CSR-Wissen

Green IT

Autorin des Beitrags: Dr. Regina WickStrategie- und Kommunikationsberatung Think>b Consulting


Green IT versteht man Produkte und Maßnahmen, mit denen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) über den gesamten Lebenszyklus hinweg energie- und ressourceneffizienter und mit einer geringeren Umweltbelastung als bisher bereitgestellt werden können. Green IT im weiteren Sinne bezieht auch solche Maßnahmen mit ein, bei denen der Einsatz von Informationstechnologie selbst zu einer Entlastung der Umwelt beitragen kann („Green durch IT“).

1. Bedeutung

Der nutzungsbedingte Stromverbrauch von IKT-Geräten und Infrastrukturen machte 2010 bereits 11 % des Gesamtstromverbrauchs in Deutschland aus. Dieser Anteil wird bis 2020 auf ca. 20 % steigen (Gutachten Borderstep Institut, 2012). Hinzu kommt der nicht unerhebliche Energiebedarf für die Produktion der Geräte. Da die Stromerzeugung überwiegend noch auf fossilen Brennstoffen basiert, trägt die IKT somit wesentlich zum Ausstoß von Treibhausgasen und dem damit verbundenen Klimawandel bei. Darüber hinaus werden für die Herstellung Metalle und seltene Erden benötigt, deren Gewinnung mit Umweltbelastungen verbunden ist. Effizienzsteigerungen in Bezug auf Strom- und Materialverbrauch konnten bisher den Gesamt-Ressourcenverbrauch nicht senken, da sie immer auch mit einem Anstieg der IKT-Nutzung einhergingen („Rebound-Effekte“). Die zunehmende Digitalisierung der Industrie und immer mehr Lebensbereiche macht die Informations- und Kommunikationstechnologie mit ihrer hohen Innovationsgeschwindigkeit nicht nur zu einem wichtigen Technologietreiber, sondern auch zu einem ökologisch bedeutsamen Faktor.

2. Praxis

Auf Anwenderseite steht der energie- und ressourceneffiziente Einsatz von IKT-Lösungen im Mittelpunkt. Oft rentieren sich entsprechende Maßnahmen durch die damit einhergehende Senkung der Stromkosten. Beispiele sind:

  • Optimierung des Nutzungsverhaltens (z.B. Abschalten bei Nichtnutzung, zentrale Drucker statt Desktop-Drucker)
  • Mehr Ressourceneffizienz durch Technologiewechel (z.B. Reduktion der Serveranzahl durch Virtualisierung und Cloud Computing, Thin Clients statt Desktop PCs)
  • Energieeffizienz als Kriterium beim Kauf von Neugeräten
  • Rechenzentren mit energieeffizienten Kühlsystemen

Ein weiterer Schwerpunkt ist die umweltverträgliche Entsorgung von Altgeräten („End-of-life“ Management). Hierbei geht es 1.) um die Rückgewinnung und Wiederverwendung wertvoller Rohstoffe und 2.) um das Vermeiden von Umwelt- und Gesundheitsschäden durch nicht sachgerechtes Recyceln und Entsorgen (auch in Drittländern).

Die Verantwortung der Hersteller bezieht sich 1.) auf die Reduktion des Energieverbrauchs und der Umweltbelastung während der Produktionsprozesse, einschließlich der Gewinnung der dafür benötigten Rohstoffe und 2.) auf die Entwicklung von besonders energie- und ressourceneffizienten sowie leicht recycelbaren Geräten.

3. Green durch IT

Möglichkeiten zur Verbesserung der Ressourceneffizienz durch den Einsatz von ITK werden insbesondere in folgenden Bereichen gesehen: Energieversorgung (Smart Grid), Energieeffizienz von Gebäuden (Smart Buildings), Logistik und Verkehr, Optimierung von Industrieprozessen, Dematerialisierung, d.h. Ersatz von ressourcenintensiven Produkten und Dienstleistungen durch IKT-Lösungen (z.B. Videokonferenzen, online-Zusammenarbeit und Teleworking, elektronische statt papiergebundene Dokumente und Prozesse).

4. Literatur

  • Fichter, K., Hintemann, R., Beucker, S. & Behrendt, S. (2012): Gutachten zum Thema „Green IT ‐ Nachhaltigkeit“ für die Enquete‐Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages. Verfügbar online unter www.bundestag.de
  • Fraunhofer IZM & Fraunhofer ISI (2009): Abschätzung des Energiebedarfs der weiteren Entwicklung der Informationsgesellschaft. Abschlussbericht an das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.
  • ITDZ Berlin (2010): Klima schonen und Kosten sparen – Leitfaden für eine energieeffiziente Informationstechnik

5. Links