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Einheitliche Zertifizierungsregelung für Palmölimporte in die EU

© Achim Halfmann

[exklusiv] Der weltweite Verbrauch von Palmöl nimmt stetig zu – mit oftmals erheblichen Umweltauswirkungen. Abgeordnete des EU-Parlaments fordern nun in einer Resolution eine einheitliche Zertifizierungsregelung für Palmölimporte in die EU.

Straßburg (csr-news) > Palmöl in Banknoten? Auch das scheint möglich, wie derzeit in Großbritannien zu beobachten ist. Für die Herstellung britischer Banknoten soll zukünftig kein tierisches Fett mehr verwendet werden – Veganer und religiöse Verbände hatten dies gefordert. Als Alternative scheint nur Palmöl möglich – doch dagegen wehren sich nun Umweltaktivisten.

Die Verwendung von Palmöl erhitzt die Gemüter. Seit klar ist, der umfangreiche Anbau von Palmölplantagen hat enorme Auswirkungen auf die Umwelt, etwa weil wertvolle Urwälder abgeholzt werden und damit unter anderem der Lebensraum für Tiere und Pflanzen verloren geht, ist die Nutzung von Palmöl zu einem kontroversen Thema geworden. Das billige Öl steckt in Lebensmitteln, Kosmetika und Biokraftstoffen und vielleicht auch bald in Banknoten.

Jetzt hat sich das Europäische Parlament erneut mit dem Thema beschäftigt und über einen Bericht der EU-Abgeordneten Kateřina Konečná (GUE/NGL, CZ) abgestimmt. Im Entschließungsentwurf weisen die Abgeordneten auf „besorgniserregende Berichte“ hin, laut denen bei einem großen Teil der weltweiten Palmölproduktion die grundlegenden Menschenrechte verletzt und angemessene Sozialstandards nicht eingehalten werden. Es komme dabei häufig Kinderarbeit zum Einsatz, und es gebe zahlreiche Landkonflikte zwischen örtlichen und indigenen Gemeinschaften und Inhabern von Palmölkonzessionen.

Auszug aus dem Bericht über das Thema „Palmöl und die Rodung von Regenwäldern“ (2016/2222(INI))

„Die Europäische Union ist der drittgrößte Markt für Palmöl, und somit trägt sie auch einen gewichtigen Anteil daran, was in den Ländern in den Tropen geschieht, wo Palmöl produziert wird. Europäische Finanzinstitute gehören zudem zu den Hauptinvestoren in diesem Wirtschaftssektor und tragen daher auch eine Verantwortung dafür, wie ihre Mittel eingesetzt werden. Es muss darauf hingewiesen werden, dass viele Akteure an diesen Problemen ihren Anteil haben und daher auch einen Teil der Verantwortung tragen. Die EU und ihre Mitgliedstaaten gehören zu diesen Akteuren und sollten ihre Verantwortung übernehmen und Maßnahmen ergreifen, die zu einer Verbesserung der derzeit kritischen Lage führen.“

 

46 Prozent des gesamten von der EU eingeführten Palmöls wird zur Herstellung von Biodiesel verwendet

„Die EU ist einer der größten Palmölverbraucher weltweit“, so Konečná. Palmöl wird in verschiedenen Regionen in Afrika, Asien, Nord- und Südamerika produziert. Zu den wichtigsten Produktions- und Exportländern zählen dabei Indonesien und Malaysia. Allein 46 Prozent des gesamten von der EU eingeführten Palmöls wird zur Herstellung von Biodiesel verwendet, was mit der Nutzung einer Fläche von etwa einer Million Hektar in den Tropen einhergeht. So stand auch vor allem diese Nutzung im Mittelpunkt der Debatte. Ab 2020 soll in der EU verkaufter Biokraftstoff keine Pflanzenöle mehr enthalten, deren Herstellung Entwaldung verursacht, so das Votum der Abgeordneten in der Resolution. „Wir wollen eine offene Debatte mit allen Akteuren, damit wir die Palmölproduktion nachhaltig gestalten können, ohne dass dafür Wälder abgeholzt oder Menschenrechte missachtet werden“, sagte die Berichterstatterin Kateřina Konečná, deren Bericht mit 640 Stimmen angenommen wurde, bei 18 Gegenstimmen und 28 Enthaltungen. Konečná: „Dies ist der erste Bericht des Europäischen Parlaments zu diesem Thema. Nun ist es an der Kommission, sich damit auseinanderzusetzen. Wir können das Problem der Entwaldung nicht ignorieren, denn es bedroht das globale Übereinkommen über den Klimawandel COP21 und gefährdet die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung.“

Zudem sprachen sich die Abgeordneten für europaweit einheitliche Zertifizierungsregelungen aus. Zwar gäbe es bereits verschiedene freiwillige Regelungen, vor allem in der Lebensmittelwirtschaft, deren Kriterien seien jedoch häufiger Kritik ausgesetzt und zudem verwirrend für die Verbraucher. Die Parlamentarier befürworten daher eine einheitliche Zertifizierungsregelung, die garantieren soll, dass nur noch nachhaltig hergestelltes Palmöl auf den EU-Markt gelangt. Weiterhin fordern die Abgeordneten die EU auf, Nachhaltigkeitskriterien für Palmöl und Palmöl enthaltende Produkte, die in die EU importiert werden, einzuführen. Die Kommission soll die Nachverfolgbarkeit von in die EU eingeführtem Palmöl verbessern und erwägen, bis zur Einführung einer einheitlichen Zertifizierungsregelung unterschiedliche Zollregelungen anzuwenden, die den tatsächlichen Kosten, die sich aus der Umweltbelastung ergeben, stärker Rechnung tragen.

 

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