Agenturmeldung Klimaschutz Nachrichten Wissenschaft

Wissenschaftler machen mobil

Washingtons geplante radikale Kürzungen bei der Klimaforschung werden nach Auffassung von Wissenschaftlern weit über die Grenzen der USA hinweg zu spüren sein.

Paris (afp) > Die massiven Einschnitte bei Finanzen und Personal drohen die Forschung weltweit zu lähmen – und damit den Kampf gegen den Klimawandel, warnen sie. Deshalb entschlossen sich tausende Forscher, am weltweiten „Marsch für die Wissenschaft“ teilzunehmen – manche von ihnen schweren Herzens.

Die von US-Präsident Donald Trump geforderten drastischen Einschnitte treffen vor allem Behörden, die Daten zum Klima sammeln – per Satellit im All bis zu den tiefsten Gräben in den Ozeanen. Im Visier sind Budgets zur Klimaforschung im Energieministerium, der Umweltschutzbehörde EPA, der Nasa sowie der Behörde für Wetter- und Meeresforschung (NOAA). Sie betreffen Milliarden von Dollar und tausende Jobs. Seit Jahren leugnet Trump den Klimawandel. Er nannte ihn unter anderem einen von den Chinesen ausgedachten „Schwindel“, mit dem China die US-Wirtschaft schädigen wolle. Der Vorsitzende des Wissenschaftler-Zusammenschlusses Union of Concerned Scientists, Kenneth Kimmell, spricht von einem „beispiellosen Angriff auf die Wissenschaft und der auf Fakten basierenden politischen Entscheidungsfindung“. Nirgendwo sonst sei dieser Angriff so „brutal wie bei der Frage der globalen Klimaerwärmung“.

Wissenschaftler in Europa, Asien und Australien sind besorgt – sie fürchten einen Dominoeffekt. „Wir nutzen täglich Daten aus den USA“, sagt Björn Samset vom Zentrum für Internationale Klimaforschung in Oslo. Dank ihrer mächtigen nationalen Behörden seien die USA zum wichtigsten globalen Anbieter „qualitativ hochwertiger Datensätze“ geworden. Auf der US-Streichliste stehen beispielsweise Forschungsprogramme, ohne die sich nur schwer verfolgen lässt, wie viel von dem Treibhausgas Kohlendioxid weltweit in die Atmosphäre gelangt. Joeri Rogelj vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Wien fürchtet, dass sich die Geschwindigkeit, mit der sich Klimamodelle an neue Erkenntnisse anpassen lassen, ohne die Daten aus den USA deutlich verlangsamen wird.

Drei der sechs internationalen Plattformen, über die Experten für Klimamodelle ihre Erkenntnisse teilen, werden von den USA aus betrieben – wie es mit ihnen weitergeht, steht in den Sternen. „Wenn wir ein oder zwei dieser Datenverteilungszentren in den USA verlieren, könnte das gesamte System, auf dem unsere Simulationen zum künftigen Klima basieren, zusammenbrechen“, warnt die führende französische Klimatologin Valerie Masson-Delmotte. Zusätzlich beschränkt wird der wissenschaftliche Austausch durch die neuen, strikteren Visa-Regeln und Einreisebeschränkungen der USA. Praktisch alle wichtigen Studien und Modelle zum Klima seien grenzüberschreitend, sagt der Forschungsleiter Samset aus Oslo. Schon jetzt seien erste Auswirkungen zu spüren. Für Myles Allen, den Leiter der Klimaforschung an der Universität Oxford, geht der Schaden noch weiter. „Wir brauchen Amerikas Technologien und Innovationsreichtum, um Lösungen zu finden“, sagt er. Ohne diese „intellektuelle Schlagkraft“ werde alles viel schwieriger. Es ist diese Sorge, die nun tausende Wissenschaftler auf die Straßen trieb. Ihr passe das eigentlich nicht, sagte eine der Organisatorinnen der Demonstrationen in Australien, Alena Kimbrough. „Aber wenn wir jetzt nichts tun, drohen uns noch deutlich finstere Zeiten“.

 

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar