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Eine historische Fehlentscheidung

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Donald Trump hat sich für einen Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen entschieden. Der Vertrag sei ungerecht und schlecht für Amerikas Wirtschaft, er müsse nachverhandelt werden. Aus Europa kam schon die Absage. Auch Amerikas Wirtschaft steht nicht hinter Trump.

Berlin (afp/csr-news) > In einer gemeinsamen Erklärung haben die Staats- und Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs und Italiens den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen kritisiert.  Sie nähmen die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump „mit Bedauern zur Kenntnis“, hieß es in der Erklärung. Darin erteilten die Staats- und Regierungschefs Trumps Vorschlag zur Neuverhandlung des Abkommens eine klare Absage: „Wir betrachten die im Dezember 2015 in Paris erzeugte Dynamik als unumkehrbar und sind der festen Überzeugung, dass das Übereinkommen von Paris nicht neu verhandelt werden kann, da es ein lebenswichtiges Instrument für unseren Planeten, unsere Gesellschaften und unsere Volkswirtschaften darstellt.“ UN-Generalsekretär Antonio Guterres bezeichnete die Abkehr der USA als „große Enttäuschung“. Es sei „wichtig, dass die USA eine weltweite Führungsmacht in Umweltfragen bleiben“.

Viele große US-Konzerne setzen auf den Klimaschutz

Trump hin oder her – viele große US-Konzerne haben sich längst dem Klimaschutz verschrieben und werden diese Haltung auch nicht ändern. „Es gibt den Klimawandel und das ist wissenschaftlich anerkannt“, betonte jüngst Jeffrey Immelt, Chef des Mischkonzerns General Electric (GE). Sein Unternehmen hat sich schon 2015 verpflichtet, den Ausstoß von Kohlendioxid bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent zu senken. Coca-Cola will seine CO2-Emissionen in den kommenden Jahren sogar um 25 Prozent reduzieren. Apple rühmt sich, in den USA nur noch erneuerbare Energien zu verwenden. Der US-Agrarkonzern Monsanto teilt mit, er fühle sich „verpflichtet“, den Landwirten dabei zu helfen, sich dem Klimawandel anzupassen und seine Folgen zu „entschärfen“. Sogar die großen Ölmultis haben längst umgeschwenkt. Chevron unterstützt das Pariser Klimaschutzabkommen, weil es der erste Schritt zu einem weltumspannenden Regelwerk ist, wie Sprecherin Melissa Ritchie sagt. ExxonMobil forderte die Regierung von Präsident Donald Trump sogar auf, nicht aus dem Abkommen auszusteigen, „um besser auf die Klima-Risiken reagieren zu können“. Und die Aktionäre des Konzerns forderten die Geschäftsführung am Mittwoch sogar auf, die Geschäftsplanungen stärker an Klimaschutzzielen ausrichten. Beide Unternehmen bekräftigten nach der Entscheidung, am Pariser Abkommen festhalten zu wollen. Der Autobauer General Motors erklärte, die Entscheidung des Weißen Hauses werde sein „Engagement für die Umwelt und seine Haltung zum Klimawandel“ nicht beeinflussen.

Rückzug aus Beratergremien

Die Technologiekonzerne Google, Intel und Microsoft gehörten Ende April zu den 13 umsatzstarken Unternehmen, die Trump öffentlich zum Verbleib im Pariser Abkommen aufforderten. Die Vereinbarung bringe Wettbewerbsvorteile, trage zum Wirtschaftswachstum bei und schaffe Arbeitsplätze, argumentierten sie. Zu den Unterzeichnern gehörten auch der Chemiekonzern DuPont und der Einzelhandelsgigant Walmart. Image-Gründe sind das Eine: Auch in den USA sind den Umfragen zufolge viele Menschen besorgt wegen der Klimaerwärmung. Doch wichtiger sind andere Überlegungen in der größten Volkswirtschaft der Welt: „Unternehmen verstärken ihre Klimaschutz-Verpflichtungen, weil sie damit Geld sparen, ihre Risiken reduzieren und, was am wichtigsten ist: Es ist ein enormes Marktpotenzial“, erklärt Kevin Moss vom Umweltschutz-Experteninstitut World Resources. Beispiel General Electric: „Unsere Kunden, Geschäftspartner und Länder erwarten von uns Technologien, die bei der Stromerzeugung Emissionen verringern, die Energieeffizienz verbessern und die Kosten reduzieren“, sagt Vorstandschef Immelt. „Es sei nun an der Industrie, voranzugehen und nicht von der Regierung abzuhängen“, schrieb General-Electric-Chef Jeff Immelt auf Twitter, nachdem Trump seine Entscheidung bekanntgab.

