnittlich zwei Jahre, sagte er der „Saarbrücker Zeitung“. Kernproblem seien fehlende Sprachkenntnisse, die erst erarbeitet werden müssten.

 Bislang erst 54 Flüchtlinge eingestellt

Bislang bieten viele große Arbeitgeber kaum Jobs für Flüchtlinge. Die 30 größten Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) hatten nach einer im Juli veröffentlichten Umfrage der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ nur 54 Flüchtlinge eingestellt. Mitte September ist ein Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Vorstandschefs der wichtigsten deutschen Konzerne geplant. Dabei müssten die Vorstände „konkrete Zusagen“ machen, forderte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann. Er sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, viele Unternehmenschefs hätten „vor einem Jahr die Ankunft der Flüchtlinge als eine Chance für unsere Gesellschaft begrüßt“. Nun erwarte er, „dass diesen Worten auch Taten folgen“. Die Dax-Konzerne sollten sich dabei die Handwerksbetriebe und die mittelständische Wirtschaft zum Vorbild nehmen, „die sich in besonderer Weise anstrengen“.

Nach Einschätzung der Städtetagspräsidentin Eva Lohse (CDU) dürfte es noch Jahre dauern, die Flüchtlinge in Deutschland in Arbeit zu bringen. Es sei vielleicht voreilig gewesen zu glauben, mit den Neuankömmlingen könne man den Fachkräftemangel beheben, sagte Lohse im Südwestrundfunk. In den nächsten fünf Jahren sei es sicher möglich, viele Flüchtlinge zu integrieren, „wenn wir uns die Zeit nehmen“.  Derweil wandte sich der Zuwanderungsexperte Wido Geis vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) gegen Befürchtungen, dass Flüchtlinge Einheimischen Jobs wegnehmen. „Die Sorge ist nur im Ausnahmefall berechtigt“, sagte Geis der „Passauer Neuen Presse“. Als Beispiel nannte er Einheimische, die gering qualifiziert seien und ebenfalls Probleme mit der deutschen Sprache hätten.