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Homosexuelle Männer verdienen weniger

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Homo- und bisexuelle Männer verdienen einer Erhebung zufolge weniger als ihre heterosexuellen männlichen Kollegen.

Von Christine Kellmann

Berlin (afp) > Der Unterschied von brutto etwa zwei Euro pro Stunde lege nahe, dass es neben einem Lohngefälle zwischen Männern und Frauen auch einen von der sexuellen Orientierung abhängigen Unterschied bei der Bezahlung gebe, erklärte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Donnerstag in Berlin. Basierend auf dem Bruttostundenlohn liege der Unterschied bei der Bezahlung von homo- und heterosexuellen Männern bei zwölf Prozent, erklärte das DIW. Diese Differenz lasse sich weder durch Qualifikation noch durch Berufserfahrung erklären, erläuterte Studienautor Martin Kroh. Die Differenz bei Männern steige sogar auf über zwei Euro, wenn die höhere Schulbildung homo- und bisexueller Befragter berücksichtigt werde.

Ähnlich dem sogenannten Gender Pay Gap – also dem Lohngefälle zwischen Männern und Frauen – gebe es offenbar einen „Sexuality Pay Gap“. Ein derartiges Lohngefälle, das in ähnlichem Umfang schon in anderen Ländern ermittelt worden sei, „legt eine Benachteiligung Homo- und Bisexueller nahe“, erklärte Kroh. Das DIW wertete erstmals die Lebenslagen von Lesben, Schwulen und Bisexuellen auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus, einer jährlich wiederholten Befragung von Privathaushalten in Deutschland. Dabei wurde 2016 erstmals direkt nach der sexuellen Orientierung gefragt. Die Unterschiede der Stundenlöhne lesbischer und bisexueller Frauen zu den Stundenlöhnen heterosexueller Frauen sowie homosexueller Männer sind laut DIW statistisch nicht signifikant.

Höhere psychische Belastung

Hinsichtlich ihres Bildungsgrades und ihres Berufes unterscheiden sich Befragte, die sich als Lesben, Schwule oder Bisexuelle zu erkennen geben, von Heterosexuellen. Sie haben häufiger Abitur oder Fachabitur als Heterosexuelle und seltener einen Hauptschulabschluss oder mittlere Reife. Sie sind häufiger als Angestellte beschäftigt und seltener als Arbeiterinnen oder Arbeiter. Der Beamtenanteil unter Homo- und Bisexuellen ist mit zwei Prozent besonders gering – bei Heterosexuellen liegt er bei sechs Prozent.

Der DIW-Studie zufolge berichten Lesben, Schwule und Bisexuelle über eine etwas höhere psychische Belastung. Zudem seien sie häufiger von einer depressiven Erkrankung betroffen als Heterosexuelle. Eine Erklärung dafür könne sein, dass Homo- und Bisexuelle wegen ihrer sexuellen Orientierung „stigmatisiert und diskriminiert und dadurch chronischem Stress ausgesetzt sind“.

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) erklärte, die Studie des DIW zeige einen „Forschungs-, Klärungs- und Handlungsbedarf“. Lesben, Schwule und Bisexuelle würden jedoch nicht nur aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität diskriminiert. Im Erwerbsleben sei ihre Gleichberechtigung und Chancengleichheit auch wegen anderer Merkmale wie Herkunft, Transgeschlechtlichkeit, Religionszugehörigkeit, Alter oder Hautfarbe eingeschränkt. Angesichts der häufigeren depressiven Erkrankungen von Lesben, Schwulen und Bisexuellen sei ein Gesundheitsbericht „unabdingbar“, erklärte Jenny Renner vom LSVD. Hier stünden die Ministerien für Bildung und Forschung sowie Gesundheit in der Pflicht.