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Telefónica will Bewegungsdaten seiner deutschen Kunden verkaufen

Der Telekommunikationskonzern Telefónica will die Bewegungsdaten seiner deutschen Kunden zu Geld machen. „Jetzt sind wir an dem Punkt, dass wir starten können“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Telefónica Deutschland, Thorsten Dirks.

Düsseldorf (afp) > Der Telekommunikationskonzern Telefónica mit Marken wie O2, Base und Simyo will die Bewegungsdaten seiner Kunden in anonymisierter Form verkaufen. „Jetzt sind wir an dem Punkt, dass wir starten können“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Telefónica Deutschland, Thorsten Dirks, der „Wirtschaftswoche“. Kunden, die Daten freigeben, können laut Dirks mit einer Belohnung rechnen.

Telefónica will die Bewegungsdaten an Unternehmen oder Behörden verkaufen – Einkaufszentren etwa sind interessiert an Alter und Geschlecht ihrer Besucher, Verkehrsbetriebe an Nutzungszeiten ihrer Busse. In Stuttgart stellt Telefónica bereits anonymisierte Mobilfunkdaten für eine Studie zur Verbesserung der Verkehrsplanung zur Verfügung. Der Konzern, der gerade die Marke E-Plus integriert, hat insgesamt rund 49 Millionen Kunden in Deutschland.

Deren Vertragsdaten wie Alter und Geschlecht werden laut Unternehmen in einem dreistufigen Verfahren anonymisiert. Sie werden demnach zuerst in kleinstmögliche Bestandteile zerlegt, „der Personenbezug entfernt“, dann werden Merkmale verallgemeinert, schließlich gleichartige Merkmale zusammengefasst und hochgerechnet. „Wir wollen in Zukunft Projekte realisieren, bei denen unsere anonymisierten Analysen einen Mehrwert für die Gesellschaft liefern“, erklärte Vorstandsmitglied Markus Haas.

Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Andrea Voßhoff, erklärte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP, Telefónica stehe mit ihrer Behörde bezüglich eines Projekts zur Nutzung anonymisierter Standortdaten ihrer Mobilfunkkunden in regelmäßigem Kontakt. Dazu habe sie bereits Empfehlungen abgegeben. „Da sich das Projekt stetig fortentwickelt, ist eine abschließende Beurteilung der Datenschutzkonformität grundsätzlich nicht möglich.“ Voßhoff will das Projekt weiterhin begleiten und dabei die Wahrung datenschutzrechtlicher Vorgaben überwachen.

Bereits vor vier Jahren hatte Telefónica den Verkauf von Bewegungsdaten angekündigt. Es hagelte heftige Proteste von Datenschützern. Der damalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar mahnte, in jedem Fall sei die Einwilligung des Kunden nötig. Nun können Kunden auf der Seite des Anbieters ein Häkchen setzen, dass sie nicht einverstanden sind mit der Nutzung ihrer anonymisierten Daten („Opt-out“). Das reiche gesetzlich aus, sagte ein Unternehmenssprecher AFP.  „Wir werden uns nicht noch mal die Finger verbrennen“, betonte Vorstandschef Dirks in der „Wirtschaftswoche“. Datenschutz sei ein ganz kritischer Punkt. Der Vorstandschef kündigte zudem an, dass Kunden künftig mit einer Belohnung etwa in Form von Rabatten rechnen können, wenn sie Daten freigeben: „Wenn wir Daten nutzen dürfen und daraus Werte entstehen, dann kann der Kunde natürlich partizipieren.“ Genaueres dazu werde in den kommenden Monaten bekanntgegeben, sagte ein Unternehmenssprecher.