CSR-Wissen

Ökologie

Autor des Beitrags: Dr. Friedrich GlaunerCultural Images Wertemanagement


Ökologie ist die Wissenschaft der Wechselbeziehungen des Lebendigen mit seiner Umwelt. Sie untersucht auf allen Ebenen des Lebens die „funktionale Organisationsweise“ [1] von Organismen in Bezug auf ihre Umgebung.

1. Gesetzmäßigkeiten

Das zentrale Paradigma der Ökologie ist Selbstorganisation. Dessen Grundprinzip ist Ausdifferenzierung durch Austausch und Rückkopplung, biologisch gesehen Entwicklung durch Selektion und Adaption. Alle ökologischen Prozesse gründen in frei operierenden Kreislaufsystemen. Diese basieren auf fünf Natur-prinzipien: Lokalität, Freiheit, Kleinteiligkeit, Vielfalt und Nutzenstiftung. Dabei bestimmen die dem Kreislaufsystem zur Verfügung stehenden Basisressourcen sowie die im Gesamtsystem kumulierten Nutzenstiftungskreisläufe die Wachstums- und Differenzierungspotentiale des Gesamtsystems[2].

In ihrer Dynamik einer kontinuierlichen Ausdifferenzierung durch Anpassung und Veränderung werden ökologische Kreislaufsysteme von zwei übergeordneten Gesetzmäßigkeiten getragen. Das erste systemische Gesetz der Ökologie besagt, dass in Ökosystemen auf längere Sicht gesehen nur jene Subsystemen überlebensfähig sind, die für das Gesamtsystem einen Mehrwert stiften, der über den Eigennutzen hinaus geht, den das Subsystem aus dem Umgebungssystem zieht. Aus diesem Mehrwertprinzip resultiert das zweite systemische Gesetz der Ökologie. Es lautet: Mehrwertkreisläufe sind Austauschkreisläufe, bei denen der Ressourcengrundstock kontinuierlich wächst. Ökosysteme leben so aus einer umfassenden Ressourcenschöpfung, die alle Aspekte des ökologischen Kreislaufes umfasst.

2. Übertragung auf Unternehmen

Überträgt man das ökologische Prinzip der Ressourcenschöpfung auf Unternehmen, sind ökologisch tragfähige Geschäftsmodelle solche, die erstens auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette wertschöpfend sind [3] und die zweitens dazu beitragen, dass auch die Umgebungssysteme an dieser Wertschöpfung teilhaben. Im Unterschied zu kurzfristig orientierten Strategien des Ressourcenraubbaus setzen sie auf ethisch nachhaltige Geschäftsmodelle [4] [5], die im Sinn eine Triple Bottom Line Betrachtung [6] ganzheitlich ressourcenschöpfend sind [2].

3. Literatur

  • [1] Kirchhoff, Thomas (2007): Systemauffassungen und biologische Theorien. Zur Herkunft von Individualitätskonzeptionen und ihrer Bedeutung für die Theorie ökologischer Einheiten. In: Beiträge zur Kulturgeschichte der Natur, Bd. 16. Hrsg. Eisel Ulrich und Ludwig Trepl (Technische Universität München, Lehrstuhl für Landschaftsökologie) Freising >> Weblink.
  • [2] Glauner, Friedrich 2015): Zukunftsfähigkeit. Wertestrategien zu den Wettbewerbsvorteilen von morgen. Erscheint in: Wunder, Thomas (2015): CSR und strategisches Management. (Springer) Berlin, Heidelberg.
  • [3] Porter, Michael E.; Mark R. Kramer: Shared Value. How to reinvent capitalism – and unleash a wave of innovation and growth. In: Harvard Business Review 1/2011, S. 62 – 77.
  • [4] Glauner, Friedrich (2013): CSR und Wertecockpits. Mess- und Steuerungssysteme der Unternehmenskultur. (Springer) Berlin – Heidelberg.
  • [5] Glauner, Friedrich (2015): Dilemmata der Unternehmensethik– von der Unternehmensethik zur Unternehmenskultur. In: Schneider, Andreas/Schmidpeter, René (Hg.) (2015) Corporate Social Responsibility. (Springer) Berlin, Heidelberg 2. erw. Auflage, S. 237-251.
  • [6] Johannesburg Declaration on Sustainable Development – A/CONF.199/20; >> Weblink.