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Fabrikbrand Ali Enterprises – KiK einigt sich mit den Betroffenen

Am 11. September 2012 kam es in der pakistanischen Textilfabrik Ali Enterprises zu einem Großbrand, bei dem mehr als 255 Menschen starben und fast 60 verletzt wurden. Einer der wichtigsten Kunden der Fabrik war der deutsche Textildiscounter KiK. Jetzt, vier Jahre später, hat sich das Unternehmen mit den Betroffenen und Hinterbliebenen auf eine Entschädigungszahlung geeinigt. Davon unberührt ist die anhängige Schmerzensgeldklage vor dem Landgericht Dortmund.

Bönen (csr-news) > Am 11. September 2012 kam es in der pakistanischen Textilfabrik Ali Enterprises zu einem Großbrand, bei dem mehr als 255 Menschen starben und fast 60 verletzt wurden. Einer der wichtigsten Kunden der Fabrik war der deutsche Textildiscounter KiK. Jetzt, vier Jahre später, hat sich das Unternehmen mit den Betroffenen und Hinterbliebenen auf eine Entschädigungszahlung geeinigt. Davon unberührt ist die anhängige Schmerzensgeldklage vor dem Landgericht Dortmund.

KiK stellt für die Betroffenen des Brandes weitere 5,15 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Auf diese Summe hat sich KiK in Gesprächen mit Vertretern der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie der Kampagne für Saubere Kleidung und IndustrieALL geeinigt, teilte das Unternehmen mit. Insgesamt würde die Entschädigungsleistung von KiK somit 6,15 Millionen US-Dollar betragen. Unmittelbar nach der Brandkatastrophe hatte das Unternehmen bereits 1 Millionen US-Dollar Soforthilfe geleistet. „Wir begrüßen die jetzt getroffene Vereinbarung zum Wohle der Betroffenen des Fabrikbrandes von Ali Enterprises. KiK hat freiwillig Verantwortung für die Betroffenen übernommen, weil uns diese Hilfe ein echtes Anliegen war“, sagt Patrick Zahn, Vorsitzender der Geschäftsführung von KiK.

KiK zahlt 89 Prozent der gesamten Entschädigungssumme

„Durch unsere Soforthilfe und die Zahlungen aus den Sozialkassen hatten die Betroffenen in den vergangenen Jahren bereits finanzielle Sicherheit. Wir freuen uns, dass es gelungen ist, diese Sicherheit auch für die Zukunft garantieren zu können“, so Zahn. Insgesamt wurde eine Entschädigungssumme von 6,6 Millionen US-Dollar vereinbart. 89 Prozent davon werden von KiK geleistet. Der Rest kommt von den pakistanischen Sozialkassen und den Eigentümern der Fabrik. Mit diesen Zahlungen seien nun alle materiellen Ansprüche der Opfer und Hinterbliebenen befriedigt.

Direkt nach dem Unglück hatte KiK zugesagt, den Betroffenen weitere langfristige Hilfe zu gewähren. „An dieser Bereitschaft hat es unsererseits nie den geringsten Zweifel gegeben“, bekräftigt Zahn. Dies sollte jedoch nicht als Pauschalzahlung erfolgen, sondern individuell ermittelt und berechnet werden. KiK hatte vorgeschlagen, die Ansprüche unter Leitung einer neutralen Instanz wie der ILO berechnen zu lassen, wozu sich die Opfervertreter erst nach langem Zögern und einer neuen Dialogbereitschaft im Rahmen des Textilbündnisses bereit erklärt haben. „KiK hat sich mit konstruktiven Vorschlägen bemüht, eine Einigung zu erzielen. Wir danken dem von Minister Müller geführten BMZ für die aktive Unterstützung des Prozesses, ohne dessen kontinuierliches Engagement diese Einigung nicht möglich gewesen wäre“, so Zahn. Ende Mai haben in Genf die Gespräche mit allen Beteiligten begonnen. Im Juli hat die ILO eine Erkundungsmission in Pakistan durchgeführt, um anschließend die Berechnung der Ansprüche vornehmen zu können.

Individuell vereinbarte monatliche Rente

Ineke Zeldenrust von der Clean Clothes Campaign: “Wir freuen uns, dass sich KiK seiner Verantwortung und Sorgfaltspflicht bewusst ist, Dieses Abkommen ist ein gutes Beispiel dafür, dass Unternehmen Verantwortung für Arbeitsunfälle und Arbeitsunfälle mit Todesfolge in ihrer Lieferkette, übernehmen können und müssen, besonders in Ländern, in denen Arbeitsplätze bekanntlich nicht sicher sind, Textilarbeiter in sind weiterhin einem großen Risiko ausgesetzt. Alle Unternehmen müssen ihren Sorgfaltspflichten nachkommen, um schreckliche Ereignisse wie dieses in Zukunft zu verhindern“. Die vereinbarte Entschädigung basiert auf der ILO Konvention 121 zu Leistungen bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten und ist dazu bestimmt, die geringfügigen Auszahlungen an die Opfer durch die pakistanische Sozialversicherung, zu ergänzen. Jyrki Raina, Generalsekretär von IndustriALL, sagte: “Letztendlich konnten wir uns auf die langfristige Entschädigung der Opfer einigen und somit ein wenig Gerechtigkeit für die sie und die Angehörigen der Verstorbenen erreichen. Wir möchten ein Lob an KiK aussprechen, dafür Verantwortung zu übernehmen und die Opfer nach internationalen Standards zu entschädigen. Nun ist es höchste Zeit für nachhaltige Sicherheit und Gesundheitsschutz in der Textilindustrie in Pakistan zu sorgen, so wie wir es mit dem Accord in Bangladesch tun.” Konkret sollen die Anspruchsberechtigten eine monatliche Rente erhalten, deren Höhe von der individuellen finanziellen Situation und von der Anzahl der abhängigen Angehörigen abhängt.

Die nun getroffene Vereinbarung ist allerdings unabhängig von der vor dem Landgericht Dortmund anhängigen Schmerzensgeldklage von vier Betroffenen zu sehen. Die dort geforderte Zahlung von Schmerzensgeld lehnt KiK weiterhin ab (Bericht auf csr-news).