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Studie: Ausstoß von Klimagas CO2 steigt seit drei Jahren nicht mehr

Der weltweite Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid (CO2) ist einer Studie zufolge in den vergangenen drei Jahren weitgehend stabil geblieben. In einer Zeit starken Wirtschaftswachstums sei eine solche Entwicklung „beispiellos“, heißt es in dem jährlichen Bericht „Global Carbon Budget“.

Marrakech (afp) > Der weltweite Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid (CO2) ist einer Studie zufolge in den vergangenen drei Jahren weitgehend stabil geblieben. In einer Zeit starken Wirtschaftswachstums sei eine solche Entwicklung „beispiellos“, erklärte der internationale Forscherverbund „Global Carbon Project“ am Montag in seinem elften Jahresbericht. Um wirksam gegen die Erderwärmung vorzugehen, sei aber mehr nötig – nämlich eine Verringerung des CO2-Ausstoßes.

Von Mariëtte Le Roux

Im Jahr 2015 blieb der globale Ausstoß an CO2 der Studie zufolge im Vergleich zum Vorjahr mit rund 36,6 Milliarden Tonnen stabil. 2014 lag der Anstieg bei 0,7 Prozent, für 2016 wird ein sehr leichter Anstieg von 0,2 Prozent erwartet. In den Jahren von 2004 bis 2013 hingegen war der Ausstoß jährlich im Schnitt um 2,3 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung sei ein „klarer und beispielloser Bruch“ mit der bisherigen Entwicklung, erklärte die Hauptautorin der Studie, Corinne Le Quéré von der britischen University of East Anglia. „Das ist sehr hilfreich für den Umgang mit dem Klimawandel, aber es ist noch nicht genug.“

Das weitgehende Abflachen des Anstiegs führten die Autoren vor allem auf den reduzierten Kohleverbrauch in China zurück, dem mit einem Anteil von 29 Prozent größten CO2-Emittenten weltweit. Nachdem der CO2-Ausstoß in der Volksrepublik ein Jahrzehnt lang jährlich um 5,3 Prozent jährlich gewachsen war, ging er 2015 um 0,7 Prozent zurück. 2016 dürfte er weiter um 0,5 Prozent sinken. Auch die USA, mit einem Anteil von 15 Prozent der zweitgrößte Emittent, reduzierten ihren Ausstoß 2015 um 2,6 Prozent, 2016 dürfte er bei -1,7 Prozent liegen. Grund dafür sei, dass die Kohle zunehmend von Gas und Öl ersetzt werde.

In Zukunft dürfte die Kohle in den USA weiterhin zunehmend durch Gas, Wind- und Sonnenenergie ersetzt werden – und das trotz der Pläne des künftigen US-Präsidenten Donald Trump zur Wiederbelebung der Kohleindustrie, kommentierte der Co-Autor des Berichts, Glen Peters. Er rechnet damit, dass Trumps Pläne die „Marktkräfte“ nicht stoppen werden. In der Europäischen Union stieg der Ausstoß des Treibhausgases CO2 hingegen im Jahr 2015 erstmals seit langem wieder an, und zwar um 1,4 Prozent. In Indien betrug der Anstieg sogar 5,2 Prozent. Zudem wurde 2015 in der Atmosphäre eine so hohe Konzentration an Treibhausgasen wie noch nie gemessen. Das lag vor allem daran, dass die Wälder wegen der Hitze, die vor allem von dem Wetterphänomen El Niño bedingt war, 2015 und 2016 weniger CO2 absorbieren konnten als gewöhnlich, wie es in der Studie weiter heißt.

Um das international vereinbarte Ziel zu erreichen, den Temperaturanstieg auf zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, reiche die derzeitige Entwicklung aber nicht aus, warnten die Forscher. Dafür müsste der CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2030 jährlich um 0,9 Prozent sinken. Beim derzeitigen Rhythmus werde das maximale „CO2-Budget“ zur Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels in spätestens 30 Jahren komplett aufgebraucht sein. Forscherin Le Quéré forderte die Unterhändler der UN-Klimakonferenz im marokkanischen Marrakesch auf, genügend „Schwung“ zu finden, um den CO2-Ausstoß weiter zu senken. Dies wäre ein „ernsthafter Schritt im Kampf gegen den Klimawandel“. In Marrakesch berät die internationale Gemeinschaft derzeit über die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens zur Begrenzung der Erderwärmung.

 

 

 

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