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Tausende demonstrieren gegen Abholzung

© Lilly M, CC BY-SA 3.0

In Polen haben tausende Menschen gegen die groß angelegte Abholzung im Urwald von Bialowieza im Osten des Landes demonstriert.

Warschau (afp) > Der Direktor von Greenpeace Polen, Robert Cyglicki, prangerte beim Marsch durch Warschau ein „Verbrechen gegen unser Erbe vor unseren Augen“ an. Der Protest richtet sich gegen den Beschluss der polnischen Regierung, den Holzeinschlag in dem seit 2011 zum Unesco-Weltnaturerbe zählenden Wald zu verstärken. Bialowieza gilt als einer der letzten großen Urwälder Europas. Die rechtskonservative Regierung von Ministerpräsidentin Beata Szydlo begründet die Maßnahme unter anderem mit der Bekämpfung des Borkenkäfers und der Vorbeugung von Waldbränden. Wissenschaftler, Umweltschützer sowie die Europäische Union sehen dagegen eine massive Bedrohung für den einzigartigen Wald. „Man muss nur auf Satellitenfotos schauen, um zu sehen, dass Europas letzter Urwald in eine Baumplantage verwandelt wird“, sagte Greenpeace-Chef Cyglicki und fügte hinzu: „Wir wollen, dass das aufhört.“

Die Demonstranten zogen bis zum Umweltministerium. Dessen Chef Jan Szyszko hatte am Mittwoch gefordert, den Wald von der Liste der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) zu streichen. Die Einstufung als Weltnaturerbe und Biosphärenreservat bedeutet, dass menschliche Eingriffe nur sehr eingeschränkt erlaubt sind. Besucher dürfen sich nur auf bestimmten Routen bewegen. Statt sich dem Gespräch mit den Demonstranten zu stellen, ließ der Minister ihnen durch einen Beamten Bonbons überreichen. Diese fühlten sich nicht ernstgenommen und setzten sich zu einem Schweigeprotest auf den Boden vor dem Ministerium. Dabei spielten sie eine Aufnahme ab, auf der Geräusche des Waldes wie Vogelgezwitscher immer wieder vom Lärm von Motorsägen überdeckt wurden.

Im Mai hatten sich Umweltschützer aus Protest gegen die Abholzung in Bialowieza an Geräte zur Holzfällung festgekettet. Die EU-Kommission hatte Ende April eine „letzte Mahnung“ an Warschau gerichtet und mit einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gedroht, sollte Polen die Abholzung in dem Naturschutzgebiet nicht einstellen. Die Kommission kritisierte eine im März beschlossene Verdreifachung des Holzschlags in dem geschützten Gebiet. Auch die Unesco äußerte sich besorgt. Umweltminister Szyszko reagierte auf die Mahnung der EU mit der Bemerkung, Polen habe „keine Angst, den Streit vor dem Europäischen Gerichtshof auszutragen“.  Polen verteidige das Umweltrecht im Rahmen des Netzes Natura 2000. Dabei handelt es sich um ein Netz von besonders wichtigen Schutzgebieten innerhalb der EU, zu dem auch der Wald Bialowieza zählt. Dieser erstreckt sich über 150.000 Hektar entlang der Grenze zwischen Polen und Weißrussland. Im gesamten Wald sind 20.000 Spezies zu Hause, darunter 250 Vogel- und 62 Säugetierarten – wie zum Beispiel Europas größter Säuger, der Wisent. Während der weißrussische Teil als Nationalpark vollständig unter Schutz steht, ist auf polnischer Seite nur ein Teil Schutzgebiet.

 

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