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Real kündigt Ausstieg aus Initiative Tierwohl an

© real,- SB Warenhaus GmbH

[exklusiv] Der Handelskonzern Real zieht sich Ende 2017 aus der freiwilligen Initiative Tierwohl (ITW) zurück und setzt auf das angekündigte staatliche Siegel. Unter den derzeitigen Voraussetzungen sehe das Unternehmen “keine langfristige Perspektive für eine Erfolg versprechende Kooperation” mit der Initiative, teilte Real mit.

Mönchengladbach (AFP/csr-news) > Der Konzern begründete die Entscheidung mit dem Rückzug wichtiger Tierschutzorganisationen und mangelndem branchenweitem Engagement bei Lebensmitteleinzelhändlern. Eine Mitgliedschaft sei nur sinnvoll, wenn maßgebliche Tierschutzorganisationen die Initiative unterstützten, erklärte Real. Mit dem Deutschen Tierschutzbund und dem Verein Pro Vieh hätten im vergangenen Jahr aber zwei wichtige Organisationen die Initiative verlassen. Die beteiligten Unternehmen seien zwar “mit großem Engagement” dabei und trügen “hohe Kosten”. Es profitierten aber auch Unternehmen, die sich nicht der Initiative angeschlossen hätten, bemängelte der Handelskonzern. Dies sei eine “klare Wettbewerbsverzerrung”. Statt einer Ausweitung der Initiative Tierwohl auf möglichst viele Lebensmitteleinzelhändler, soll es für die bereits teilnehmenden Unternehmen zu einer höheren finanziellen Belastung kommen.

Alternative staatliches Tierwohl

Real gehört zu den Gründungsmitgliedern der Brancheninitiative und lässt seine Mitgliedschaft nun zum Jahresende 2017 auslaufen. Der Handelskonzern sieht in dem staatlichen Tierwohl-Siegel, das Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) angekündigt hat, eine Alternative. Damit könne eine branchenweite einheitliche Lösung geschaffen werden, die für alle Marktteilnehmer gelten müsse. Der Erfolg eines solchen Gütesiegels hängt dabei maßgeblich davon ab, dass alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette ihren Beitrag leisten. „Wir forcieren ein verbindliches staatliches Tierwohl-Label mit konformen Anforderungen, die von ausgewählten Branchenorganisationen überprüft werden. Nur so kann eine nachvollziehbare Transparenz für den Verbraucher geschaffen werden“, sagt Patrick Müller-Sarmiento, real,- CEO.

Unterdessen hat die Initiative ihr Programm für die Jahre 2018 – 2020 unterzeichnet. Als wichtigste Veränderung wird die verbesserte Finanzausstattung des Tierwohlfonds genannt durch Erhöhung der Entgelte für den Lebensmittelhandel, die Anhebung der Mindestanforderungen für Landwirte sowie die Straffung der Kriterienkataloge. Details dazu will die Initiative im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin bekanntgegeben. Mit sofortiger Wirkung werde die Anzahl der Audits in den teilnehmenden landwirtschaftlichen Betrieben verdoppelt, teilte die ITW mit. Somit finden unangekündigte Begutachtungen durch unabhängige Prüfer von nun an zweimal jährlich statt.

Getragen wird die Initiative Tierwohl ab 2018 nach derzeitigem Stand von den Einzelhandelsunternehmen ALDI Nord, ALDI Süd, EDEKA, Kaufland, LIDL, Netto, Penny, REWE und Wasgau.Das Handelsunternehmen real,- ist bis zum Ende der ersten Vertragsperiode am 31. Dezember 2017 Partner der Initiative Tierwohl. Die Filialen des Handelsunternehmens Kaiser’s Tengelmann werden unter der Firmierung der übernehmenden Handelsunternehmen weiter an der Initiative Tierwohl teilnehmen. 

Im aktuellen CSR-MAGAZIN befasst sich ein Beitrag ausführlich mit den Entwicklungen bei der Initiative Tierwohl und alternativen Plänen für Tierwohl-Siegel.

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