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Verkehr in Deutschland könnte 2035 CO2-neutral sein

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Der Verkehr in Deutschland könnte laut einer Greenpeace-Studie ab dem Jahr 2035 ohne Benzin und Diesel auskommen und auf diese Weise einen deutlichen Beitrag zum Klimaschutz und zur besserer Luft leisten.

Hamburg (afp) > In den kommenden 18 Jahren könnten der Bahn- und Fahrradverkehr sowie Carsharing-Angebote mit Elektroautos soweit ausgebaut werden, „dass danach alle Wege in Deutschland ohne klimaschädliche Verbrennungsmotoren zurückgelegt werden“, erklärte die Umweltschutzorganisation. Das von Greenpeace beim Wuppertal Institut in Auftrag gegebene Szenario „Verkehrswende für Deutschland“ beschreibt, wie der Ausstieg aus Benzin- und Dieselmotoren umgesetzt und der Verkehr in Deutschland bis 2035 CO2-neutral werden könnte. Eine bloße Umstellung auf Autos mit Elektroantrieb ist demnach keine Lösung. Vielmehr müsste sich der Anteil von Rad- und öffentlichem Verkehr bis zum Jahr 2035 durch einen beschleunigten Ausbau der Infrastruktur verdoppeln.

Entsprechend werde das eigene Auto dann in Städten an Bedeutung verlieren. Das Szenario geht davon aus, dass sich die Zahl der Privatautos bis zum Jahr 2035 gegenüber 2015 mehr als halbiert, und zwar von 548 auf 200 Pkw pro 1000 Einwohner. Die verbleibenden Pkw – die vor allem im ländlichen Raum notwendig sind – werden in dem Szenario mit erneuerbaren Energien betrieben. Das Szenario geht weiter davon aus, dass der Gütertransport sich bis zum Jahr 2035 größtenteils von der Straße auf die Schiene verlagert. Der Güterfernverkehr auf der Straße werde dann zu 80 Prozent über Oberleitungen elektrisch angetrieben. Auf den restlichen Wegen würden Lastwagen eingesetzt, die klimaverträgliche synthetische Kraftstoffe nutzen. „Seit Jahrzehnten versagt die Verkehrspolitik dabei, den Ausstoß von Schadstoffen zu senken“, erklärte Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan. Die Klimabilanz sei verheerend, die Luft in Städten „alarmierend“ schlecht. Mit 166 Millionen Tonnen habe der CO2-Ausstoß hierzulande im Jahr 2016 sogar über dem Wert von 1990 mit 162 Millionen Tonnen gelegen.

Der Ende 2016 vom Kabinett beschlossene Klimaschutzplan 2050 verpflichte den Verkehr dazu, bis zum Jahr 2030 mindestens 40 Prozent weniger Treibhausgase zu verursachen. Dieses Ziel könne nur mit einem raschen Abschied vom Verbrennungsmotor erreicht werden, erklärte die Organisation. Greenpeace fordere daher von der Bundesregierung, ab 2025 keine weiteren Autos mit Verbrennungsmotor mehr zuzulassen. Grünen-Chef Cem Özdemir erklärte in Berlin, die Greenpeace-Studie mache „richtig Lust auf moderne Mobilität“. Es brauche „endlich einen zuverlässigen Rahmen und intelligente Anreize, um Verbrauchern und Unternehmen den Umstieg auf emissionsfreie Mobilität leicht zu machen“.