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Textilbündnis – 2017 steht ganz im Zeichen der Umsetzung

Die Mitgliederversammlung am 22. und 23. November 2016 war der offizielle Startschuss für die nächsten Schritte im Textilbündnis. Jedes Mitglied startet nun mit einem konkreten Umsetzungsplan ins neue Jahr. Ende Oktober hatte sich der Steuerungskreis nach intensiven Verhandlungen auf diesen Weg geeinigt. Zunächst geht es vor allem um den Einsatz von Naturfasern, den Einsatz von Chemikalien und die Förderung existenzsichernder Löhne in den Fabriken.

Berlin (csr-news) > Die Mitgliederversammlung am 22. und 23. November 2016 war der offizielle Startschuss für die nächsten Schritte im Textilbündnis. Jedes Mitglied startet nun mit einem konkreten Umsetzungsplan ins neue Jahr. Ende Oktober hatte sich der Steuerungskreis nach intensiven Verhandlungen auf diesen Weg geeinigt (Bericht auf csr-news). Zunächst geht es vor allem um den Einsatz von Naturfasern, den Einsatz von Chemikalien und die Förderung existenzsichernder Löhne in den Fabriken. „Nachhaltigkeit gibt es nicht zum Nulltarif. Wenn wir Menschen für ihre Arbeit gerecht entlohnen und unseren Dreck nicht ungefiltert in die Umwelt entlassen wollen, kostet das. Diese Kosten müssten ins Produkt eingerechnet werden, was durch die Einhaltung von strengen Nachhaltigkeitsstandards mit unabhängiger Zertifizierung gewährleistet ist“, so Claudia Kersten, Direktorin Marketing und Finanzen des Global Organic Textile Standard (GOTS). Nun wird es also Ernst für die Mitglieder des Bündnisses, insbesondere für die 133 mittelständischen und großen Textilunternehmen.

Konkrete Verbesserungen in der Lieferkette

Ingeborg Neumann, Präsidentin des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie: „Wenn jedes der Mitglieder im Textilbündnis sich 14 Ziele setzt, dann haben wir Ende 2017 mehr als 2500 einzelne Verbesserungen der Lebens- und Arbeitssituationen der Menschen in den Produktionsländern erreicht. Das nenne ich einen Erfolg!“ Tatsächlich wird sich im kommenden Jahr die Wirksamkeit des Bündnisses entscheiden. In ihrem Umsetzungsplan müssen sich die Mitglieder zu konkreten Verbesserungen in ihrer Lieferkette verpflichten. 2018 wird dann Bilanz gezogen. Doch schon Ende Januar wird sich zeigen, ob der Ansatz der Freiwilligkeit, wie ihn Bundesentwicklungsminister Gerd Müller mit der Initiierung des Textilbündnisses verfolgte, tatsächlich trägt. Müller zeigte sich optimistisch und sprach von einem entwicklungspolitischem Quantensprung.

AnspruchsvolleRoadmap von zentraler Bedeutung

Deshalb wird es von großer Bedeutung sein, wie ambitioniert die Ziele sind, die sich die Unternehmen selber geben. Für die Vertreter der Zivilgesellschaft im Bündnis, unter anderem die Clean Clothes Campaign, sind die folgenden Aspekte für einen anspruchsvollen Umsetzungsplan von zentraler Bedeutung:

  1. Eine anspruchsvolle Roadmap muss ein Ziel zur Umsetzung von existenzsichernden Löhnen in der eigenen Wertschöpfungskette enthalten.
  2. Die Ziele in diesen anspruchsvollen Roadmaps dürfen sich nicht auf die erste Lieferkettenstufe, die Konfektion, beschränken, sondern müssen auch Maßnahmen in der tieferen Wertschöpfungskette, wie zum Beispiel eine Steigerung in der Beschaffung nachhaltiger Naturfasern, enthalten.
  3. Die Veröffentlichung der Roadmaps ist im ersten Jahr freiwillig. Die Zivilgesellschaft erwartet aber, dass ein großer Anteil der Mitglieder ihre Roadmaps bereits im ersten Jahr öffentlich zugänglich machen.
  4. Transparenz ist auch über die Roadmaps hinaus ein entscheidendes Kriterium für den künftigen Erfolg des Textilbündnisses. Zu Maßnahmen der Transparenz gehört die Offenlegung der Zulieferer durch die Unternehmen.

„Wesentlich ist, welche Verbesserungen durch das Textilbündnis für die Arbeiter in der Textilindustrie erreicht werden. Daran muss sich das Bündnis messen lassen.“ sagt Berndt Hinzmann, Steuerungskreismitglied für die Zivilgesellschaft im Textilbündnis. „Seriöse Aussagen zum Erfolg des Textilbündnisses können erst nach der ersten unabhängigen Verifizierung der Zielerreichung getätigt werden. Wir gehen davon aus, dass dies Anfang 2018 das erste Mal möglich sein wird.“ Davon wird auch abhängen, wie sich das Textilbündnis weiterentwickeln kann. Momentan erwirtschaften die Mitglieder rund 55 Prozent des Umsatzes der deutschen Textilwirtschaft. Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverband Deutschland (HDE): „Uns war besonders wichtig, dass die Ziele des Bündnisses sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene Raum für Verbesserungen bieten. Nur wenn sich in der Summe mehr Unternehmen für verantwortlichere Produktionsbedingungen einsetzen, kann das Bündnis messbare Fortschritte erreichen.“

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