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Uber erstmal ohne Chef

Travis Kalanick, Mitgründer und CEO von Uber © Dan Taylor/Heisenberg Media

Wegen seiner Unternehmenskultur und mutmaßlicher Tricksereien steckt der US-Fahrtenanbieter Uber seit Monaten in der Krise, nun muss er vorerst ohne seinen Chef und Mitbegründer Travis Kalanick auskommen.

San Francisco (afp) > Kalanick schrieb am Dienstag an alle Uber-Mitarbeiter, er wolle sich während dieser Pause von unbestimmter Dauer zu dem Chef entwickeln, „den diese Firma verdient“. Zugleich wurde ein interner Untersuchungsbericht über Missstände in dem Unternehmen vorgelegt. „Wenn wir an Uber 2.0 arbeiten, muss ich auch an Travis 2.0 arbeiten, um der Chef zu werden, den dieses Unternehmen braucht und den Ihr verdient“, schrieb Kalanick in der E-Mail an seine Mitarbeiter. Es sei schwierig, die Dauer seiner Auszeit zu nennen – sie könne „kürzer oder länger sein, als wir vielleicht erwarten“. Kalanick begründete seine Entscheidung auch damit, dass seine Mutter kürzlich gestorben sei. Er brauche nun eine „Auszeit vom Alltag, um zu trauern“ und um nachzudenken, „an mir selbst zu arbeiten und mich auf den Aufbau eines Weltklasse-Führungsteams zu konzentrieren“.

Sexismus am Arbeitsplatz und schlechte Arbeitsbedingungen

Trotz der Auszeit hat Kalanick weiterhin großen Einfluss auf Uber, weil er viele Stimmrechtsaktien des Unternehmens besitzt. Der Analyst Jack Gold erklärte, Kalanick sei bei Uber nicht leicht zu ersetzen. Er habe zwar „ein paar dumme Dinge getan, aber er ist die Kraft hinter dem, was Uber heute ist“, erklärte der Branchenkenner. Uber war zuletzt, massiv in die Kritik geraten: unter anderem durch Berichte über Sexismus am Arbeitsplatz, schlechte Arbeitsbedingungen und den Einsatz einer geheimen Software, mit der offenbar Behördenkontrollen umgangen werden sollten. Am Dienstag veröffentlichte das Unternehmen in San Francisco einen internen Untersuchungsbericht, den der frühere US-Justizminister Eric Holder als Grundlage für Reformen erstellt hatte.

Neue Unternehmenskultur schaffen

In dem Bericht wird Uber unter anderem dringend empfohlen, seine Unternehmenswerte neu zu formulieren. Dadurch müsse eine Firmenkultur geschaffen werden, die auf Teamwork, gegenseitigem Respekt und Vielfalt basiere – „nicht nur als Selbstzweck, sondern als grundlegender Aspekt einer guten Geschäftsführung“. Auf Grundlage dieses Berichts veröffentlichte Uber ein 13-seitiges Dokument, in dem die Firma grundlegende Reformen ankündigte. Vor einer Woche war bekannt geworden, dass Uber nach mehr als 200 internen Beschwerden 20 Mitarbeiter gefeuert hatte. Die Vorwürfe reichten von Diskriminierung und Schikane bis zur sexuellen Belästigung. Daraufhin wurde am Montag bekannt, dass die Nummer zwei des Unternehmens, Emil Michael, Uber verlässt. Ihm war zur Last gelegt worden, für die von vielen Mitarbeitern als aggressiv und sexistisch empfundene Unternehmenskultur mit verantwortlich zu sein. Medienberichte brachten Michael unter anderem mit einem Besuch in einer südkoreanischen Escort-Karaoke-Bar in Verbindung sowie mit dem Versuch, kompromittierende Informationen über Journalisten zu erlangen. Schon Anfang des Jahres hatte Uber eine Reihe ranghoher Mitarbeiter verloren.

Uber war 2009 gegründet worden. Mittlerweile ist es weltweit das wertvollste Startup mit Beteiligungskapital, sein Wert wird auf rund 68 Milliarden Dollar (60,7 Milliarden Euro) taxiert.

 

 

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