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Drücken sich Banken um Beitrag zum Gemeinwohl?

Roman Levin - Fotolia

[exklusiv] Europäische Banken stehen im Verdacht, massiv Gewinne in Steueroasen zu verschieben und sich so vor ihrem fairen Steuerbeitrag zum Gemeinwohl zu drücken.

Berlin(csr-news) > Das geht aus dem Bericht „Opening the vaults: the use of tax havens by Europe’s biggest banks“ hervor, den die Entwicklungsorganisation Oxfam gemeinsam mit Fair Finance Guide International veröffentlicht hat. Für den Bericht habe die Organisationen die Finanzflüsse der 20 größten Banken der EU ausgewertet. Das wurde möglich, nachdem die EU im Jahr 2013 infolge der Finanzkrise Banken zu öffentlicher länderbezogener Berichterstattung über Gewinne und Steuerzahlungen verpflichtet hatte.

Demnach fallen mit etwa 25 Milliarden Euro rund 26 Prozent des Gewinns der untersuchten Banken in Steueroasen an, obwohl sie dort nur zwölf Prozent ihres Umsatzes erwirtschaften und nur sieben Prozent ihres Personals beschäftigen.  Auf Gewinne in Höhe von 383 Millionen Euro haben die untersuchten Banken nicht einen einzigen Cent Steuern gezahlt. Die untersuchten Banken haben zudem mindestens 628 Millionen Euro Gewinn in Steueroasen gemeldet, in denen sie überhaupt keine Beschäftigten haben. So will die französische Bank BNP Paribas völlig ohne Personal vor Ort auf den Kaimaninseln 134 Millionen steuerfreien Gewinn erwirtschaftet haben.

Ein weiteres Indiz für Gewinnverschiebungen ist der gemeldete Gewinn pro Angestelltem: Die Angaben der untersuchten Banken suggerieren, ihre Angestellten in Steueroasen arbeiteten um ein vielfaches profitabler: Der Gewinn pro Angestelltem und Jahr ist in Steueroasen viermal so groß wie anderswo, rund 171.000 Euro, während der globale Durchschnitt bei 45.000 Euro liegt. Bei der italienischen Bank Sanpaolo beträgt der Gewinn pro Angestelltem in Steueroasen mehr als das Zwanzigfache des Gewinns pro Durchschnittsangestelltem, das luxemburgische Team der britischen Barclays Bank soll pro Kopf und Jahr gar den 348-fachen Gewinn des durchschnittlichen Barclays-Angestellten erwirtschaften.

Dem Bericht zufolge sind Luxemburg und Irland für die europäischen Banken die beliebtesten Steueroasen: 29 Prozent der in Steueroasen gemeldeten Gewinne sollen hier angefallen sein. Barclays hat auf seine in Luxemburg gemeldeten Gewinne von 557 Millionen Euro gerade einmal eine Million Euro Steuern gezahlt – das entspricht einem Steuersatz von 0,2 Prozent. In Irland fiel für die untersuchten Banken im Durchschnitt ein effektiver Steuersatz von etwa sechs Prozent an, Barclays, die Royal Bank of Scotland und die französische Crédit Agricole konnten ihn allerdings bis auf zwei Prozent drücken. Ellen Ehmke, Steuerexpertin bei Oxfam Deutschland: „Sehr viel spricht dafür, dass Europas größte Banken ihre Gewinne auf Kosten der Allgemeinheit machen. Steuervermeidung entzieht der EU ebenso wie armen Ländern Geld, das für Bildung, Gesundheit und Infrastruktur dringend benötigt wird. Es ist nun an den Banken, die Indizien und Ungereimtheiten auszuräumen, die darauf hindeuten, dass sie sich um ihren fairen Beitrag zum Gemeinwohl drücken.“

Die 20 von Oxfam untersuchten Banken sind (nach Ländern geordnet):

Deutschland
Deutsche Bank, Commerzbank AG, IPEX
Frankreich
BNP Paribas, Crédit Agricole, Société Générale, BPCE, Crédit Mutuel-CIC
Großbritannien
HSBC, Barclays, RBS, Lloyds, Standard Charter
Italien
UniCredit, Intesa Sanpaolo
Niederlande
ING Group, Rabobank
Spanien
Santander, BBVA
Schweden
Nordea

 

 

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