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Foodwatch: Viele Erfrischungsgetränke enthalten zu viel Zucker

Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert den Zuckergehalt vieler Erfrischungsgetränke. In 59 Prozent der untersuchten Produkte seien mehr als fünf Prozent Zucker enthalten, erklärte die Organisation am Mittwoch. 37 Prozent der Getränke hätten sogar einen Zuckergehalt von über acht Prozent.

Berlin (afp) > Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert den Zuckergehalt vieler Erfrischungsgetränke. In 59 Prozent der untersuchten Produkte seien mehr als fünf Prozent Zucker enthalten, erklärte die Organisation am Mittwoch. 37 Prozent der Getränke hätten sogar einen Zuckergehalt von über acht Prozent. Das entspreche sechseinhalb Zuckerwürfeln auf 250 Milliliter. „Erfrischungsgetränke machen nicht frisch, sondern krank“, urteilte Foodwatch-Ernährungsexperte Oliver Huizinga.

Die Organisation hatte 463 Getränke untersucht. Getestet wurden unter anderem Limonaden, Energy Drinks, Eistees und Saftschorlen. Am schlechtesten schnitten den Angaben zufolge Energy Drinks und Limonaden ab. Das zuckrigste Produkt im Test war laut Foodwatch ein Energy Drink, der 16 Prozent Zucker enthält. Das entspreche 78 Gramm oder 26 Zuckerwürfeln pro 500-Milliliter-Dose. Nur 55 der getesteten Getränke sind laut Foodwatch zuckerfrei. Von diesen enthielten aber 89 Prozent Süßstoffe, was ebenfalls problematisch sein könne.

Foodwatch forderte als Konsequenz, dass die Nährwertangaben mit Ampelfarben verbraucherfreundlicher und an Kinder gerichtete Werbung für die Getränke gesetzlich beschränkt wird. Außerdem verlangte der Verband eine Abgabe auf Zuckergetränke. Vorbild könne Großbritannien sein, wo Hersteller für Getränke mit mehr als fünf Prozent Zuckeranteil ab 2018 zwischen 20 und 30 Cent pro Dose oder Flasche zahlen sollen.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sowie die Deutsche Diabetes Gesellschaft unterstützten die Forderung. Der Spitzenverband der Lebensmittelindustrie BLL hingegen lehnte den Vorstoß ab. „Eine Zuckerabgabe ist nichts anderes als eine Strafsteuer für Zucker, die jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt“, erklärte BLL-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff. Im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung sei „jedes Lebensmittel in Maßen erlaubt“.

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) lehnt nach Angaben eines Sprechers eine politische Steuerung etwa durch eine Strafsteuer ab. Dies ändere in der Regel nichts am Ernährungsverhalten der Menschen. Die Meinung von Schmidt sei: „Jeder soll und darf essen, was ihm schmeckt, aber das in Maßen“, sagte der Sprecher. Es komme immer auf die Dosis an.

In der Koalition ist die Zuckersteuer umstritten. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschuss, Edgar Franke (SPD), sagte der „Bild“-Zeitung, eine derartige Steuer sei „sinnvoll“. Der CDU-Gesundheitspolitiker Dietrich Monstadt sagte dem Blatt, er halte eine Zuckerabgabe „für sehr sinnvoll und notwendig“. Dagegen erklärte Unionsfraktionsvize Gitta Connemann (CDU), die Verbraucher „mit Verboten à la Veggieday oder Zuckersteuer zu lenken, lehnen wir strikt ab“.