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CarSharing immer beliebter

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Der CarSharing-Boom in Deutschland hält weiter an. 2012 begann das starke Wachstum und markierte im vergangenen Jahr einen neuen Höhepunkt. Rund 1,7 Millionen Kunden sind inzwischen bei den Anbietern registriert, rund 36 Prozent mehr als im Vorjahr, wie der Bundesverband CarSharing bekanntgab. Umstritten bleibt die Auswirkung auf Verkehr und Umwelt.

Berlin (csr-news) > Auch die Zahl der Orte mit einem CarSharing-Angebot stieg auf 597. Das sind 60 Städte und Gemeinden mehr als im Vorjahr. Willi Loose, Geschäftsführer des Bundesverbands: „In innenstadtnahen Wohngebieten ersetzt ein CarSharing-Fahrzeug heute bis zu 20 private Pkw. CarSharing befreit Städte also in erheblichem Umfang von überflüssigen Autos. Das ist für uns die eigentliche, verkehrs- und umweltpolitische Bedeutung des CarSharing-Wachstums.“ Seit die Autokonzerne mit eigenen Angeboten mitmischen, steigen die Nutzerzahlen stetig an. Sie haben vor allem das sogenannte free-floating CarSharing verbreitet, das Segment, in dem die größten Zuwächse zu verzeichnen sind. Hier stieg die Zahl der Kunden um 51,8 Prozent auf 1,26 Millionen. Dies sei besonders bemerkenswert, so der Verband, weil es in diesem Segment keine Expansion in neue Städte gab und auch die Operationsgebiete nicht ausgeweitet wurden. Beim free-floating können die Nutzer Fahrzeuge in einem bestimmten Gebiet anmieten und wieder abstellen, ohne eine bestimmte Station anfahren zum müssen.

Stationsbasierte Fahrzeuge haben die höchste verkehrsentlastende Wirkung

Bei den stationsbasierten Anbietern, die ursprüngliche Form des Charsahrings, stieg die Zahl der Kunden in 2016 um 5,8 Prozent auf 455.000. Die gegenüber den Vorjahren niedrige Steigerungsrate ist vor allem auf die Insolvenz eines Anbieters und den Marktaustritt eines zweiten zurückzuführen. Bereinigt um diese Effekte wuchs die Zahl der Kunden bei allen anderen stationsbasierten Anbietern um 11,6 Prozent. Die stationsbasierten Anbieter erschlossen durch ihre Expansion zudem im Jahr 2016 insgesamt 60 Städte und Gemeinden neu für das CarSharing. Loose führt das unterschiedliche Kunden-Wachstum in beiden Marktsegmenten auch auf die sehr unterschiedliche Sichtbarkeit der Fahrzeuge für potenzielle Kunden zurück: „Free-floating Fahrzeuge stehen zu einhundert Prozent im Straßenraum. Im stationsbasierten Bereich trifft das bisher nur auf einen kleinen Bruchteil der Fahrzeuge zu. Sie besser sichtbar zu machen, wäre verkehrspolitisch besonders bedeutsam. Denn stationsbasierte Fahrzeuge haben die höchste verkehrsentlastende Wirkung.“

Das Carsharinggesetz der Bundesregierung, das im März im Bundestag beraten wird, sieht Loose als einen bedeutenden Beitrag zur Lösung dieses Problems. Die Bundesregierung will die Nutzung von Carsharing-Angeboten attraktiver machen und beispielsweise Parkgebühren für Carsharing-Autos senken oder ganz streichen. Zudem sollen Kommunen Abstellflächen ausschließlich für solche Fahrzeuge reservieren können. Die Firmen müssen sich den Plänen zufolge für die Nutzung solcher Flächen bewerben. Die Stationen könnten gezielt etwa an Knotenpunkten des öffentlichen Nahverkehrs platziert werden, um die verschiedenen Verkehrsmittel besser miteinander zu verbinden.

