CSR-Wissen

Wohlstand

Autor des Beitrags: Dr. Nikolaus MarbachBerater für Produktentwicklung und Nachhaltigkeit


Wohlstand bezeichnet umgangssprachlich den Zustand dass es einer Person, Organisation oder Gesellschaft in materieller Hinsicht an nichts mangelt. In der Ökonomie bezeichnet der Wohlstand das Ausmaß der Versorgung von Personen oder Staaten mit Gütern und Dienstleistungen und der Kontrolle über Ressourcen und Vermögenswerte. Der Wohlstand bezieht sich damit nur auf materielle Aspekte, die im Allgemeinen monetär bewertet werden können. Immaterielle Aspekte wie individuelle Wahrnehmungen und Gefühlszustände werden durch das Wohlbefinden beschrieben. Die Lebensqualität als eine Kombination aus objektiven Lebensbedingungen und subjektivem Wohlbefinden fasst den Wohlstand und das Wohlbefinden zusammen und fügt weiter Elemente wie die Qualität des sozialen Umfeldes und der ökologischen Bedingungen hinzu.

1. Indikatoren zur Messung des Wohlstands

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als primärer und meistens auch als alleiniger Indikator für materiellen Wohlstand in der Volkswirtschaft und bei politischen und staatlichen Entscheidungen herangezogen. Das BIP wurde durch seine Entwickler jedoch nicht als zentraler Indikator zur Messung der der Wohlfahrt und zur Steuerung der Volkswirtschaft konzipiert. Seine derzeitige Verwendung geht damit weit über sein geplantes Einsatzfeld hinaus. Wesentliche Schwachpunkte sind die rein quantitative Natur des BIP, die alle volkswirtschaftlichen Aktivitäten, unabhängig davon ob sie für die Menschen positiver oder negativer Natur sind, gleichbehandelt (z.B. tragen Ausgaben für eine Hochzeit und die Folgekosten eines Verkehrsunfalls zu einem Anstieg des BIP bei) und alle nicht-monetären Leistungen nicht berücksichtigt (ehrenamtliche Tätigkeiten, Umweltschäden) . Drei weitere Indices sind der Human Development Index (HDI), der Happy Planet Index (HPI) und die W3 Indikatoren, die versuchen die Schwachpunkte des BIP adressieren. Im Rahmen der Nachhaltigkeitsdebatte wird gefordert, dass nicht mehr nur der Wohlstand sondern der umfassendere Begriff der Lebensqualität gemessen werden und in den politischen Diskurs aufgenommen werden sollte. Aber alle bisher existierenden Indikatoren der Wohlstandsmessung erfassen immer nur einzelne Teilaspekte, meistens wird lediglich versucht, das Bruttoinlandsprodukt zu ergänzen. Eine ganzheitliche Lösung des Problems steht noch aus.

2. Wohlstand und Wachstum

Der Wohlstand ist stark mit dem Wirtschaftswachstum verbunden, denn in der bestehenden Wirtschaftsordnung ist ein Erhalt und Wachstum von Wohlstand nur bei einer wachsenden Wirtschaft möglich. In der Nachhaltigkeitsdebatte werden die sich aus dieser Abhängigkeit abzuleitenden Konsequenzen kontrovers diskutiert. Protagonisten der GreenEconomy vertreten den Standpunkt, dass bei einer entsprechenden Anpassung der Wirtschaft eine nachhaltige und wachsende Wirtschaft und damit ein weiterer Anstieg des Wohlstands möglich sind. Die Vertreter einer Postwachstumsökonomie gehen dagegen davon aus, dass nur eine nicht weiter wachsende oder sogar schrumpfende Wirtschaft nachhaltig sein kann. Sie fordern einen Übergang von der Steigerung des (materiellen) Wohlstandes hin zu einer Verbesserung der Lebensqualität durch die Fokussierung auf immaterielle Faktoren.

3. Literatur

  • Fücks, Ralf 2013: Intelligent wachsen: Die grüne Revolution, München, Carl Hanser Verlag.
  • Jackson, Tim 2011: Wohlstand ohne Wachstum: Leben und Wirtschaften in einer endlichen Welt, München, oekom Verlag.
  • Karl Otto Sattler: Mit “W3” zur Nachhaltigkeit Wirtschaften, Das Parlament, Nr. 17, 22. April 2013
  • Schlussbericht der Enquete-Kommission – Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität (>> PDF zum Download)
  • Deutsche Bank Research 2006: BIP allein macht nicht glücklich Wohlergehen messen ist sinnvoll, aber schwierig (>> PDF zum Download)

4. Links