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Schluss mit A++

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Energielabel für Elektrogeräte sollen einfacher werden.

Von Jutta Hartlieb-Braun

Straßburg (afp) > Der Kauf eines sparsamen Haushaltsgeräts soll wieder einfacher werden: Das Europaparlament brachte am Dienstag eine Verordnung unter Dach und Fach, die für Kühlschränke, Waschmaschinen, Staubsauger und andere Geräte die Rückkehr zum Kennzeichnungssystem von A für besonders sparsame Geräte bis G für die größten Stromfresser vorsieht. Diese Klassifizierung löst die geltende Einstufung ab, die mit ihrer Kombination von Buchstaben und Pluszeichen als kompliziert und wenig verbraucherfreundlich gilt. Die neuen Label müssen für alle gängigen Haushaltsgeräte spätestens Anfang 2020 eingeführt werden. Dies gilt auch für Importe aus Drittstaaten.

Vorgesehen ist ferner eine EU-weite Datenbank, in der sich Verbraucher über die Energieeffizienz von Haushaltsgeräten informieren können. Auch die Arbeit der nationalen Kontrollbehörden soll erleichtert werden: Ihnen müssen die Hersteller künftig auf einer geschützten Plattform alle notwendigen technischen Daten zugänglich machen. Das heutige System sei inkonsequent, erläuterte die SPD-Abgeordnete Martina Werner. Dank des technischen Fortschritts erreichten mittlerweile 73 Prozent der in der EU angebotenen Waschmaschinen die Höchstnote A+++. Für Waschmaschinen sei A+ de facto die schlechteste Einstufung. Für andere Geräte, etwa Staubsauger, sei dies dagegen die beste Note. “Für Verbraucher ist dies irreführend”. Um solche Schieflagen künftig zu vermeiden, soll die Skala künftig überprüft werden, sobald 30 Prozent der Geräte einer Produktgruppe die neue Bestnote A erreicht haben oder 50 Prozent die Noten A und B. Nach Berechnungen der Kommission können die Haushalte in der EU durch den Kauf der sparsamsten Geräte im Durchschnitt 500 Euro pro Jahr sparen. Außerdem würden die Hersteller angespornt, effiziente Produkte zu produzieren, betonte der für Energie zuständige Kommissar Miguel Arias Cañete. Dies stärke die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie.

Die vereinfachte Skala ohne Pluszeichen werde die Geldbeutel der Verbraucher und die Umwelt schonen, lobte der Luxemburger Grüne Claude Turmes. Er kritisierte jedoch zugleich, dass die neuen Label zunächst nicht für Boiler sowie Gas- und Ölheizungen gelten. Für diese Geräte sind lange Übergangsfristen vorgesehen. Die konservative Mehrheit im Europaparlament sei vor der Industrielobby eingeknickt, erklärte Turmes.

Die Forderung des Europaparlaments, Verbraucher bei falscher Einstufung zu entschädigen, scheiterte am Widerstand der EU-Staaten. Energiekommissar Cañete kündigte jedoch vor dem Plenum in Straßburg einen neuen Vorstoß an. Die Kommission werde bis Jahresende einen entsprechenden Vorschlag vorlegen. Dabei wolle sie sicherstellen, dass für falsche Kennzeichnung die Hersteller haften müssen und nicht die Einzelhändler. Auf den Kompromiss hatten sich Unterhändler der EU-Staaten, der Kommission und des Europaparlaments bereits im vergangenen Juli geeinigt. Mit dem Votum des Parlaments ist die Gesetzgebung nun abgeschlossen. Damit könne die Verordnung noch in diesem Jahr in Kraft treten, die ersten neuen Label würden damit ab 2019 im Handel zu finden sein, erklärte der Verbraucherzentrale Bundesverband.