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Ausbeutung auf russischen WM-Baustellen

Stadion in Wolgograd © 2017 Semyon Simonov for Human Rights Watch

Vor der Fußballweltmeisterschaft im kommenden Jahr in Russland hat die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) die Arbeitsbedingungen auf den russischen Baustellen angeprangert.

Moskau (afp/csr-news) > Die Arbeiter auf Stadionbaustellen in sechs russischen Städten würden über Monate hinweg nicht bezahlt, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten 34-seitigen Bericht „Red Card: Exploitation of Construction Workers on World Cup Sites in Russia“ der Organisation. Überdies arbeiteten sie bei Temperaturen von bis zu minus 25 Grad Celsius ohne ausreichende Pausen zum Aufwärmen. Mindestens 17 Arbeiter seien bereits auf WM-Baustellen ums Leben gekommen, berichtete HRW unter Berufung auf Zahlen des globalen Gewerkschaftsbundes Bau- und Holzarbeiter Internationale (BHI). Den russischen Behörden warf die Menschenrechtsorganisation vor, HRW-Mitarbeiter einzuschüchtern. In der Stadt Wolgograd sei bereits ein Mitarbeiter festgenommen worden.

HRW warf dem Fußballweltverband Fifa vor, die Arbeitsbedingungen im Vorfeld des in Kürze beginnenden Confederations Cup und der WM im kommenden Jahr nicht ausreichend zu überprüfen. „Die FIFA und die russische Regierung haben einen anerkennenswerten Schritt gemacht, als sie begannen, die Arbeitsbedingungen beim Bau der WM-Stadien zu überwachen. Aber um glaubwürdig zu sein, muss die FIFA auch detaillierte Informationen über die Inspektionen veröffentlichen, insbesondere über deren Ergebnisse und darüber, ob und wie die Situation der Arbeiter verändert wurde“, sagt Jane Buchanan, stellvertretende Leiterin der Abteilung Europa und Zentralasien bei Human Rights Watch. „Die FIFA muss sich endlich von ihrer notorischen Geheimniskrämerei verabschieden und unter Beweis stellt, dass sie ihre Arbeiter wirksam schützt und dass sie transparent sowie verantwortungsbewusst handelt.“Die Fifa komme ihren eigenen Zusagen zu den Menschenrechten nicht nach, kritisierte die Organisation.

Die Fifa wies die Vorwürfe zurück. Der Verband „teilt das Ziel von HRW, angemessene Arbeitsbedingungen auf WM-Baustellen sicherzustellen“, erklärte die Fifa. Die Angaben der Menschenrechtsorganisation stimmten nicht mit der Einschätzung der Fifa überein. Der Verband nehme vierteljährliche Inspektionen durch unabhängige Experten und Gewerkschaftsvertreter vor.