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Frauenquote: Jetzt geraten die Vorstände ins Visier

kritchanut, Fotolia

Die im vergangenem Jahr eingeführte Frauenquote wirkt – aber nur dort, wo die Höhe gesetzlich vorgeschrieben ist. Zu diesem Ergebnis kommt ein am Mittwoch vom Kabinett gebilligter Bericht.

Berlin (csr-news/afp) > Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten von gut 100 börsennotierten Unternehmen liegt bei mittlerweile 27,3 Prozent, hier schreibt das Gesetz 30 Prozent vor. Anders sieht es bei den Vorständen aus, wie aus dem „Bericht der Bundesregierung über den Frauen- und Männeranteil an Führungsebenen und in Gremien der Privatwirtschaft und des öffentlichen Dienstes“ hervorgeht. Deshalb strebt Familienministerin Katarina Barley (SPD) auch hier eine gesetzliche Regelung an. Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte sie: „Ich gebe der Wirtschaft noch ein Jahr Zeit, die Sache selbst zu regeln. Wenn sich bis dahin nichts tut, werden wir gesetzlich eingreifen. „Ich hätte kein Problem mit einer verpflichtenden Frauenquote auch für Unternehmensvorstände.“

Seit dem 1. Januar 2016 gilt die feste Geschlechterquote von 30 Prozent für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten in den 105 börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen. Hier sind inzwischen die 27,3 Prozent erreicht. Vor zwei Jahren betrug dieser Anteil demnach noch 22,9 Prozent. Wo es mehr mit Frauen besetzte Aufsichtsratsposten gebe, strahle dies zudem auch auf die zweite und dritte Führungsebene aus, sagte Barley. Dem Bericht liegen Daten des Geschäftsjahres 2015 zugrunde, für börsennotierte Unternehmen konnten bereits Vergleichszahlen für das Geschäftsjahr 2016 herangezogen werden. Untersucht wurden 1.747 börsennotierte und/oder mitbestimmte Unternehmen, die zur Erfüllung der Vorgaben des Gesetzes verpflichtet sind.

In den Vorständen liegt der Frauenanteil den Angaben zufolge nur bei 6,1 Prozent. „Wo keine feste Quote greift, passiert auch nichts“, sagte die Ministerin dazu in Berlin. Laut FüPoG (Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst) müssen Unternehmen Zielgrößen für die Entwicklung ihrer Führungsgremien entwickeln. Das gilt auch für Unternehmen die nicht direkt von der gesetzlichen Quote (etwa börsennotierte Unternehmen) betroffen sind. Unternehmen mit fester Quote haben sich laut Bericht insgesamt deutlich ambitioniertere Ziele gesetzt, als alle anderen Unternehmen. Über 90 Prozent dieser Unternehmen haben Ziele für die erste und zweite Führungsebene formuliert. „Die Quote hat einen Kulturwandel eingeleitet“, heißt es dazu im Bericht. Allerdings geben die Zahlen keinen Aufschluss über den Ist-Zustand, den dazu müssen keine Angaben gemacht werden.

Zielgrößen für den Frauenanteil im Vorstand

Quelle: „Bericht der Bundesregierung über den Frauen- und Männeranteil an Führungsebenen und in Gremien der Privatwirtschaft und des öffentlichen Dienstes“

Nur wenige Unternehmen hätten sich ein Ziel für den Vorstand gesetzt. Von denen, die ein Ziel formuliert haben, haben über 70 Prozent Null als Ziel ausgegeben. Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein, beispielsweise, dass im genannten Zeitraum keine Neupositionierung des Vorstands vorgenommen wird. „Abzuwarten bleibt, wie sich die zweite Phase der Zielgrößensetzung, die den Unternehmen eine längerfristige Zielgrößensetzung ermöglicht, auf den Frauenanteil in den Vorständen auswirken wird“, so die Bewertung des Ministeriums. Der Anteil weiblicher Vorstände ist in den Bereichen Erziehung und Unterricht (25,0 %), Gesundheit und Sozialwesen (16,8 %) und dem Gastgewerbe (14,3 %) am höchsten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist nach Angaben von Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer der Meinung, „dass die Zahlen in Teilen natürlich nicht zufrieden stellen können“. Die Bundeskanzlerin rate der Wirtschaft, nicht mit der Zielgröße null zu arbeiten. „Diese Haltung ist nicht akzeptabel.“ Anders als bei den Aufsichtsräten schreibt das Gesetz bei Vorständen keine feste Quote fest, sondern verpflichtet sie lediglich dazu, eine Zielvorgabe zu erstellen – die viele Firmen dann mit null angeben. Eine positive Bilanz zog Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). „Stimmen, die behauptet haben, es gebe nicht genug qualifizierte Frauen, sind verstummt.“ Das Gesetz zur Frauenquote werde von den Unternehmen akzeptiert.

Im öffentlichen Dienst zeichnen sich Barley zufolge „überwiegend positive Entwicklungen“ ab. Der Bund hat sich mit Einführung der gesetzlichen Regelungen für die Privatwirtschaft selbst auch verpflichtet, für die Besetzung von Aufsichtsratsgremien, in denen ihm mindestens drei Sitze zustehen, eine Quote von 30 Prozent einzuhalten. Inzwischen sind den Angaben zufolge über ein Drittel der Mitglieder von Aufsichtsgremien, die der Bund bestimmen kann, Frauen. In wesentlichen Gremien liege der Anteil der Mitglieder, die der Bund bestimmen könne, bei 41,8 Prozent. Die Union mahnte Verbesserungen bei den Unternehmensvorständen und im öffentlichen Dienst an. Letzterer müsse zum Vorreiter werden, erklärte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Nadine Schön (CDU). „Bis spätestens 2025 wollen wir dort eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Leitungsfunktion auf allen Ebenen verwirklichen.“ Die Grünen kritisierten die Frauenquote der Regierung als „halbherzig“. Die  SPD habe in den vergangenen vier Jahren die Frauenministerin gestellt „und hätte jederzeit aktiv werden können“, erklärte die frauenpolitische Sprecherin Ulle Schauws.