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CDP-Studie – Schlechtes Wassermanagement beeinflusst CO2-Ziele

Wasserprobleme, sei es durch Dürren, Überschwemmungen, zunehmender Wasserstress durch den Klimawandel, strengere Umweltgesetze oder die Kosten für die Reinigung verschmutzten Wassers, haben immer stärkere finanzielle Auswirkungen für Unternehmen. Um mehr als das Fünffache sind die Belastungen im vergangenen Jahr gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt der neue CDP-Bericht „Thirsty business: Why water is vital to climate action” der heute in Marrakesch vorgestellt wurde.

Berlin (csr-news) > Wasserprobleme, sei es durch Dürren, Überschwemmungen, zunehmender Wasserstress durch den Klimawandel, strengere Umweltgesetze oder die Kosten für die Reinigung verschmutzten Wassers, haben immer stärkere finanzielle Auswirkungen für Unternehmen. Um mehr als das Fünffache sind die Belastungen im vergangenen Jahr gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt der neue CDP-Bericht „Thirsty business: Why water is vital to climate action” der heute in Marrakesch vorgestellt wurde.

Bei rund 14 Milliarden US-Dollar lagen die finanziellen Belastungen im vergangenen Jahr, im Jahr zuvor waren es noch 2,6 Milliarden US-Dollar. Wie der Bericht zeigt, nehmen die Wasserrisiken rasch zu. Fast jeder im Bericht untersuchte Sektor war im laufenden Jahr stärker durch wasserbezogene finanzielle Auswirkungen betroffen. Versorgungs-, Rohstoff- und Energieunternehmen meldeten die stärksten Auswirkungen. Diese Zunahme wurde zu einem großen Teil vom japanischen Energieriesen TEPCO verursacht, der wegen der Grundwasserverschmutzung durch das Kraftwerk Fukushima Daiichi nach dem Tsunami von 2011 für das letzte Geschäftsjahr Kosten von 10 Milliarden US-Dollar offenlegte. „Der diesjährige Bericht hält zwei Erkenntnisse für den privaten Sektor bereit: Erstens, dass das Wasserrisiko die Geschäftsgrundlage gefährden und eine ernsthafte Bedrohung für den Gewinn darstellen kann. Zweitens, und das ist von entscheidender Bedeutung, dass Wasser beim Übergang zu einer Wirtschaft mit geringen CO2-Emissionen eine fundamental wichtige Ressource sein wird“, erläutert der CEO des CDP, Paul Simpson, die Ergebnisse. „Für die Maßnahmen zur Emissionsreduktion, die die Staaten und Unternehmen planen, wird jeder Tropfen sauberen, nachhaltig gewonnenen Wassers gebraucht werden. Es handelt sich um einen Weckruf für die Unternehmen in aller Welt, Wasserthemen ernster zu nehmen.“

Die Volkswagen AG wiederum meldete Ausgaben von 2 Millionen Euro wegen strengerer Vorschriften für Chemikalien in Spanien. Insgesamt wurde über ein Viertel (27 Prozent) der Unternehmen allein im letzten Jahr durch wasserbezogene Probleme beeinträchtigt. Außerdem erwarten die Unternehmen, dass über die Hälfte (54 Prozent) der 4.416 von ihnen identifizierten Wasserrisiken in den nächsten sechs Jahren eintreten werden. Die E.ON SE beispielsweise hält es für wahrscheinlich, dass die Standorte im Vereinigten Königreich, in Frankreich und in Schweden in den nächsten drei Jahren von Wasserknappheit betroffen sein könnten.

Fortschritte der Unternehmen beim Wassermanagement stagnieren fast

Doch der jährliche Vergleicht zeigt, dass die Fortschritte der Unternehmen fast stagnieren: Der Bericht bewertet die Leistung der Unternehmen hauptsächlich anhand von fünf Werten mit Bezug auf das Wassermanagement, wozu die Messung und Beobachtung des Verbrauchs, die Berichterstattung sowie die Festlegung von Zielen gehören. Der jährliche Vergleich zeigt, dass die Fortschritte der Unternehmen fast stagnieren. So geben beispielsweise 61 Prozent der Unternehmen an, ihren Wasserverbrauch zu messen – das sind nur 3 Prozent mehr als letztes Jahr.

