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Amnesty kritisiert Arbeitsbedingungen auf Palmöl-Plantagen

Achim Halfmann

Amnesty International hat Menschenrechtsverletzungen auf den Palmölplantagen einer indonesischen Firma angeprangert, die nach den Angaben der Organisation führende internationale Konsumgüterhersteller beliefert.

Berlin (csr-news/afp) > Viele große Unternehmen wie Procter & Gamble, Nestlé oder Unilever bezögen Palmöl aus Raffinerien, die mit dem Produzenten zusammenarbeiteten, erklärte die Menschenrechtsorganisation. Procter & Gamble, Unilever und Nestle versicherten ihre Kooperationsbereitschaft bei der Lösung der Probleme. Amnesty sprach nach eigenen Angaben mit 120 Arbeitern auf Plantagen von Tochterfirmen des Palmöl-Produzenten Wilmar und drei Zulieferern. Demnach seien die Beschäftigten einem giftigen Unkrautvernichtungsmittel ausgesetzt. Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren müssten gefährliche Arbeit verrichten und könnten teils nicht mehr zur Schule gehen, weil sie Eltern helfen müssten, deren Zielvorgaben zu erfüllen. Arbeiterinnen erhielten dem Ergebnis der Recherchen der Organisation zufolge “in extremen Fällen” außerdem nur einen Lohn von 2,50 US-Dollar (1,41 Euro) pro Tag. Sie würden auch mit Lohnkürzungen für den Fall bedroht, dass sie Überstunden verweigerten. Lau Amnesty würde es sich bei den Verstößen nicht um Einzelfälle handeln, sondern um „sondern um systematische und vorhersehbare Folgen der Geschäftspolitik von Wilmar“.

RSPO reicht nicht aus

Amnesty kritisierte die Konsumgüterhersteller. Keines der großen Unternehmen habe auf Nachfrage erklären können, warum es die Menschenrechtsverletzungen bei den Zulieferern nicht erkannt und verhindert habe, erklärte die deutsche Expertin der Organisation, Verena Haan. “Dabei sind die Palmöl-Lieferketten meist kurz und wenig kompliziert.” Die Zertifizierungen durch den Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) würden nicht ausreichen, um sicherzustellen, dass Menschenrechte auch wirklich eingehalten werden. Laut Amnesty hätte der RSPO Plantagen als nachhaltig zertifiziert, auf denen Kinder Schwerstarbeit leisten müssen und Arbeiter giftigen Chemikalien ausgesetzt sind. Auf solche Zertifikate könnten Verbraucher sich nicht verlassen. Wichtig sei deshalb, dass Staaten Unternehmen gesetzlich dazu anhalten, ihren Sorgfaltspflichten nach den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte nachzukommen und transparent darüber zu berichten. „Es läuft etwas schief“, so Meghan Abraham, Forschungsleiterin bei Amnesty International, „wenn neun Unternehmen, die zusammen einen Jahresumsatz von 325 Milliarden US-Dollar erwirtschaften, unfähig sind, etwas gegen Verstöße gegen die Menschenrechte in ihrer Lieferkette zu unternehmen.“

Menschenrechte sind nicht verhandelbar

Der Körperpflege- und Haushaltsmittelkonzern Procter & Gamble erklärte auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AFP, er arbeite “eng” mit Wilmar zusammen, “um etwaiges Fehlverhalten zu korrigieren”. Die eigenen Richtlinien für Zulieferer seien “eindeutig und unmissverständlich”, erklärte deren deutschen Tochterfirma in Schwalbach am Taunus. Procter & Gamble sei überzeugt, positiv auf die Situation dort einwirken zu können. Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé erklärte, die Vorwürfe zusammen mit den Lieferanten abklären zu wollen. „Die im Bericht von Amnesty International festgestellten Verstöße haben keinen Platz in unserer Lieferkette“, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. „Die Menschenrechte sind nicht verhandelbar. Wir werden weiterhin eine aktive Rolle spielen, um sicherzustellen, dass sie respektiert werden.“ Nestle bezieht rund zehn Prozent seines Palmöls von Wilmar. Auch der Konsumgüterriese Unilever erklärte seinen Willen, Missstände beseitigen zu helfen. Er begrüße den Amnesty-Bericht und stimme zu, “dass noch viel mehr getan werden muss, um die tiefgreifenden gesellschaftlichen Probleme zu lösen”, die mit dem Anbau von Palmöl verbunden seien, teilte dessen deutscher Ableger in Hamburg AFP mit. Unilever sei entschlossen, dabei eine “führende Rolle” zu übernehmen.

Palmöl ist ein wichtiges Basisprodukt für Lebensmittel sowie Körperpflege-, Pharma-, Haushalts- und Hygieneartikel. Es findet sich etwa in Margarine, Cremes, Fertiggebäck, Pizza und Waschmittel. Der Umweltschutzorganisation WWF zufolge ist es rund in jedem zweiten Produkt enthalten, dass in Supermärkten verkauft wird. Der Anbau wird seit Langem wegen der damit verbundenen Umweltzerstörung und Arbeitsbedingungen kritisiert. Amnesty forderte die Heimatstaaten der Palmöl-Bezieher auf, “wirksame Maßnahmen” gegen die Menschenrechtsverstöße auf den Plantagen zu ergreifen. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) forderte mit Blick auf die Verhandlungen der Europäischen Union für Freihandelsabkommen mit Indonesien und Malaysia, nur noch nachhaltig produziertes Palmöl in die Europäische Union zu lassen. Die Handelspakte müssten ein “klares Signal” setzen. Indonesien sei unter anderem durch Brandrodung im vergangenen Jahr der drittgrößte Verursacher von klimaschädlichem Kohlendioxid gewesen.

Der Bericht “The great palm oil scandal: Labour abuses behind big brand names” von Amnesty International als Download.