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VW und die Militärdiktatur in Brasilien

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Volkswagen hat sich während der Zeit der brasilianischen Militärdiktatur offenbar aktiv an der Verfolgung von Regimegegnern beteiligt.

Berlin (afp) > “Ich kann sagen, dass es eine regelmäßige Zusammenarbeit zwischen dem Werkschutz von VW do Brasil und dem Polizeiorgan des Regimes gab”, sagte der Historiker Christopher Kopper der “Süddeutschen Zeitung”, NDR und SWR. Er war von VW mit einer Untersuchung beauftragt worden. Volkswagen habe dabei auch Verhaftungen auf dem Werksgelände “zugelassen”, sagte der Bielefelder Geschichtswissenschaftler, wie die Medien am Montag gemeinsam berichteten. VW teilte unter Verweis auf die Untersuchung Koppers mit, es treibe die Aufarbeitung der eigenen Rolle während der brasilianischen Militärdiktatur von 1964 bis 1985 mit “Konsequenz und Sorgfältigkeit” voran. Die Ergebnisse wolle VW jedoch erst “im Detail kommentieren” und über “adäquate Maßnahmen” sprechen, wenn Koppers Abschlussbericht vorliege. Die Untersuchungen würden noch in diesem Jahr abgeschlossen.

“SZ”, NDR und SWR zufolge soll die Konzerntochter Volkswagen do Brasil früher die eigenen Mitarbeiter und deren politische Gesinnung ausgespäht haben. Informationen über Oppositionelle seien an die Politische Polizei gelangt. VW-Mitarbeiter seien von der Politischen Polizei dabei auch auf dem Firmengelände festgenommen worden. Den Berichten zufolge ermittelt auch die Bundesanwaltschaft in Brasilien gegen VW. Nach Angaben der beteiligten Medien stützen sich ihre Berichte unter anderem auf interne Unterlagen von VW, Dokumente der früheren Politischen Polizei, aktuelle Ermittlungsakten der brasilianischen Staatsanwaltschaft sowie Aussagen betroffener ehemaliger VW-Mitarbeiter. Mehrere von ihnen hätten bestätigt, dass sie im Sommer 1972 am Arbeitsplatz verhaftet wurden. Sie gehörten demnach einer Gruppe an, die Flugblätter für die kommunistische Partei auf dem Werksgelände verteilte. Laut “SZ”, NDR und SWR sollen außerdem zahlreiche Spitzelberichte des Werkschutzes in Polizeiakten gelandet sein. Spätestens 1979 habe auch die deutsche Konzernleitung davon Kenntnis erhalten. Brasilianische Mitarbeitervertreter seien damals nach Wolfsburg gefahren und hätten den Vorstandschef auf das Thema gesprochen.

Kopper war im Herbst 2016 von Volkswagen mit dem Gutachten beauftragt worden. Er soll “Licht in die dunklen Jahre der Militärdiktatur bringen sowie das Verhalten der damals Verantwortlichen in Brasilien und gegebenenfalls auch Deutschland aufklären lassen”, erklärte der Autobauer damals. Ehemalige Volkswagen-Beschäftigte in Brasilien und Aktivisten haben dem Konzern bereits 2015 vorgeworfen, während der Militärdiktatur die Verfolgung und Folterung von Regimegegnern erlaubt zu haben. Unter anderem sei zugelassen worden, dass mehrere Arbeiter einer Fabrik festgenommen und gefoltert wurden. Volkswagen-Mitarbeiter hätten auch “schwarze Listen” von Oppositionellen erstellt. Laut “Süddeutsche”, NDR und SWR ermittelt die brasilianische Bundesstaatsanwaltschaft bereits seit fast zwei Jahren, welche Verantwortung VW do Brasil für “Menschenrechtsverletzungen innerhalb des Werksgeländes zur Zeit der Militärdiktatur” trägt. Deren offizielle Untersuchungen sollen den Berichten zufolge noch in diesem Sommer vorläufig beendet werden.