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„Mogelpackung des Jahres“ ist Evian Mineralwasser

„Mogelpackung des Jahres“ ist ein Mineralwasser der Marke Evian. In einer Online-Abstimmung der Verbraucherzentrale Hamburg bekam das Produkt die meisten Stimmen, wie die Verbraucherschützer am Montag mitteilten.

Hamburg (afp) > Der Hersteller Danone Waters hatte die Füllmenge demnach von 1,5 Liter auf 1,25 Liter reduziert und gleichzeitig den Preis angehoben. Das Unternehmen erklärte, es nehme Verbraucherkritik ernst – könne die Einstufung als „Mogelpackung“ jedoch nicht nachvollziehen.

Die Preiserhöhung für das Mineralwasser habe in einigen Supermärkten bis zu 50 Prozent betragen, kritisierte die Verbraucherzentrale Hamburg. „Viele Verbraucher fanden diesen rasanten Preisanstieg anscheinend besonders unverschämt.“ Armin Valet von der Verbraucherzentrale ergänzte, die neugestaltete, „sehr stabile Premium-PET-Flasche“ sei zudem „ein großer Umweltfrevel“, weil mehr Kunststoff benötigt werde, um weniger Wasser in Einwegflaschen abzufüllen.

Danone Waters erklärte, eine Preisanpassung sei „dringend geboten“ gewesen: Zum einen sei der Preis in den fünf Jahre zuvor nicht erhöht worden, zum anderen sei die Anhebung geschehen, „um unsere Bemühungen zum Quellenschutz nachhaltig zu sichern“. Das Unternehmen könne nicht nachvollziehen, „wie eine Flasche, die vollkommen transparent ist, eine Mogelpackung sein kann“. Danone Waters bedaure daher die Verbraucherwahl. „Das Letzte, was wir wollen, ist es, den Verbraucher zu täuschen.“

Die Verbraucherzentrale Hamburg lässt bereits seit einigen Jahren über die „Mogelpackung des Jahres“ abstimmen. Nominiert waren diesmal neben dem Mineralwasser Evian die Crunchips von Lorenz Bahlsen Snack-World, die Choco Crossies von Nestlé, Mirácoli-Pasta von Mars und der Milka-Weihnachtsmann von Mondelez. Bei allen Produkten gab es eine versteckte Preiserhöhung: Der Verbraucher bekommt weniger für gleiches oder gar mehr Geld.

In den knapp drei Wochen der Abstimmung beteiligten sich dieses Jahr 23.400 Verbraucher. Fast 9000 von ihnen, rund 38 Prozent, stimmten für Evian. Dicht dahinter folgten die Choco Crossies mit rund 35 Prozent der Stimmen, die Crunchips mit zehn, der Milka-Weihnachtsmann mit neun und Mirácoli mit sieben Prozent. „Das Interesse an unserer Wahl war riesig“, erklärte Valet. Er zeige, dass Mogelpackungen für viele Menschen weiterhin ein Dauerärgernis seien. Valet forderte die Politik auf, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu verbessern: „Wir brauchen eine Transparenzplattform, auf der Hersteller vorab kleinere Füllmengen melden müssen.“ Die Verbraucherzentrale Hamburg erhält nach eigenen Angaben pro Jahr „weit mehr“ als tausend Beschwerden zu Mogelpackungen. Seit zwölf Jahren dokumentieren die Verbraucherschützer sie in einer „Mogelpackungsliste“ – darauf stehen derzeit über tausend Produkten.

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