Agenturmeldung Nachrichten Unternehmen

US-Umweltbehörde ermittelt gegen Fiat Chrysler

Claudia Paulussen - Fotolia

Nach Volkswagen werfen die US-Behörden auch dem italienisch-amerikanischen Autokonzern Fiat Chrysler die Manipulation von Abgaswerten vor.

Washington (afp) > Die Umweltbehörde EPA beschuldigte den Autobauer mit Sitz in Turin und Detroit am Donnerstag offiziell, in rund 104.000 Diesel-Fahrzeugen eine Software zur Verfälschung der Abgaswerte eingebaut zu haben. Der Handel mit Aktien des Konzerns wurde wegen des drastischen Preisverfalls zeitweise ausgesetzt.

Durch die Schummelprogramme in der Motorsteuerung sollen die betroffenen Autos auf dem Prüfstand weniger Stickoxide emittiert haben als beim tatsächlichen Einsatz auf der Straße. Die EPA fand die Software nach eigenen Angaben beim Jeep Grand Cherokee sowie bei dem Kleinlastwagen Dodge Ram 1500. Jeep und Dodge sind Marken des Chrysler-Konzerns, der im Jahr 2014 mit seinem Mehrheitseigner Fiat fusioniert war. Die an den Börsen in Mailand und New York gehandelten Aktien von Fiat Chrysler befanden sich am Nachmittag zwischenzeitlich im freien Fall. An der US-Börse New York Stock Exchange lagen die Aktien nach einer Unterbrechung des Handels am Nachmittag 14,5 Prozent im Minus. In Mailand wurde der Handel nach einem Verlust von fast 15 Prozent gestoppt.

Anteilseigner befürchteten offenbar horrende Strafzahlungen für Fiat Chrysler. Erst am Mittwoch hatte Volkswagen seine Rechtsstreitigkeiten in den USA wegen Abgasmanipulationen beigelegt und Zahlungen von insgesamt mehr als 20 Milliarden Dollar zugestimmt. Dass Fiat Chrysler ebenfalls Strafzahlungen drohen, darauf deuten auch zwei Sammelklagen von Verbrauchern hin, die in den USA gegen den Konzern wegen Abgasmanipulationen anhängig sind. Allerdings bestritt Fiat Chrysler, überhaupt Rechtsverstöße begangen zu haben. Unmittelbar nach der EPA-Mitteilung dementierte Fiat Chrysler sämtliche Vorwürfe. Gemeinsam mit der EPA ermittelt auch die Umweltbehörde des US-Bundesstaats Kalifornien, Carb, gegen den Autobauer. „Computerprogramme nicht offenzulegen, die die Emissionen eines Motors betreffen, ist ein ernsthafter Gesetzesverstoß“, erklärte EPA-Ermittlerin Cynthia Giles.

Fiat Chrysler erklärte, von den Ermittlungen der EPA enttäuscht zu sein. Das Unternehmen habe Beweise dafür vorgelegt, dass seine „Abgaskontrollsysteme den geltenden Vorschriften entsprechen“, erklärte der Konzern. Die US-Sparte des Unternehmens werde demnach mit der künftigen US-Regierung zusammenarbeiten, um „die Angelegenheit fair und gerecht zu lösen“. Die Regierung des künftigen US-Präsidenten Donald Trump wird Spitzenpersonal bei der EPA genauso wie bei anderen Bundesbehörden austauschen. Trump hatte sich im Wahlkampf skeptisch gegenüber Klimaschutzmaßnahmen gezeigt und mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze geworben. Am Mittwoch hatte Trump die Ankündigung von Fiat Chrysler gelobt, in den USA 2000 neue Arbeitsplätze schaffen zu wollen. Drohende Strafzahlungen könnten dieses Vorhaben gefährden.