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Klima-Berater der Bundesregierung: Wahlsieg Trumps wäre “ein großer Rückschlag”

Eine Woche vor der UN-Klimakonferenz in Marrakesch hat der klimapolitische Berater der Bundesregierung, Dirk Messner, vor einem Rückschlag im Kampf gegen die Erderwärmung durch das Erstarken von Rechtspopulisten wie Donald Trump gewarnt. Wenn der republikanische US-Präsidentschaftskandidat die US-Wahl am 8. November gewinnen würde, wäre dies “ein wirklich großer Rückschlag” für den Klimaschutz, sagte Messner im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.

Bonn (afp) > Eine Woche vor der UN-Klimakonferenz in Marrakesch hat der klimapolitische Berater der Bundesregierung, Dirk Messner (Foto), vor einem Rückschlag im Kampf gegen die Erderwärmung durch das Erstarken von Rechtspopulisten wie Donald Trump gewarnt. Wenn der republikanische US-Präsidentschaftskandidat die US-Wahl am 8. November gewinnen würde, wäre dies “ein wirklich großer Rückschlag” für den Klimaschutz, sagte Messner im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.

Schließlich würde dies bedeuten, dass die USA als zweitgrößter Treibhausgasemittent der Welt ihre Zusagen im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens nicht einhalten, hob Messner hervor. Mit dem im vergangenen Jahr vereinbarten Abkommen soll die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzt werden. “Wenn die USA aussteigen aus dem Klimaschutz und gar wieder einsteigen in die fossile Energieverbrennung, wie Trump das angekündigt hat, dann wäre das Ziel, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten, de facto nicht mehr möglich”, warnte der Berater der Bundesregierung. “Man müsste dann hoffen, dass die anderen Akteure wenigstens bei der Stange bleiben.”

Klimaschutzpolitik der Bundesregierung bereitet Messner Sorgen

“Für mehr Klimaschutz brauchen wir mehr internationale Zusammenarbeit”, mahnte Messner, der Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik in Bonn und zugleich Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderung (WBGU) ist. Politiker wie Trump, der ungarische Ministerpäsident Viktor Orban oder die Chefin von Frankreichs rechtsextremer Partei Front National, Marine Le Pen, setzten hingegen auf nationale Lösungen ohne Rücksichtnahme auf andere Länder. “Das macht mir große Sorgen”, sagte Messner. Auch bei Polens rechtskonservativer Regierung gebe es in puncto Klimaschutz “große Schwierigkeiten, sie in Richtung eines internationalen Interessenausgleichs zu bewegen”.

Die derzeitige Klimaschutzpolitik der Bundesregierung bereitet Messner ebenfalls Sorgen. Mit der Verringerung des nationalen Treibhausgasaustoßes um 40 Prozent bis zum Jahr 2020 und um 95 Prozent bis zum Jahr 2050 verfolge sie zwar weiterhin “ehrgeizige Ziele”. Allerdings gebe es bei der Umsetzung “große Schwierigkeiten”. Auch wenn Deutschland “immer noch Vorreiter bei den erneuerbaren Energien” sei, tue sich die Bundesregierung in bestimmten Bereichen schwer, den vollständigen Verzicht auf klimaschädliche fossile Energieträger einzuläuten. Im Sinne des Klimaschutzes müsse sie aber “jetzt wieder eine Führungsrolle einnehmen” und sich zum Kohleausstieg und zu neuen Mobilitätskonzepten durchringen, forderte Messner.

Wenn der Klimaschutzplan 2050, an dem die Bundesregierung derzeit arbeitet, seine jetzige Form behalte, “wird es schwer sein, das Ziel der 95-prozentigen Reduktion bis 2050 hinzukriegen”, warnte Messner. “Da muss jetzt nachgearbeitet werden.” Messner fügte hinzu, dass aber nicht nur in Deutschland festzustellen sei, “dass viele Regierungen nach dem Kraftakt von Paris so ein bisschen an Schwung verloren haben”. Bei der Nachfolgekonferenz, die am 7. November im marokkanischen Marrakesch beginnt, dürfe nicht der Eindruck entstehen, “in Paris sind tolle Sachen beschlossen worden, aber jetzt ist die Luft raus”. Vielmehr müsse nun die Umsetzung der in Paris gesetzten Klimaschutzziele beginnen, forderte der Experte.