CSR-Wissen

Gemeinwesen & Unternehmen

Autor des Beitrags: Achim HalfmannGeschäftsführer von CSR NEWS


Der Begriff “Gemeinwesen” bezeichnet alle über den Familienverband hinausgehenden, öffentlichen Organisationsformen menschlichen Zusammenlebens. In Europa bildet der Staat die wesentliche Form des Gemeinwesens, wobei der Begriff auch auf staatliche Untergliederungen wie die Kommunen zielen kann.

1. Gemeinwesen in der sozialen Arbeit

In der sozialen Arbeit bezeichnet der Begriff einen sozialgeografisch definierten Raum wie ein Dorf, einen Stadtteil, eine Stadt. Die Gemeinwesenarbeit als eine Methode der sozialen Arbeit will den Lebensalltag in einem Gemeinwesen mit dessen Mitgliedern gestalten, Selbstorganisation und Eigeninitiative fördern, Netzwerke stärken und dabei Wirtschaft, Politik und Verwaltung als Akteure einbinden. Dahinter steht die Annahme, dass die Probleme einzelner Menschen einen Zusammenhang zu gesellschaftlichen Rahmenbedingungen besitzen und diese bei einer Problemlösung einbezogen werden müssen.

2. Unternehmen und Gemeinwesen

Unternehmen und Gemeinwesen sind aufeinander angewiesen. Unternehmen besitzen einen Einfluss auf die Bürger, auf gesellschaftliche Organisationen sowie auf Politik und Verwaltung in einem Gemeinwesen, indem sie

  • Steuern zahlen und damit Verwaltungshandeln ermöglichen,
  • Menschen Arbeitsplätze geben und damit ihre finanzielle Situation und ihren Lebensrhythmus beeinflussen,
  • Migranten als Arbeitnehmer anwerben und so zur ethnischen Durchmischung des Gemeinwesens beitragen,
  • Firmengebäude errichten und damit die Architektur der Region prägen,
  • zur Umweltverschmutzung oder zu Lärmbelästigung beitragen,
  • mit ihrem Transportbedarf für Menschen und Material die Verkehrsinfrastruktur beeinflussen,
  • Kunden in die Region ziehen,
  • in Gesprächen mit der Politik ihren Positionen Nachdruck verleihen,
  • Themen des Gemeinwesens in der Öffentlichkeit stärken (Corporate Cause Promotion);
  • mit Unternehmensstiftungen kulturelle oder soziale Aufgaben wahrnehmen

und vieles mehr.

Unternehmen selbst sind auf funktionierende Gemeinwesen angewiesen, denn sie benötigen

  • gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter,
  • eine familienfreundliche Umgebung mit Einrichtungen der Kinderbetreuung,
  • ein kulturelles Angebot, das Fachkräfte in die Region lockt und dort hält,
  • Offenheit für ihre internationale Belegschaft,
  • eine industriefreundliche Haltung der Anwohner,
  • eine vorteilhafte Infrastruktur

und vieles mehr. Eine unternehmerische Einflussnahme auf diese Faktoren wird auch als “Social Case” bezeichnet.

Insbesondere der Begriff “Corporate Citizen” bringt zum Ausdruck, dass sich Unternehmen als Bürger oder Akteur in einem Gemeinwesen verstehen und dieses im Austausch mit anderen Akteuren mitgestalten.

3. CSR und Gemeinwesen

Das Gemeinwesen wird in CSR-Strategien als ein Handlungsfeld der Unternehmen aufgeführt. Mit “Corporate Citizenship” wird das unternehmerische Engagement bezeichnet, mit der Unternehmen ihrer Verantwortung als Mitglieder eines Gemeinwesens gerecht werden wollen. Eine besondere Nähe zum Gemeinwesen besitzt auch das “Corporate Volunteering”, durch das Unternehmen das ehrenamtliche Engagement ihrer Mitarbeiter in der Gesellschaft fördern. Für die wachsende unternehmerische Verantwortung in der Stadtentwicklung hat Hans-Hermann Albers den Begriff “Corporate Urban Responsibility” geprägt.
Außerhalb von CSR-Programmen besitzt das gemeinwesenbezogene Sponsoring eine große Bedeutung (beispielsweise für den örtlichen Sportverein).

4. Literatur

  • Hans-Hermann Albers: Corporate Urban Responsibility. Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen in der Stadtentwicklung. Frankfurt, New York 2011

5. Links

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