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Mechanisierung soll Kleinbauern in Afrika höhere Erträge ermöglichen

Hacken, pflügen, Unkraut jäten: Landwirtschaft ist in vielen afrikanischen Ländern noch harte Handarbeit. Ein Einsatz von Maschinen könnte Arbeitsbelastungen reduzieren und landwirtschaftliche Einkommen erheblich steigern, meinen Wissenschaftler der Universität Hohenheim. Sie testen Ideen, wie Kleinbauern in Sambia über Lohnunternehmer Zugang zu Traktoren erhalten können – und welche sozialen Folgen das mit sich bringt. Die Arbeit ist in das Projekt „Grüne Innovationszentren in Afrika“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eingebunden.

Stuttgart (csr-news) > Hacken, pflügen, Unkraut jäten: Landwirtschaft ist in vielen afrikanischen Ländern noch harte Handarbeit. Ein Einsatz von Maschinen könnte Arbeitsbelastungen reduzieren und landwirtschaftliche Einkommen erheblich steigern, meinen Wissenschaftler der Universität Hohenheim. Sie testen Ideen, wie Kleinbauern in Sambia über Lohnunternehmer Zugang zu Traktoren erhalten können – und welche sozialen Folgen das mit sich bringt. Die Arbeit ist in das Projekt „Grüne Innovationszentren in Afrika“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eingebunden.

Afrikanische Kleinbauern sind bei der Feldarbeit in der Regel auf ihre Muskelkraft angewiesen: Etwa 80 Prozent der Landwirte in Afrika bestellen laut Angaben der Welternährungsorganisation FAO ihre Felder nur mit Handarbeit ohne die Hilfe von Zugtieren oder Traktoren. Daher können sie nur kleine Flächen bewirtschaften, die Erträge sind gering. Die Folge: „Landwirtschaftliche Einkommen sind niedrig, und gerade junge Menschen finden Landwirtschaft kaum attraktiv und wandern ab“, erklärt Prof. Regina Birner, Agrarexpertin an der Universität Hohenheim. Gerade zu den kritischen Zeiten seien oft zu wenige Hände zum Anpacken da. Diesen saisonalen Arbeitskräftemangel und seine Folgen könnte Mechanisierung ausgleichen. „In den 1960er-Jahren gab es bereits Versuche, die Feldarbeit zu mechanisieren. Doch mangels Training oder Ersatzteile kamen die Traktoren kaum zum Einsatz“, resümiert Projektleiterin Birner die Fehler der Vergangenheit. „Wir wollen das heute besser machen und untersuchen, welche Voraussetzungen für eine Mechanisierung gegeben sein müssen und welche gesellschaftlichen Folgen zu erwarten sind.“ Zwei ihrer Master-Studenten sind dafür momentan in Sambia.

Institutionen vermitteln Kenntnisse und Fähigkeiten

Die Idee besteht darin, dass Kleinbauern die Traktoren nicht selbst anschaffen, sondern über Lohnunternehmer beanspruchen können. „Um das erfolgreich umzusetzen, stellt sich zum Beispiel die Frage der nötigen Ausbildung“, erklärt Thomas Daum, Doktorand in dem Projekt. „Die Bauern müssen lernen, wie man die Maschinen am besten einsetzt, in Stand hält und wie die Arbeiten bodenschonend durchgeführt werden. Für solche Schulungen müssen Institutionen etabliert werden“, erklärt Daum.

Vergleichende historische Studie zeigt Möglichkeiten auf

Um hier einen geeigneten Weg zu finden, hilft ein Blick in die Vergangenheit. „Auch die Industrieländer waren nicht immer auf dem Stand von heute – in den 1920er Jahren galt Deutschland im Hinblick auf die Mechanisierung der Landwirtschaft als sehr rückständig“, meint Daum. „Deutschland und die USA haben unterschiedliche Wege gefunden um die Kenntnisse und Fähigkeiten zu fördern, die für eine Mechanisierung nötig sind. Bei uns hat man die DEULA-Schulen eingerichtet, die vor Ort die Landwirte weitergebildet haben. Und in den USA wurde ein Gesetz eingeführt, nach dem die Kenntnisse in den Schulen vermittelt werden sollten.“ Auch Ersatzteile, Kraftstoffe und die Zollpolitik seien wesentliche Faktoren gewesen: „Die Probleme sind also nicht auf Entwicklungsländer beschränkt. Und sie sind lösbar.“

Bezahl-Service in Kooperation mit John Deere

Bei dem Modell, das die Forscher nun in Sambia untersuchen, kaufen aufstrebende Farmer die Traktoren und bieten Kleinbauern die Leistungen als Bezahl-Service an. Der Landtechnik-Hersteller John Deere unterstützt dieses Modell unter anderem in Sambia und Kenia. Die Forscher wollen verstehen, wie sich ein solches Modell ökonomisch, sozial und ökologisch auf die teilnehmenden Haushalte und die restliche Dorfgemeinschaft auswirkt. Eine andere zentrale Frage ist die Finanzierung der Maschinen und der Services sowie die Rolle des Herstellers und der Banken dabei. „Wir führen eine quantitative Analyse durch. Unsere Master-Studenten haben dazu 250 Haushalte mit Hilfe von Tablet-Computern befragt. Außerdem führen wir qualitative Gespräche mit Fokusgruppen, um die sozialen Konsequenzen ermitteln zu können“, erklärt Daum das Vorgehen.

Einflüsse auf die Arbeitsteilung

Besonders im Fokus der Wissenschaftler steht die Arbeitsteilung innerhalb der Haushalte. „Männer pflügen, Frauen jäten Unkraut – das ist die klassische Aufteilung in den Familien“, berichtet Daum. „Die Männer-Tätigkeit wird oft zuerst mechanisiert – und nun stellt sich uns die Frage, wie die Männer die frei gewordene Zeit nutzen. Suchen sie eine Tätigkeit außerhalb der Landwirtschaft? Ändert sich die Arbeitsbelastung der Frauen? Wie wirkt sich dies alles auf die Ernährung und Erziehung der Kinder aus?“ Um Antworten auf diese Fragen zu finden, planen die Forscher eine Zeitnutzungsstudie, bei der die weiblichen und männlichen Haushaltsmitglieder über eine Smartphone App angeben, mit welchen Tätigkeiten sie gerade beschäftigt sind. Um auch Analphabeten die Teilnahme zu ermöglichen, funktioniert die App mit Illustrationen der Tätigkeiten. Die App haben Studenten der Hochschule der Medien in Stuttgart entwickelt.

Smartphone-App und deren Anwendung in Sambia.

Ärmste Kleinbauern nutzen den Traktor-Service nicht

Einige erste Trends können die Wissenschaftler bereits aus den bisherigen Arbeiten erkennen. „Wir wissen bereits, dass die Kleinbauern den Landtechnik-Service tatsächlich nutzen. Allerdings werden die Ärmsten von ihnen nicht erreicht. Für diese Haushalte müssen andere Lösungen gefunden werden, möglicherweise über die Zugtiernutzung“, legt Daum dar. „Der Aufwand, ein solches System zu organisieren, hat sich als relativ groß erwiesen. Da könnten Entwicklungsorganisationen künftig helfen Privatsektor und Nutzer zusammenzubringen“, schlägt Daum vor. „Ob sich aber negative Auswirkungen auf die Arbeitsverfügbarkeit und Landverfügbarkeit ergeben, das muss die Arbeit in den nächsten Monaten erst zeigen.“

 

 

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