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Chinesische Aktivisten verhaftet

Claudia Paulussen - Fotolia

Wegen ihrer Nachforschungen zu den Arbeitsbedingungen in einem Zuliefererbetrieb für die Modemarke von Ivanka Trump droht drei chinesischen Aktivisten offenbar eine Gefängnisstrafe.

Peking (afp) > Die beiden Aktivisten Hua Haifeng und Su Heng würden in einer Haftanstalt in der südlichen Stadt Guangzhou festgehalten, erklärte Nicholas Bequelin von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International am Mittwoch. Vermutlich sitze auch der dritte Aktivist, Li Zhao, dort ein. Sollten die Aktivisten angeklagt und verurteilt werden, könnten sie bis zu zwei Jahre Freiheitsentzug erhalten, erklärte Bequelin weiter,  Amnesty-Regionaldirektor für Ostasien.

Die chinesischen Behörden bestätigten diese Woche, dass gegen die drei Festgenommenen wegen des Verdachts ermittelt werde, sie hätten „Spionage- und anderes Material“ verwendet. Die Männer hatten für die in New York ansässige Nichtregierungsorganisation China Labor Watch verdeckte Ermittlungen in zwei Fabriken des Schuhproduzenten Huajian angestellt. Einem chinesischen Medienbericht zufolge gestanden die Aktivisten, dass sie Aufnahmegeräte benutzten, um „Geschäftsgeheimnisse“ in den Fabriken zu sammeln. Laut Amnesty wurden sie wahrscheinlich festgenommen, damit sie keine potenziell „peinlichen Informationen“ über einen Zulieferer veröffentlichen, der in Verbindung mit der Tochter des US-Präsidenten Donald Trump steht.

Das US-Außenministerium forderte die „sofortige“ Freilassung der drei Aktivisten. Andernfalls müssten sie „wenigstens den juristischen Schutz“ für einen fairen Prozess erhalten, auf den sie Recht hätten, erklärte Ministeriumssprecherin Heather Nauert in Washington. China wies die Forderungen zurück. „Kein Land kann sich in die souveräne und rechtliche Unabhängigkeit Chinas einmischen“, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums vor Reportern.

Arbeitsstandards überprüft

Die Aktivisten hatten zwei Fabriken von Huajian in der Stadt Dongguan in der südlichen Provinz Guangdong und in Ganzhou in der Nachbarprovinz Jiangxi überprüft. Dabei stellten sie unter anderem fest, dass die Beschäftigten Überstunden leisten mussten und dafür weniger als den Mindestlohn erhielten, wie China Labor Watch mitteilte. In den Fabriken werden unter anderem Schuhe für die Marke Ivanka Trump hergestellt, aber auch Waren für Modemarken wie Karl Lagerfeld und Nine West.

Die Beziehungen zwischen China und den USA hatten sich in jüngster Zeit verbessert. Während seines Präsidentschaftswahlkampfs hatte Trump China vorgeworfen, mit seiner Handelspolitik zu massiven Jobverlusten in den USA beigetragen zu haben. Nach seinem Treffen mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping im April in Florida vollzog Trump eine Kehrtwende und erklärte, er erhebe nicht mehr den Vorwurf, dass die Volksrepublik ihre Währung künstlich niedrig halte, um sich Vorteile im internationalen Handel zu verschaffen.

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