Das Wachstum der deutschen CarSharing-Flotten fiel 2016 – gemessen am Kundenwachstum – eher moderat aus. Insgesamt stieg die Zahl der CarSharing-Fahrzeuge um 6,8 Prozent auf 17.200 Fahrzeuge. Im stationsbasierten CarSharing fahren jetzt 9.400 Fahrzeuge (plus 3,3 Prozent). Im free-floating CarSharing sind es 7.800 Fahrzeuge (plus 11,4 Prozent). 530 dieser free-floating Fahrzeuge gehören zu stationsbasierten Anbietern, die free-floating und stationsbasiertes CarSharing in kombinierten Systemen aus einer Hand anbieten. Deutliche Unterschiede zwischen free-floating CarSharing und stationsbasiertem CarSharing zeigen sich weiterhin bei der Zahl der Kunden pro Fahrzeug. Während diese Zahl im stationsbasierten Bereich nur leicht von 45,2 auf 48,4 anstieg, schnellte sie im free-floating Segment von 125,6 im Vorjahr auf jetzt 172,8 Kunden pro Fahrzeug in die Höhe. Dies zeige, wie unterschiedlich die Systeme genutzt werden: Free-floating bedient vor allem die Nachfrage nach sehr kurzen innerstädtischen Fahrten. Mit stationsbasierten Fahrzeugen werden hingegen auch längere Fahrten, wie Ausflüge und Wochenendfahrten absolviert. Das senkt im stationsbasierten Bereich die Zahl der Kunden, die gemeinsam ein Fahrzeug nutzen können. Für die Zukunft will Loose die Bekanntheit der stationsbasierten Angebote voranbringen. Loose: „Dann werden wir das volle Potenzial des CarSharing für die Verkehrswende in den Städten erschließen.“

Distanzen unter fünf Kilometern

Doch welche Auswirkungen CarSharing tatsächlich hat, ist nach wie vor umstritten. Zwar würden laut CarSharing-Verband ein CarSharing-Fahrzeug bis zu 20 private Pkw ersetzen, eine Aussage über die Verkehrsbelastung oder die ökologischen Auswirkungen lässt sich daraus noch nicht ableiten. Denn, so hat das Beratungsunternehmen civity ermittelt, würden mit den free-float-Fahrzeugen Mobilitätsbedürfnisse bedient, die häufig genauso gut mit dem öffentlichen Verkehr oder dem Fahrrad zurückgelegt werden könnten. Ein Großteil der Fahrten würde auf Distanzen unter fünf Kilometern stattfinden. Doch trotzdem eine verkehrliche Relevanz nicht nachweisbar ist, prognostizieren die Berater dem free-float-Geschäft auch für die Zukunft glänzende Umsätze.

Der Anbieter DriveNow, ein Joint Venture der BMW Group und der Sixt SE, hat heute ebenfalls seine Zahlen vorgelegt. Von den über 1,2 Millionen Kunden des free-float-Systems, würden nach eigenen Angaben ungefähr die Hälfte auf DriveNow entfallen. „Seit unserem Bestehen verzeichnen wir ein gesundes und kontinuierliches Kundenwachstum im zweistelligen Prozentbereich“, sagt Sebastian Hofelich, DriveNow Geschäftsführer. „Der stetige Zuwachs auch in Städten, in denen wir DriveNow schon lange anbieten, zeigt, dass hier weiterhin viel Entwicklungspotential für Free Floating-Carsharing liegt. Wir definieren Erfolg jedoch nicht nur durch Mitgliederwachstum und Marktanteile. Mit dem Erreichen der operativen Profitabilitätsschwelle in Deutschland Mitte 2014 haben wir bewiesen: DriveNow ist ein stabiles und wirtschaftlich nachhaltiges Mobilitätsangebot“, so Hofelich weiter. „Das bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Weiterentwicklung.“ Das Unternehmen sieht dabei die Wirksamkeit des CarSharings bestätigt. So hat die Stadt München das Thema Carsharing wissenschaftlich erforschen lassen und damit die entlastende Wirkung von Carsharing auf den Individualverkehr belegt: 11,6 Prozent der Carsharing-Kunden in München haben seit ihrer Mitgliedschaft mindestens ein privates Fahrzeug abgeschafft, zwei Drittel davon haben angegeben, dass die Verfügbarkeit von Carsharing ein sehr großer oder eher großer Grund für ihre Entscheidung gewesen sei.