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Explosion in Textilfabrik in Bangladesch

Dhaka, Bangladesch © Achim Halfmann

[aktualisiert] Bei der Explosion eines Dampfkessels in einer Textilfabrik in Bangladesch sind mindestens acht Menschen ums Leben gekommen und Dutzende weitere verletzt worden.

Dhaka (afp/csr-news) > Die Explosion in der Fabrik in einem Industrievorort der Hauptstadt Dhaka habe am Montag Wände und ein Dach zum Einsturz gebracht, teilten die Behörden mit. “Acht Menschen wurden getötet und fast 50 wurden verletzt”, sagte der hochrangige Feuerwehrmann Mohammad Akhteruzzaman der Nachrichtenagentur AFP. Sechs Leichen seien vor Ort geborgen worden, zwei weitere befänden sich im Krankenhaus, sagte Akhteruzzaman. Unter den Opfern seien auch Passanten, die zum Zeitpunkt der Explosion in der Nähe des sechsstöckigen Gebäudes gewesen seien. “Es ist ein schreckliches Bild”, sagte der Polizeibeamte Harunur Rashid AFP. Die Wucht der Explosion des Dampfkessels sei so groß gewesen, dass auch Gebäude in der Nähe der Fabrik Schaden genommen hätten.

Nach Angaben des Fabrik-Chefs Mesba Faruqui war die Hauptwerkstatt am Montag geschlossen. Einige Arbeiter hätten aber Reparaturarbeiten an dem Heizkessel beaufsichtigt. Die Fabrik gehört dem Textilhersteller Multifabs, der nach eigenen Angaben hauptsächlich für europäische Marken produziert, nach Informationen auf der Website des Unternehmens auch für Aldi Süd und Takko. In Bangladesch gibt es mehr als 4500 Textilfabriken. Dort arbeiten vornehmlich Frauen zu Hungerlöhnen von umgerechnet knapp 60 Euro pro Monat. In den Fabriken ereignen sich wegen schlechter Sicherheitsstandards immer wieder tödliche Unglücke. Im April 2013 war der Textilfabrikkomplex Rana Plaza in einem Vorort von Dhaka eingestürzt. 1138 Menschen starben. Im November 2012 waren bei einem Brand in einer Textilfabrik in Dhakas Vorort Ashulia 111 Menschen ums Leben gekommen.

Aktualisierung:

Laut der abschließenden Bilanz sind bei der Explosion des Heizkessels 13 Menschen ums Leben gekommen. Wie die Polizei von Dhaka mitteilte, sind gegen zehn Verdächtige Ermittlungen eingeleitet worden. Der 15 Jahre alte Boiler war trotz Sicherheitsmängeln nicht ausgetauscht worden, wie Ziaul Hoque von der zuständigen Behörde der Nachrichtenagentur AFP sagte. Mitarbeiter der Fabrik sagten, sie hätten Probleme mit dem Heizkessel immer wieder gemeldet – ihre Warnungen seien aber nicht beachtet worden. Der Fabrikbesitzer gab den Behörden die Schuld für den Unfall, bei dem ein Teil des 6-stöckigen Hauses einstürzte. Der Chef der Betreibergesellschaft Multifabs, Mahiuddin Faruqui, sagte, er habe die Behörden um Erlaubnis gebeten, einen neuen Heizkessel zu installieren. Doch wegen der Feiertage habe er niemanden erreichen können.

Die Fabrik ist Teil des Abkommen für Brandschutz und Gebäudesicherheit (Accord). Die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) fordert nun die am Accord beteiligten Unternehmen dazu auf, die Sicherheitsprüfung von Heizungskesseln sofort in die Sicherheitsinspektionen der Fabriken mitaufzunehmen. Multifabs Ltd. ist ebenfalls Zulieferer von Mitgliedern der Alliance for Bangladesh Worker Safety (eine Unternehmensinitiative von US-amerikanischen und kanadischen Unternehmen). Die Alliance sieht ebenfalls keine Überprüfung von Heizungskesseln vor. Der tragische Vorfall würde verdeutlichen welche Gefahr durch die mangelhafte Wartung und Überprüfung von Heizungskesseln ausgeht. Die Prüfung von Heizungskesseln ist bisher nicht Teil des Accord on Fire and Building Safety. Dieser sieht bisher nur vor, dass der Heizungskesselraum feuersicher und vom Rest der Fabrik getrennt sein muss. Feuersichere Heizungsräume allein reichen nicht aus, denn die Explosion eines defekten Heizungskessels, wie bei Multifabs am Dienstag kann so heftig sein, dass Wände einbrechen und sich so das Feuer ungehindert ausbreiten kann.