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Transparency International beklagt Teufelskreis aus Korruption und Populismus

Der Aufstieg populistischer Bewegungen befördert nach Ansicht von Transparency International die Korruption. Korruption verschärfe die soziale Ungleichheit, erklärte die Organisation in ihrem am Mittwoch vorgelegten Korruptionsindex.

Berlin (afp) > Dies führe zu Politikverdrossenheit und biete einen Nährboden für Populisten. Unter deren Führung verschlechtere sich die Lage aber weiter. Der Untersuchung zufolge nahm die Korruption 2016 in vielen Ländern zu. Deutschland lag unverändert auf dem zehnten Rang.

Von Bernd FISCHALECK

„Populismus ist die falsche Medizin“, erklärte die in Berlin ansässige Anti-Korruptions-Organisation in ihrem Jahresbericht, in dem 176 Länder untersucht wurden. In Staaten, in denen populistische oder autokratische Politiker an der Macht seien, gerate die Demokratie oftmals durch Einschränkungen der Pressefreiheit sowie Angriffe auf die Zivilgesellschaft und die Unabhängigkeit der Justiz in Gefahr. „Anstatt Vetternwirtschaft zu bekämpfen, installieren diese Führer in der Regel noch schlimmere korrupte Systeme“, sagte der Transparency-Vorsitzende José Ugaz. Als Beispiele werden in dem Bericht Ungarn und die Türkei genannt, die in den vergangenen Jahren in dem Korruptionsindex zurückgefallen seien. In dem aktuellen Bericht rutschte die Türkei vom 66. auf den 75. Platz ab, während sich Ungarn um sieben Plätze auf Rang 57 verschlechterte. Die weltweite Korruption müsse mit Entschlossenheit bekämpft werden, um zu verhindern, dass sich weiterhin einige Wenige auf Kosten der Allgemeinheit bereicherten, sagte Ugaz.

Sorge bereitet der Organisation auch die Entwicklung in den USA unter dem neuen Präsidenten Donald Trump. In dessen Kabinett gebe es zahlreiche Interessenkonflikte, sagte der Transparency-Experte Finn Heinrich. Es sei auch bedenklich, dass Trump seinen Schwiegersohn zu einem seiner führenden Berater ernannt habe. Zwar habe der Rechtspopulist der Korruption in Washington den Kampf angesagt, sein bisheriges Handeln deute aber eher darauf hin, dass sich die Situation verschlechtern werde. In der aktuellen Rangliste büßten die USA (Rang 18) zwei Plätze ein. Insgesamt zeichnet der Corruption Perceptions Index (CPI) ein ernüchterndes Bild. Anders als im Vorjahr lag die Zahl der Länder, die sich verschlechterten, höher als die der Aufsteiger. 69 Prozent der 176 untersuchten Länder erreichten weniger als 50 Punkte. Der Corruption Perceptions Index (CPI) reicht von null bis 100, wobei 100 für den niedrigsten Korruptionsgrad steht. Der CPI misst, wie die Korruption in Wirtschaft, Politik und Verwaltung wahrgenommen wird. Er stützt sich auf verschiedene Umfragen und Untersuchungen von unabhängigen Institutionen.

Deutschland lag mit 81 Punkten unverändert auf dem zehnten Rang. Den besten Wert erreichte zum dritten Mal in Folge Dänemark, das sich den Spitzenplatz in diesem Jahr mit Neuseeland teilt. Beide kamen auf 90 Punkte, gefolgt von Finnland und Schweden. Schlusslicht ist zum zehnten Mal in Folge Somalia (zehn Punkte), knapp davor lagen der Südsudan (elf Punkte), Nordkorea (zwölf Punkte) und Syrien (13 Punkte). Vor allem in Krisenregionen wie dem Nahen Osten machte Transparency einen Anstieg der Korruption aus. Größter Verlierer war 2016 demnach der Golfstaat Katar (Platz 31), der zehn Punkte schlechter abschnitt als im Vorjahr. Hintergrund seien die Ermittlungen zur umstrittenen Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an den Golfstaat sowie Berichte über die mutmaßliche Ausbeutung von Gastarbeitern, erklärte Transparency.

 

 

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