CSR-Wissen

Lebenszyklusanalyse

Autor des Beitrags: Dr. Nikolaus MarbachBerater für nachhaltige Produktgestaltung


Die Lebenszyklusanalyse (engl. Life Cycle Assessemnt (LCA)), die auch als Ökobilanz bezeichnet wird, untersucht und bewertet die ökologischen Auswirkungen von Produkten und Dienstleistungen entlang deren Lebenszyklus. Dem Produkt werden nach dem Verursacherprinzip die verwendeten Ressourcen (Material und Energie) und die verursachten Emissionen (Luft, Wasser, Erde) von der Gewinnung der Rohstoffe über Produktion, Distribution und Nutzung bis zur Entsorgung zugeordnet. Die Lebenszyklusanalyse wird zur Ermittelung der Umweltauswirkungen eines einzelnen Produktes und zum Vergleich von Produkten, die die gleiche Funktionalität oder den gleichen Nutzen aufweisen, eingesetzt.

1. Durchführung nach ISO 14040 und 14044

Die ISO 14040 und 14044 definieren vier Schritte für die Durchführung.

  • Die Definition von Ziel und Untersuchungsrahmen legt das Ziel der Analyse fest, spezifiziert den Nutzen und die Funktionen des Produktes und beschreibt den vollständigen Lebenszyklus. Die Grenzen der Untersuchung und die funktionelle Einheit, auf die die Umweltwirkungen bezogen werden, werden definiert.
  • In der Sachbilanz werden die verwendeten Ressourcen und die Emissionen quantitativ erfasst und dem Nutzen in Form der funktionellen Einheit gegenübergestellt.
  • Die Ergebnisse der Sachbilanz werden in der Wirkungsabschätzung nach qualitativen Gesichtspunkten in verschiedene Wirkungskategorien eingeteilt und es werden die quantitativen Umweltauswirkungen, die ein Produkt verursacht, ermittelt. Optional kann eine Normierung der Umweltauswirkungen erfolgen.
  • In der Auswertung werden die Ergebnisse validiert und es werden Schlussfolgerungen und Empfehlungen abgeleitet und in einem Bericht dokumentiert.
    Die Veröffentlichung erfordert zusätzlich eine Prüfung durch einen unabhängigen Gutachter.

2. Nutzen

Die Ergebnisse der Lebenszyklusanalyse dienen Designern und Führungskräften als Entscheidungshilfe bei der Produktrealisation und helfen Verbrauchern bei der Produktauswahl. Die Integration der Lebenszyklusanalyse in die Produktgestaltung eröffnet ein zusätzliches Nutzenpotential.

3. Herausforderungen

Der Aufwand und die Dauer der Datenbeschaffung sind aufgrund der Komplexität der Lieferketten oft sehr hoch. Des Weiteren sind die Ergebnisse einer Lebenszyklusanalyse, die für ein Produkt für einen bestimmten Zweck ermittelt wurden nicht ohne weiteres auf eine andere Fragestellung für das gleiche Produkt übertragbar. Schließlich gestalten sich die Auswahl der Wirkungskategorien und die Zuordnung der Emissionen zu bestimmten Wirkungskategorien oft schwierig.

4. Kritik

Die Ergebnisse der Lebenszyklusanalyse lassen sich durch den Untersuchungsauftrag steuern, da sie stark vom Untersuchungsrahmen und den Abbruchkriterien für die Lieferkette und die zu berücksichtigenden Materialflüssen abhängen. Eine vollständige Transparenz des Vorgehens ist daher unabdingbar.
Die Lebenszyklusanalyse beschränkt sich auf die Umweltwirkungen von Produkten, eine ganzheitliche Betrachtung im Sinne der Nachhaltigkeit ist erst im Entstehen.

5. Alternative Definition in den Wirtschaftswissenschaften

Das Konzept der Lebenszyklusanalyse geht davon aus, dass Produkte, Marken und Branchen eine begrenzte Lebensdauer haben und verschiedene wirtschaftliche Phasen durchlaufen.

6. Literatur

  • Rainey, David: Sustainable Business Development, Cambridge University Press, Cambrige, 2006, (Kap. 9, 10, 11)
  • ISO 14040 – Umweltmanagement – Ökobilanz – Grundsätze und Rahmenbedingungen (ISO 14040:2006), , Beuth Verlag GmbH.
  • ISO 14044 – Umweltmanagement – Ökobilanz – Anforderungen und Anleitungen (ISO 14044:2006), Berlin, Beuth Verlag GmbH.
  • Stark, John: Product Lifecycle Management, Springer, London,

7. Links

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