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Arbeitswelt in Deutschland immer familienfreundlicher

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Mehr Mütter im Beruf und mehr Väter in Elternzeit: Die Arbeitswelt ist nach einem Bericht des Bundesfamilienministeriums in den vergangenen Jahren deutlich familienfreundlicher geworden.

Berlin (afp) > Das Ministerium stellte am Donnerstag seinen „Fortschrittsindex 2017“ vor und machte vor allem die gute Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft für den Erfolg verantwortlich. Handlungsbedarf besteht demnach aber weiterhin bei der Kinderbetreuung und bei der Unterstützung von Vätern. Es gebe „messbare Fortschritte auf dem Weg zur Vereinbarkeit“ von Familie und Beruf, sagte die scheidende Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) den Funke-Zeitungen. Staatssekretär Ralf Kleindiek erklärte, immer mehr Unternehmen hätten erkannt, „dass Väter sich Zeit für ihre Kinder wünschen und Mütter nicht aufs Karriere-Abstellgleis gehören“. Auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer beobachtet Fortschritte „auf dem Weg zu einer familienbewussten Personalpolitik“.

 

Dem Ministeriumsbericht zufolge stieg die Betreuungsquote von Kindern unter drei Jahren von 14 Prozent im Jahr 2006 auf 33 Prozent im Jahr 2016. Von 2006 bis 2015 erhöhte sich zudem die Erwerbstätigenquote von Müttern mit kleinen Kindern von 41 auf 58 Prozent, die Väterbeteiligung am Elterngeld kletterte von 3,5 Prozent im Jahr 2006 auf 35,7 Prozent bis Mitte 2015 an. Auf Unternehmensseite gibt es demnach mehr familienfreundliche Maßnahmen: Allein die Bedeutung von Familienfreundlichkeit für Firmen wuchs von 47 Prozent Zustimmung im Jahr 2003 auf zuletzt 77 Prozent. Dem Bericht zufolge gibt es allerdings noch in vielen Bereichen Nachholbedarf, etwa beim Ausbau der Ganztagsschulen und bei der Unterstützung von berufstätigen Vätern, die sich mehr Zeit für ihre Familien nehmen wollen. Junge Väter seien die „Treiber des Wandels“. Die Arbeitgeber seien deswegen noch stärker gefordert, „eine väterfreundliche Unternehmenskultur in den Betrieben zu etablieren“, heißt es in dem Ministeriumsbericht.

Kritik an Schwesigs Bilanz kommt von der Opposition. „Die Familienpolitik der Bundesregierung in den letzten vier Jahren ging an den Bedürfnissen der Familien vorbei“, sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt den Funke-Zeitungen. Noch immer gebe es nicht genügend Betreuungsplätze für Kinder. Die Linkspartei kritisierte, die Regierung lasse Eltern mit den Vereinbarkeitskonflikten allein. „Wer Beschäftigte entlasten möchte, muss die Wochenhöchstarbeitszeit gesetzlich reduzieren“, forderte Sabine Zimmermann, Vizefraktionschefin der Linken im Bundestag. „Beschäftigte mit Kindern müssen das Recht bekommen, von Schichtarbeit in Normalarbeit zu wechseln und zurück. Darüber hinaus brauchen junge Eltern einen besonderen Kündigungsschutz.“

 

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