CSR-Wissen

Der Autor des Beitrags: Prof. Dr. Markus ScholzFHWien der WKW


Der Creating Shared Value – Ansatz (CSV) ist ein von Michael E. Porter und Mark R. Kramer erstmalig 2011 im Harvard Business Review vorgestellter strategischer Managementansatz, welcher das unternehmerische Streben nach Profit (bzw. Profitabilität) und die Schaffung von gesellschaftlichen Nutzen dezidiert als harmonisch und nicht als konträr zueinander betrachtet. MangerInnen können und sollen, laut Porter und Kramer, einen gemeinsamen Wert, bzw. Nutzen für ihr Unternehmen und die Gesellschaft schaffen. Mittels dieser Dualität (Profitabilität und gleichzeitiger Schaffung eines gesellschaftlichen Nutzes) soll das marktwirtschaftliche System an sich sowie die darin agierenden Unternehmen re-legitimiert werden.

1. Anspruch

Der Shared-Value Ansatz verfolgt vor allem zwei Ziele: Mittels unternehmerischer Kreativität und assistiert von der von Porter und Kramer im CSV entwickelten Systematik soll (1) gleichzeitig Profitabilität mittels Innovation und gesellschaftlicher Nutzen generiert werden: Konkret äußert sich dies darin, dass (a) Unternehmen Produkte und Märkte neu verstehen sowie gesellschaftliche Bedürfnisse erfüllen, indem sie bestehende Märkte besser beliefern, neue Märkte erschließen, oder neue Produkte und Produktinnovationen entwickeln. Darüber hinaus sollen Unternehmen (b) eine Neubewertung der Wertschöpfungskette vornehmen indem sie die Qualität, die Quantität, die Kosten und die Verlässlichkeit ihrer Produktionsmittel und ihrer Produktions- und Logistikprozesse verbessern und sich gleichzeitig für den Erhalt essentieller natürlicher Ressourcen einsetzen und so den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt vorantreiben. Weiterhin sollen Unternehmen (c) lokale Cluster aufbauen und sich nicht isoliert von den wirtschaftlichen Kreisläufen verstehen, sondern ein starkes, wettbewerbsfähiges Umfeld, bestehend aus verlässlichen regionalen Zulieferern, Zugang zu talentierten MitarbeiterInnen sowie eine funktionierende Telekommunikationsinfrastruktur aufbauen, um im Wettbewerb zu überzeugen zu können.

Es ist diese Dualität zwischen unternehmerischen Erfolg und der Schaffung eines gesellschaftlichen Nutzens, die zur Erreichung des zweiten Hauptziels des „Shared-Value Ansatzes“ führen soll – (2) zur Re-Legitimierung des kapitalistischen Systems und der darin agierenden Unternehmen.

2. Kritik

Unternehmensethiker kritisieren den CSV dahingehend, dass dieser Ansatz ausschließlich „A-Cases“ adressiert, also solche Fälle in denen unternehmerische Interessen und gesellschaftliche Ansprüche sich nicht widersprechen. Die Achilles-Ferse des „Shared-Value Ansatzes“ besteht darin, dass dieser keine Werkzeuge enthält, welche es ermöglichen „B-Cases“, wie bspw. Arbeitssicherheitsbedingungen, oder Lohnerhöhungen in Entwicklungsländern (unter bestimmten Bedingungen), zu adressieren. Der „Shared-Value Ansatz“ schreckt vor „Profitabilitäts-Trade-Offs“ zurück und generiert deshalb keine normative Beratung für den Umgang mit „B-Cases“.

3. Ausgewählte Literatur

4. Links