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BUND-Forschungspreis vergeben

kantver, Fotolia

Mit dem Forschungspreis der Umweltorganisation BUND wurde eine Doktorarbeit zur Belastung einkommensschwacher Bevölkerungsschichten durch Lärm und Luftschadstoffe sowie eine Masterarbeit zur Ausrichtung gewerkschaftlicher Positionen ausgezeichnet.

Berlin (ots) – Der zum ersten Mal vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) verliehene „BUND-Forschungspreis“ für Forschungsarbeiten zur Nachhaltigen Entwicklung geht in der Kategorie „Dissertationen“ an Thilo Becker für seine Arbeit „Sozialräumliche Verteilung von verkehrsbedingtem Lärm und Luftschadstoffen am Beispiel Berlins“, die er an der TU Dresden vorgelegt hat. Der BUND-Forschungspreis im Bereich Bachelor- bzw. Masterarbeiten geht an Helen Sharp von der FU Berlin für ihre Master-Arbeit „Just Transition – sozial-ökologische (Neu-)Ausrichtung gewerkschaftlicher Positionen in Deutschland?“.

Akzeptanz einer nachhaltigen und ökologischen Entwicklung

Preisträger Thilo Becker untersucht in seiner Dissertation „Sozialräumliche Verteilung von verkehrsbedingtem Lärm und Luftschadstoffen am Beispiel Berlins“ die Belastung durch verkehrsbedingte Schadstoffe und durch Lärm an viel befahrenen Straßen und verbindet diese Analyse mit sozio-ökonomischen Merkmalen ihrer Anwohner wie Einkommen oder Migrationshintergrund. Seine Analysen belegen, dass an hoch belasteten Straßen überwiegend Menschen mit niedrigem Sozialstatus leben, die sich ein Ausweichen in bessere Wohngebiete nicht leisten können. Maßnahmen zur Reduzierung der Belastungen wie Tempolimits oder strengere Abgasstandards hätten sowohl umwelt- wie auch sozialpolitisch positive Effekte. Für den BUND ist diese Arbeit besonders auszeichnungswürdig, weil sie beispielhaft belegt, dass die Beseitigung von Umweltbelastungen zugleich Verbesserungen der Lebensbedingungen vor allem unterer Einkommensschichten bewirkt, mithin also positive Verteilungswirkungen hat. Die prämiierte Dissertation stützt somit die Akzeptanz einer nachhaltigen und ökologisch vorwärtsweisenden Entwicklung.

Kernfrage der politischen Durchsetzbarkeit von Nachhaltiger Entwicklung

Preisträgerin Helen Sharp von der Freien Universität Berlin hat in ihrer Master-Arbeit „Just Transition: Sozio-ökologische (Neu-)Ausrichtung gewerkschaftlicher Positionen“ die noch weitgehend unkritische Position von Gewerkschaften zum Paradigma des Wirtschaftswachstum untersucht. Sie wollte wissen, inwieweit Gewerkschaften zum Akteur der Nachhaltigen Entwicklung bzw. einer „Großen Transformation“ geworden sind bzw. werden könnten – sofern diese sozial gerecht gestaltet wird. Auf Grundlage der Analyse von Gewerkschaftsbeschlüssen und von Interviews kommt sie zu dem Ergebnis, dass noch immer eher defensive und strukturerhaltende Positionen überwiegen, die Gewerkschaften primär zu Verbündeten von Unternehmen und zu unkritischen Verfechtern des Wirtschaftswachstums machen. Eine tatsächliche Neuausrichtung gewerkschaftlicher Politik in Richtung ökologischer Nachhaltigkeit gelingt am ehesten in Kooperationen mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren. Für den BUND ist diese Arbeit auszeichnungswürdig, weil die konzeptionelle Weiterentwicklung gewerkschaftlicher Positionen – in Kooperation mit Nichtregierungsorganisationen wie z.B. Umweltverbänden – eine Kernfrage der politischen Durchsetzbarkeit von Nachhaltiger Entwicklung ist.

Über 70 Bewerbungen

Der Forschungspreis für Nachhaltigkeit im Bereich Dissertationen ist mit 3000 Euro dotiert, der Forschungspreis für Nachhaltigkeit im Bereich Bachelor- bzw. Masterarbeiten mit 1000 Euro. Die Preise wurden am 20. Juni 2017 bei einer Abendveranstaltung in Berlin vom BUND-Vorsitzenden Hubert Weiger überreicht. Weiger hob hervor, dass wissenschaftliche Erkenntnisse und das Engagement von Wissenschaftlern für eine zukunftsfähige Entwicklung zu den unverzichtbaren Grundlagen der Arbeit seines Verbandes gehören. „Die über 70 Bewerbungen für den BUND-Forschungspreis sind ein Beleg dafür, dass an Universitäten, Hochschulen und bei vielen jungen Forscherinnen und Forschern das Bewusstsein über die Notwendigkeit einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Politik zunimmt“, sagte der BUND-Vorsitzende.

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