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Cradle-to-Cradle

Autor des Beitrags ist Dr. Nikolaus MarbachBerater für nachhaltige Produktgestaltung


Das Cradle-to-Cradle-Konzept Konzept propagiert die Gestaltung und Realisation von Produkten, die in einen in sich geschlossenen Stoffkreislauf, der keine Abfälle kennt, integriert sind. Der Begriff wurde von Walter Stahel eingeführt und von Michael Braungart und William McDonough aufgegriffen und zu einem Konzept entwickelt, das in Anlehnung an biologische Prozesse auf der Idee basiert, Produkte so zu gestalten, dass die enthaltenen Stoffe am Ende der Nutzungsphase immer wieder als ‘Nahrung’ für neue Produkte dienen. Die Ressourceneffektivität steht im Mittelpunkt des Konzeptes, das Überfluss als natürliches Prinzip propagiert und durch das von Braungart gegründete EPEA Institut kommerziell vermarktet wird.

Das Konzept unterscheidet biologische und technische Kreisläufe:

  • Dem biologischen Kreislauf werden alle Produkte zugeordnet, deren Inhaltsstoffe unter natürlichen Bedingungen ohne Schäden für Organismen vollständig kompostierbar sind und von der Natur komplett in die biologischen Stoffkreisläufe aufgenommen werden (z.B. Nahrungsmittel, kompostierbare Bekleidung).
  • Alle Produkte die nicht kompostierbar sind oder eine Gefahr für die natürliche Umwelt darstellen, sind in geschlossenen Kreisläufen zu führen. Die Produkte sind so zu gestalten, dass sie entlang des Produktlebensyzklus zu keiner Zeit in die natürliche Umwelt freigesetzt werden können und am Ende der Nutzenphase getrennt und dem entsprechenden Stoffkreislauf wieder zugeführt werden können.

1. Herausforderungen

Cradle-to-Cradle stellt hohe Anforderungen an das Produktdesign, dass für alle Materialien vorab eine detaillierte Ökobilanz erstellen und die Anforderungen an Material und Realisation in das Design integrieren muss. Eine besondere Herausforderung stellt die Trennung der Stoffe bei komplexen Verbindungen, bei geringen Konzentrationen relevanter Stoffe (z.B. seltene Erden in Displays) und bei bestimmten Legierungen dar.

2. Kritik

Auf die Problematik der Energieversorgung geht das Konzept nicht ein, obwohl die stoffliche Trennung vielfach mit einem hohen Energieaufwand verbunden ist.

Die Auswirkungen der Produkte in der Nutzungsphase, insbesondere der Energieverbrauch in dieser Phase, der für bestimmte Produktgruppen die relevanteste Umweltbelastung darstellt, werden nicht betrachtet.

Effizienz wird als Einschränkung des Überfluss betrachtet, doch auch bei geschlossenen Kreisläufen erfordern das Wachstum des globalen Produktvolumens und die Entropie die regelmäßige Zufuhr von neu gewonnenem Material in den Stoffkreislauf und somit einen effizienten Umgang mit Ressourcen.

Das EPEA-Institut führt die Analyse und Zertifizierung von Produkten durch, dieses Vorgehen entspricht nicht den ISO Normen 14040 und 14044.

3. Literatur

Braungart, M.; McDonough, W.: Cradle to Cradle. Remaking the Way We Make Things. North Point Press, New York, 2002

4. Links

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