Die Wasserthemen könnten die weltweiten Anstrengungen, das Übereinkommen von Paris umzusetzen, entweder voranbringen oder ausbremsen. Die Unternehmen müssen ihr Wassermanagement in den Griff bekommen, um ihre Klimaziele zu erreichen, so ein klares Ergebnis der Untersuchung. Die Analyse ergab, dass ein Viertel (24 Prozent) der von den Unternehmen gemeldeten Maßnahmen zur Emissionsreduktion von einer stabilen Wasserversorgung abhängen. Gleichzeitig könnte ein besseres Wassermanagement eine Verringerung der CO2-Emissionen ermöglichen. Über die Hälfte der Unternehmen gab an, eine effizientere Wassernutzung habe zu geringeren Treibhausgasemissionen geführt.

Energiesektor hat Nachholbedarf

Im zweiten Jahr in Folge bewerteten CDP und die Nachhaltigkeitsfirma South Pole Group das Umweltmanagement und den Umgang mit Wasser von Unternehmen und veröffentlichten erneut die „Water A List“ von CDP, einen Index mit Unternehmen, die nach Meinung der Initiatoren Erfolgsmethoden im Bereich des nachhaltigen Wassermanagements umsetzen. Als Ausdruck der Tatsache, dass immer mehr Unternehmen einem umfassenderen Ansatz des Wassermanagements folgen, enthielt die diesjährige „Water A List“ von CDP 24 Unternehmen – nach nur acht im Jahr 2015. Dieses Jahr nennt die Liste Namen wie BASF SE, Coca-Cola European Partners, L’Oréal und Diageo. Unternehmen, die der Datenabfrage durch die Investoren keine Folge leisteten, wurden für die fehlende Veröffentlichung mit der Note F bewertet. Der Energiesektor ist im Hinblick auf Transparenz bei Wasserthemen weiterhin im Hintertreffen: Nur 29 Prozent der kontaktierten Unternehmen legten ihren Investoren in diesem Jahr über CDP die angeforderten Informationen offen. Der Bericht nennt insbesondere Exxon Mobile Corporation, Chevron Corporation und Royal Dutch Shell als die drei größten Energiekonzerne (gemessen am Börsenwert), die seit 2012 durchgängig nicht auf die durch das CDP-Wasserprogramm formulierte Forderung der Investoren reagieren, Daten zu veröffentlichen. Der CDP-Bericht stellt jedoch dar, dass der Energiesektor Wasserrisiken ausgesetzt ist: Fast die Hälfte (47 Prozent) der Unternehmen, die die Anfrage beantworteten, hatten finanzielle Kosten zu tragen, die von Strafen für Störfälle sowie für Verstöße gegen Umweltvorschriften bis hin zu Ausgleichszahlungen reichten. Die Strafzahlungen summierten sich auf 78 Millionen US-Dollar und liegen damit deutlich höher als in allen anderen Sektoren, die der Bericht untersuchte. Gegenüber den letztjährigen Strafen der Energieunternehmen entspricht dies einer Zunahme um das Siebenfache.

Wert eines besseren Wassermanagements erkannt

Morgan Gillespy, Hauptautorin des Berichts und Leiterin der CDP-Abteilung für Wasserthemen: „Die Unternehmen haben Wasser lange Zeit als Selbstverständlichkeit und unendliche Ressource angesehen. Doch angesichts des immer schnelleren Eintritts von Folgen des Klimawandels erweist sich diese Annahme nun als falsch. Die Investoren sorgen sich zu Recht wegen der Auswirkungen von Wasserrisiken auf ihre Anlagen. Die vom Meeresspiegelanstieg bedrohte Energieinfrastruktur in Louisiana im Wert von 100 Milliarden US-Dollar sowie die zunehmende Regulierung des Wasserverbrauchs in der chinesischen Industrie sind dafür nur zwei Beispiele von vielen. Aber es gibt auch Grund zur Hoffnung. Denn die wachsende Zahl von Unternehmen auf unserer ‚Water A List‘ bezeugt, dass viele Führungskräfte den Wert eines besseren Wassermanagements erkannt haben und die Maßstäbe höher ansetzen. Und wie unser Bericht zeigt, wird das für diejenigen Unternehmen einen entscheidenden Unterschied machen, die ihr Potenzial für die CO2-Reduktion voll ausschöpfen und ihre Ziele im Bereich nachhaltige Entwicklung erreichen wollen.“