Als Reaktion auf die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump zum Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutz-Abkommen ziehen sich Robert Iger, CEO von Walt Disney Company und Tesla-Chef Elon Musk aus den Beratergremien der Regierung zurück. Er verlasse die Gremien des Präsidenten, teilte Musk am Donnerstag kurz nach Trumps Rede auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter mit. „Der Klimawandel ist echt. Paris zu verlassen ist nicht gut für Amerika oder die Welt“, fügte er hinzu. Musk hatte bereits am Mittwoch mit seinem Rückzug gedroht, sollte Trump tatsächlich aus dem internationalen Klimaabkommen aussteigen. Der Gründer und Chef des Elektroautobauers Tesla gehört zu den wenigen Spitzenmanagern der High-Tech-Branche, die mit Trump zusammenarbeiteten. Der aus Südafrika stammende Technologie-Pionier, der auch Gründer der privaten Raumfahrtfirma SpaceX ist, gehörte bisher einem Wirtschaftsberatungsgremium des Präsidenten an und nahm auch an dessen Jobinitiative für den Industriesektor teil.

Unternehmen werden weitermachen

Der Preis für die Nutzung erneuerbarer Energien wie Wind und Sonne ist in den vergangenen Jahren kräftig gesunken. Die Kohle, deren Abbau Trump wiederbeleben will, hat dagegen schlechte Chancen. Sogar per Fracking gewonnenes Erdgas ist beim Verbrennen nicht nur klimaschonender, sondern auch viel günstiger. Erdöl ist derzeit zwar auch billig, die Vorkommen sind aber ebenfalls endlich. Mit steigendem Preis werden die fossilen Brennstoffe zunehmend unattraktiv. Moss vom World Resources Institute ist sich sicher: „Die Unternehmen werden weitermachen, auch wenn Trump das Abkommen aufkündigt.“ Sie täten einfach das, „was alle anderen tun“. Mit einem Ausstieg aus dem Abkommen stünden die USA auch ziemlich einsam da: „Die einzigen Länder, die uns dann Gesellschaft leisten, sind Nicaragua und Syrien.“

Paul Simpson, CEO von CDP, sagte zu Trumps Entscheidung: „Es ist bedauerlich, dass die US-Regierung beschlossen hat, sich aus dem Pariser Abkommen zurückzuziehen, aber mit oder ohne Beteiligung der USA werden die Bemühungen, einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern, weltweit weiter vorangetrieben.“ Simpson verwies darauf, dass die Transformation längst im vollen Gange sei und es bedeutende Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels gibt. Regierungen würden nicht isoliert arbeiten, denn Unternehmen, Investoren und Regionen seien die treibende Kraft auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Gesellschaft. „Dieser Prozess kann von keinem Land auf der Weltbühne einfach ignoriert werden.“

Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), in einer ersten Reaktion: „Dem Fortschritt der weltweiten Klimapolitik wird es nicht substanziell schaden, wenn Amerika tatsächlich das Paris-Abkommen verlässt; schaden wird es aber den USA. China und Europa werden globale Führer auf dem Weg zu einer sauberen und sicheren Energiezukunft, und sie werden ihre Position verstärken, wenn die USA zurückrutschen ins Nationale. Auch innovative US-Bundesstaaten wie Kalifornien, immerhin die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt, werden weiter Emissionsreduktionen vorantreiben. Die Leute von Trump hocken in den Schützengräben der Vergangenheit, statt die Zukunft aufzubauen. Sie erkennen nicht: Die Klimakriege sind vorbei – das Wettrennen um nachhaltigen Wohlstand läuft.“

Anstrengungen intensivieren

Auch Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland sieht den Klimaschutz nicht grundsätzlich gefährdet: „Die internationale Staatengemeinschaft lässt sich von Trump nicht aufhalten. Das wurde kürzlich auf dem G7-Gipfel deutlich, auf dem die ‚G6‘ sich demonstrativ für das Pariser Abkommen und seine schnelle Umsetzung ausgesprochen haben. Klimapolitische Schwergewichte wie China und Indien bekennen sich mittlerweile ebenfalls sehr deutlich zum Klimaschutz. Innerhalb der USA ist der Wille zu mehr Klimaschutz ungebrochen: Unternehmen, Städte und Bundesstaaten werden sich weiterhin dafür einsetzen, die für uns alle so schädliche Erderhitzung zu bekämpfen. Selbst wenn die USA offiziell nicht mehr Teil des Abkommens sein werden: Diese Akteure arbeiten weiter daran, die weltweit beschlossenen Klimaschutzziele zu erreichen.“

Nach dem Ausscheren der USA müssten die Europäer ihre Anstrengungen weiter verstärken, hieß es in der Erklärung der europäischen Staatschefs. „Wir ermutigen alle unsere Partner, ihre Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels zu beschleunigen.“ Weiter hieß es: „Wir werden unsere Anstrengungen intensivieren, um Entwicklungsländer, insbesondere die ärmsten und am stärksten gefährdeten unter ihnen, bei der Erreichung ihrer Klimaschutz- und Anpassungsziele zu unterstützen.“

 

 

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