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Hohe Umsätze, niedrige Löhne

Der US-Elektroautobauer Tesla sieht sich inmitten der ersten Auslieferungsphase seines Mittelklassewagens mit wachsenden Beschwerden von Beschäftigten über Löhne und Arbeitsbedingungen konfrontiert.

Von Joseph Szczesny

Detroit (afp) > In einem Brief an den Verwaltungsrat des Unternehmens forderten Angestellte Auskunft über die Pläne für ihre Gehaltsentwicklung, die Voraussetzungen für Beförderungen und über Arbeitsschutzmaßnahmen. Der Autobauer vermeldete unterdessen am Mittwoch einen verdoppelten Umsatz im zweiten Quartal. Die US-Automobilgewerkschaft UAW plant die Gründung einer Abteilung in der Tesla-Fabrik im kalifornischen Fremont. In ihrem Brief verlangen die Beschäftigten eine Zusage, dass sie nicht Opfer von Repressalien werden, wenn sie versuchen, eine Gewerkschaftsniederlassung zu gründen.

Die Löhne in der Tesla-Fabrik sind vergleichsweise gering. Das Startgehalt liegt bei 18 Dollar (rund 15,20 Euro) pro Stunde. Der landesweite Durchschnittslohn in der Autobranche beträgt 25,58 Dollar. Es gibt außerdem viele Beschwerden über Arbeitsunfälle. Die Beschäftigen seien es leid, dass es ständig vermeidbare Unfälle in der Fabrik gebe, sagte Michael Catura, einer der Unterzeichner des Schreibens. Das senke die Moral, hemme die Produktion und sei „traumatisierend“. Außerdem warfen die Angestellten der Unternehmensspitze in dem Brief Intransparenz bei Beförderungsmöglichkeiten vor. Einige seien seit Jahren beschäftigt und hätten das „vage Versprechen“ von Lohnerhöhungen erhalten. Passiert sei nichts. Zudem sei den Beschäftigten unklar, wie Erfolg definiert sei und was zu tun sei, um befördert zu werden.

Ein Tesla-Sprecher verwies als Reaktion auf den Vorstoß auf einen früheren Blog-Beitrag des Unternehmens, in dem davon die Rede ist, dass sich die Sicherheitsbedingungen stetig verbesserten. Zugleich habe Tesla natürlich das Ziel, Arbeitsunfälle gänzlich zu vermeiden. Zu den Beschwerden über das Gehalt äußerte sich der Autobauer bislang nicht. Tesla hatte Ende vergangener Woche die ersten Exemplare seines Mittelklassewagens Model 3 ausgeliefert, mit dem das Unternehmen den Massenmarkt erobern will. Mit einem Startpreis von umgerechnet knapp 30.000 Euro soll das Fahrzeug erschwinglicher sein als die bisherigen Tesla-Modelle, die im Luxussegment angesiedelt sind. Allerdings hat das Unternehmen mit Verzögerungen in der Produktion zu kämpfen.

Tesla produziert derzeit drei Modelle, nämlich S, X und 3 im kalifornischen Fremont. Insgesamt sollen dort in diesem Jahr 100.000 Fahrzeuge gefertigt werden, im kommenden Jahr dann 500.000. Schon 2020 will das Unternehmen eine Million Elektroautos produzieren. Im vergangenen Jahr lag die Produktion nur bei 84.000 Wagen. Für das zweite Quartal vermeldete Tesla am Mittwoch einen Umsatz von knapp 2,8 Milliarden Dollar (knapp 2,4 Milliarden Euro). Das war mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum, als 1,3 Milliarden Dollar eingenommen wurden. Unter dem Strich standen aber Verluste in Höhe 336,4 Millionen Dollar.

 

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AFP Agence France-Presse

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