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Bund soll Anteile an belgischen Akw verkaufen

Claudia Paulussen - Fotolia

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) will sich einem Zeitungsbericht zufolge dafür einsetzen, dass die Anteile des Bundes am belgischen Atomkraftwerksbetreiber Engie-Electrabel verkauft werden.

Berlin (afp) > Es vertrage sich nicht, wenn „wir einerseits für die Abschaltung von Atomkraftwerken eintreten, deren Sicherheit fraglich ist, und gleichzeitig ein finanzielles Interesse am Betrieb der Anlagen haben müssen“, sagte Hendricks der „Aachener Zeitung“ und den „Aachener Nachrichten“ (Samstagsausgaben). Das Bundesinnenministerium hatte den Zeitungen zufolge auf Anfrage der Grünen bekanntgegeben, dass der Bund Aktien über insgesamt 6,4 Millionen Euro des Betreibers der umstrittenen Atommeiler Tihange 2 und Doel 3 hält. Die beiden grenznahen Akw stehen massiv in der Kritik, weil Risse in Reaktordruckbehältern gefunden wurden. „Bisher habe ich keine Kenntnis davon gehabt, dass der Bund über seinen Pensionsfonds indirekt an dem Betreiber der Reaktoren in Doel und Tihange beteiligt sein soll“, sagte Hendricks den Zeitungen. Sollte dies zutreffen, werde sei sich „innerhalb der Bundesregierung dafür einsetzen, dass wir uns unverzüglich von den deutschen Anteilen trennen“. Dies sei eine „Frage der Glaubwürdigkeit“, sagte die Ministerin.

Auch der „Spiegel“ berichtete, dass der Bund mit mehr als sechs Millionen Euro an der Firma beteiligt sei, die die beiden umstrittenen Meiler betreibt. Der Grünen-Politiker Oliver Krischer erinnerte dem Nachrichtenmagazin zufolge die Bundesregierung daran, dass das Land Nordrhein-Westfalen unlängst seine Beteiligungen an dem Konzern verkauft habe. „Wer am Betrieb von Schrottreaktoren verdient, ist auch mitverantwortlich für das Risiko, dem eine ganze Region durch die Reaktoren ausgesetzt wird“, sagte Krischer dem „Spiegel“. Am vergangenen Sonntag demonstrierten bei einer grenzüberschreitenden Menschenkette nach Angaben der Veranstalter rund 50.000 Menschen für die sofortige Abschaltung der beiden belgischer Atommeiler. Die 90 Kilometer lange Menschenkette reichte demnach von Aachen über das niederländische Maastricht und Lüttich in Belgien bis nach Tihange.

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