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Die Zukunft gehört der Kreislaufwirtschaft

M. Schuppich/Fotolia

Die Circular Economy gilt als Wirtschaftsmodell der Zukunft, da sie die eingesetzten Rohstoffe länger und häufiger nutzt, als dies bislang der Fall ist. Wie das funktionieren kann, geht aus einer neuen Studie des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) hervor.

Berlin (csr-news) > Eine ambitionierte Kreislaufwirtschaft schont nicht nur die Umwelt, sondern eröffnet neue Geschäftsmodelle und Einkommensquellen. Allerdings werden diese Chancen in Deutschland noch viel zu wenig genutzt. Eine aktuelle, vom Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) in Auftrag gegebene und von Accenture Strategy unter Mitwirkung der Ökopol verfasste Studie zeigt anhand von konkreten Beispielen, was in verschiedenen Branchen möglich ist. „Eingesetzte Rohstoffe gelangen über den Lebenszyklus eines Produktes hinaus nicht wieder in den Produktionsprozess zurück. Im Wesentlichen haben wir immer noch eine Linearwirtschaft, keine Kreislaufwirtschaft“, betonen Günther Bachmann, Generalsekretär des RNE, und Alexander Holst, Managing Director bei Accenture Strategy Sustainability im Vorwort der Studie. „Das ist ökologisch fatal, ökonomisch leichtfertig und sozial wenig intelligent“, heißt es darin weiter. Die Studie zeigt ganz konkret, wie Kreislaufwirtschaft funktionieren kann. Im Fokus der Experten liegen drei Branchen: Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), Automobil und Baustoffe. In allen drei Wirtschaftszweigen könnte die Kreislaufwirtschaft für eine Wende sorgen.

Mieten statt neu kaufen

„Elektroschrott zählt zu den weltweit am schnellsten wachsenden Abfallströmen“, sagt Philipp Buddemeier, Senior Manager bei der Unternehmensberatung Accenture Strategy und Autor der Studie. Hinzu kommt: die Hersteller sind in Deutschland über die Elektro-Altgeräteverordnung verpflichtet, eine bestimmte Sammelquote zu erreichen. Allerdings funktioniert dies noch nicht wie gefordert. Für die Studie hat sich Buddemeier Internetrouter genauer angeschaut. Die Geräte könnten leicht weiterverwertet werden, beispielsweise durch geringfügige Designveränderungen. Werden matte Oberflächen verwendet, so lassen sich die Kosten für die Aufarbeitung um rund 50 Prozent reduzieren, heißt es in der Studie. Buddemeier und seine Kollegen plädieren für ein Mietmodell für Router und ähnliche Geräte. Damit könne auch der Verlust von Ressourcen wie Gold oder Kunststoffe deutlich verringert werden. Die Automobilindustrie ist sozusagen das Herzstück der deutschen Wirtschaft. Ihre Produkte werden weltweit nachgefragt. Von den Unternehmen wird erwartet, dass sie zukunftsträchtige Technologien auf den Markt bringen. Für die Studie haben Buddemeier und seine Kollegen das Recycling von Batterien, die in Elektroautos verwendet werden, näher beleuchtet. Die Batterie soll ein zweites Leben bekommen, wenn sie für das Auto ausgedient hat, um beispielsweise Lastspitzen im Stromnetz auszugleichen oder als stationärer Energiespeicher zu dienen. „Heute ist das Recycling noch nicht profitabel und die Zweitnutzung ermöglicht neue Einnahmequellen“, sagt Buddemeier. In einigen Jahren sollte das Recycling dann auch wirtschaftlich möglich sein – ab dann ist die Zweitnutzung der Batterien nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern sogar profitabel.

Verwertung von Gipsmüll bleibt hinter den Möglichkeiten

Auch in der Baustoffindustrie gibt es ein Recycling-Potenzial, das bei weitem noch nicht ausgeschöpft wurde. Mengenmäßig fällt hier der meiste Müll an. Gipsrecycling soll nicht nur das Abfallproblem lösen, sondern auch ein Energieproblem: Das Material wird zum Teil bei der Rauchgasentschwefelung in Kohlekraftwerken gewonnen. Der Ausstieg aus der Kohleverstromung könnte zu Engpässen führen, heißt es in der Studie. Ein sparsamer Einsatz des Materials und Alternativen sind also gefragt. Was der Baustoffindustrie Sorgen bereitet, sind vor allem die hohen Kosten für das Recycling von Gips. „Recycling ist technisch möglich, aber es lässt sich noch nicht profitabel umsetzen“, sagt Buddemeier. Da im osteuropäischen Ausland preiswert entsorgt werden kann, entscheiden sich viele Unternehmen eher für diesen Weg. Bessere Datenverfügbarkeit, technischer Fortschritt und Anpassung des regulatorischen Umfelds sind laut Buddemeier wichtig.

Hersteller stärker in die Pflicht nehmen

Für den Unternehmensberater müssen Wiederaufbereitung, Zweitnutzung und Recycling der Produkte von Anfang an zusammen gedacht werden. Design und Entwicklung der Produkte spielen eine Schlüsselrolle. Welche Materialien werden verwendet? Sind die Oberflächen beispielsweise kratzfest gestaltet? Lässt sich das Gerät erneut einsetzen? Lässt sich die Funktionsfähigkeit des Gerätes per Ferndiagnostik feststellen? Für die Profitabilität der Circular Economy sind diese Art der Fragen essentiell. Buddemeier fordert die Politik auf, die Hersteller stärker in die Verantwortung zu nehmen, zum Beispiel über eine Rücknahmepflicht. „Unternehmen müssen dann viel stärker darüber nachdenken, was mit den Produkten nach der Erstnutzung passiert“, sagt Buddemeier. Wie das funktionieren kann, soll den Unternehmen überlassen bleiben. „Dann können Unternehmen ihre ganze Kreativität einsetzen, um am Ende des Lebenszyklus andere Verwendungsmöglichkeiten zu finden, die nicht Verbrennung oder Deponierung bedeuten.“ Für ihn ist die Kreislaufwirtschaft das Modell der Zukunft. Nun gelte es, Politik und Wirtschaft zu überzeugen, marktfähige Lösungen zu entwickeln und voranzutreiben.

 

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