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Deutscher Nachhaltigkeitspreis – Lohnt sich das?

© Frank Fendler

In dieser Woche wird zum 10. Mal der Deutsche Nachhaltigkeitspreis (DNP) vergeben. Insgesamt 57 Unternehmen wurden inzwischen für ihre Nachhaltigkeitsleistung ausgezeichnet. Meist bleibt der Nutzen solcher Preise verborgen. Für den DNP wurde die Wirksamkeit nun in einer Studie untersucht.

Düsseldorf (csr-news) > Aufmerksamkeit ist dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis in jedem Jahr gewiss. Kaum ein anderer Nachhaltigkeitspreis findet in der Presse eine solche Beachtung. Dafür sorgen aber vor allem die zahlreichen Prominenten, die mit der Aussicht auf einen Ehrenpreis nach Düsseldorf gelockt werden. Am Ende dominieren sie auch die Berichterstattung, Nachhaltige Unternehmensführung wird eher zum Beiwerk. Dennoch lohnt sich die Teilnahme für die Unternehmen, wie eine Untersuchung zeigt, die der Rat für Nachhaltige Entwicklung in Auftrag gegeben hat. Matthias Kannegiesser, Gründer und CEO von time2sustain, hat mit seinem Team die Studie durchgeführt und sie durch Experteninterviews mit Jurymitgliedern und langjährigen Beobachtern des DNP ergänzt. Es geht um die Frage, inwieweit der Nachhaltigkeitspreis seine Ziele erreichen und Wirkung erzielen konnte.

An der Umfrage unter allen Unternehmen, die sich in den vergangenen Jahren um den Preis beworben haben, nahmen 122 Firmen aller Größen teil. Am stärksten vertreten waren die Konsumgüter- und Einzelhandelsbranche, gefolgt von vielen sonstigen produzierenden Unternehmen sowie Firmen aus der Prozess- und Bauindustrie und dem Handwerk. Unterrepräsentiert waren hingegen Branchen wie etwa Automobil oder die Finanzindustrie. Die Studie gelangt zu einer positiven Bewertung bezüglich der Wirksamkeit des DNP auf die Unternehmen und ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten – das gilt insbesondere für die Nominierten und die Preisträger des Wettbewerbs.

So wurde beispielsweise in einem ersten Schritt die Entwicklung der unternehmerischen Nachhaltigkeit aus Sicht der Unternehmen analysiert. Mit 97 Prozent haben nahezu alle Unternehmen eine positive Entwicklung im Nachhaltigkeitsmanagement ihres Unternehmens bescheinigt. Die Unternehmen gaben an, sich in allen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit verbessert zu haben und zwar sowohl außerhalb wie innerhalb des Unternehmens. Bei 80 Prozent der Unternehmen habe sich der Ruf verbessert, 58 Prozent konnten ihren wirtschaftlichen Erfolg auch auf das Nachhaltigkeitsmanagement zurückführen. Auch ihre Stellung als Arbeitgeber konnten die Unternehmen verbessern und auch den einen oder anderen Nachhaltigkeitspreis gewinnen. Immerhin 70 Prozent der Unternehmen konnten durch ihr Nachhaltigkeitsengagement die Umweltbilanz ihrer Produkte verbessern. Spitzenreiter bei der internen Betrachtung ist die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts, der sich oftmals an den gängigen Standards orientiert. Die bessere Positionierung als Arbeitgeber wirkt zudem nicht nur bei der Suche nach neuen Mitarbeitern, sondern sie entfaltet ihre Wirkung auch ins Unternehmen. Eine deutliche Verbesserung zeigt sich auch bei der Unterstützung durch die Geschäftsleitung, die eine Mehrheit der Nachhaltigkeitsmanager inzwischen als gegeben betrachten.

Baustelle interne Anreizsysteme

Dennoch gibt es auch weiterhin Herausforderungen. Dazu gehört beispielsweise die mangelnde Nachfrage der Finanzwirtschaft. So konnten bislang nur 35 Prozent der Unternehmen aufgrund ihres Nachhaltigkeitsengagements bessere Kreditkonditionen aushandeln. Eine weitere Baustelle bleiben die internen Anreizsysteme für Manager und Mitarbeiter. Die fehlende Zahlungsbereitschaft der Verbraucher ist für 63 Prozent der befragten Unternehmen die größte Herausforderung. Teilnehmende kommentierten, dass gerade im Einkauf nur nach dem niedrigsten Preis entschieden werde und Aspekte wie längere Nutzungsdauer, höhere Restwerte und somit geringere Lebenszykluskosten nicht honoriert würden. Zudem vermissen mehr als 60 Prozent eine Regulierung und passende Marktanreize für Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeitsmanagement zahlt sich aus

Dennoch scheinen die Vorteile zu überwiegen, auch wenn dies, diese Anmerkung sei erlaubt, bei einer derartigen Umfrage auch nicht anders zu erwarten war. Die klare Botschaft ist, so die Autoren der Studie: „Unternehmen sehen die Integration eines Nachhaltigkeitsmanagements als lohnend an.“ Vorreiter blieben nicht isoliert, sondern könnten die Erfolge ihrer Bemühungen ernten und zwar in allen Dimensionen der Nachhaltigkeit, „inklusive der wirtschaftlichen Dimension“. Damit würde die Annahme bestätigt, „dass Nachhaltigkeit ein inhärenter Teil von moderner und dynamischer Unternehmensführung ist“.

Den Blick in die Zukunft hat die Studie auch gewagt, vor allem bezüglich der Ausgestaltung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises. Bei allen Vorteilen, den die Unternehmen durch die Auszeichnung erzielen konnten, besteht jedoch der Wunsch nach stärkerer Vernetzung. Vor allem die Teilnehmer des Preises, den die Auszeichnung verwehrt bleibt, wünschen sich dennoch einen zusätzlichen Benefit für ihre Bemühungen. Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis dürfe nicht stehenbleiben, sondern müsse sich weiterentwickeln und neue Themen setzen, so ein Fazit der Studie.


Die Studie „Zehn Jahre Deutscher Nachhaltigkeitspreis – Wirkung und Perspektiven für Nachhaltigkeit in Unternehmen“ zum Download.