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Wie steht es um die audiovisuelle Diversität in Deutschland?

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Eine Studie der Universität Rostock untersucht Geschlechterdarstellungen in Fernsehen und Film, mit einem deutlichen Ergebnis.

Rostock (csr-news) > Die bislang umfassendste Studie zur Ermittlung von Geschlechterdarstellungen in deutschen TV- und Kinoproduktionen liegt nun vor. Ziel der Studie war die Ermittlung von weiblichen und männlichen Geschlechterdarstellungen im deutschen Fernsehen und Kino.

Als Grundlage für die Studie dient eine detaillierte Analyse von über 3.000 Stunden TV-Programm aus dem Jahr 2016 und über 800 deutschsprachigen Kinofilmen aus den letzten sechs Jahren. Dabei wird die Rolle von Frauen und Männern sowohl in fiktionalen Produktionen und Unterhaltungsformaten als auch deren Platzierung und Darstellung als Expertinnen bei journalistischen und dokumentarischen Beiträgen untersucht. Ziel ist es, die charakteristische Darstellung weiblicher und männlicher Rollen in audiovisuellen Medien zu ermitteln. Die letzte repräsentative Untersuchung in Deutschland liegt über 20 Jahre, in Bezug auf Kinderfernsehen über zehn Jahre zurück.

Das eindeutige, wenn auch nicht wirklich überraschende Ergebnis, zeigt, dass Frauen in den audiovisuellen Medien stark unterrepräsentiert sind. Über alle Fernseh-Programme hinweg kommen auf eine Frau zwei Männer, bei einem Drittel der Vollprogramme kommen Frauen überhaupt nicht vor. Darüber hinaus werden Frauen, sofern sie vorkommen, vor allem im Kontext von Beziehung und Partnerschaft gezeigt. Eine Ausnahme bilden Soaps, in denen die Geschlechterverteilung ungefähr der Verteilung in der Bevölkerung entspricht. Allerdings würden diese Formate nur rund 3 Prozent aller Sendungen ausmachen. Am deutlichsten sind die Unterschiede überraschenderweise in den Kinderprogrammen.

Wenn Frauen vorkommen, dann vor allem als junge Frauen, haben die Forscher herausgefunden. Ab dem 30. Lebensjahr verschwinden sie zusehends vom Bildschirm. Am größten ist der Unterschied in der non-fiktionalen Unterhaltung: hier kommen jenseits der 40 auf eine Frau vier Männer, jenseits der 50 auf eine Frau acht Männer. Auch als Expertinnen oder Journalistinnen sind Frauen deutlich unterrepräsentiert, obwohl in den öffentlich-rechtlichen Hauptprogrammen inzwischen die wichtigsten politischen Talkshows von Frauen moderiert werden. Geht es jedoch um Expertenwissen, dann ziehen Frauen den Kürzeren. Rund 80 Prozent der Experten die in publizistischen Formaten zu Wort kommen sind männlich.

Initiiert hat die Untersuchung Maria Furtwängler: „Es ist wichtig zu verstehen, welches Geschlechterbild mit der enormen Wirkungsmacht des Fernsehens und Kinos transportiert wird. In anderen Ländern wird schon viel getan, um die Darstellung von Frauen und Männern auf Bildschirm und Leinwand wissenschaftlich aufzuarbeiten. Hierzulande liegen uns kaum valide Zahlen vor“, begründet Maria Furtwängler den Ausgangspunkt für die Untersuchung. „Ich freue mich sehr, dass Elizabeth Prommer mit ihrem Team der Universität Rostock hier wichtige Grundlagenforschung betreibt und bedanke mich darüber hinaus herzlich bei allen Partnern und Förderern, die diese Studie ermöglicht haben.“

 

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