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Berichterstattung über Nachhaltigkeit unzureichend

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Die von der Berichtspflicht betroffenen Unternehmen in Österreich kommen dieser bislang nur unzureichend nach. Themen wie Menschenrechten und Korruptionsbekämpfung fänden noch kaum Beachtung.

Wien (csr-news) > Das österreichische Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz, kurz NaDiVeG, ist die Umsetzung der europäischen CSR-Richtlinie in nationales Recht und ab dem Geschäftsjahr 2017 für große Kapitalgesellschaften, die Unternehmen von öffentlichem Interesse sind und am Bilanzstichtag im Durchschnitt mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen, verpflichtend. Davon sind rund 120 – 130 Unternehmen betroffen. Zwar galt für große Kapitalgesellschaften schon eine Pflicht zur Berichterstattung über nichtfinanzielle Aspekte in ihren Lageberichten, das NaDiVeG bringt allerdings einige Veränderungen mit sich. Das verpflichtende Reporting bezieht sich dabei mindestens, aber nicht ausschließlich auf Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, auf die Achtung der Menschenrechte sowie auf die Bekämpfung von Korruption und Bestechung. Dabei müssen sowohl qualitative Informationen als auch quantitative Daten berichtet werden.

In der Studie „Nichtfinanzielle Berichterstattung – Fokus NaDiVeG“ des Instituts für Unternehmensrechnung und Revision der Wirtschaftsuniversität Wien und PwC Österreich, wurden 50 der berichtspflichtigen Unternehmen analysiert. „Unsere Studie zeigte deutlich: Während Umwelt- und Arbeitnehmerbelange in der Nachhaltigkeitsberichterstattung bereits gut etabliert sind, herrscht bei Themen wie Menschenrechte sowie der Bekämpfung von Korruption noch großer Aufholbedarf“, so Studienleiterin Stéphanie Mittelbach-Hörmanseder, Assistenzprofessorin am WU-Institut für Unternehmensrechnung und Revision.

Große Defizite

Die bereits am häufigsten berichteten nichtfinanziellen Leistungsindikatoren kommen aus dem Arbeitnehmerbereich, meist mit Informationen zu Neuanstellungen und Mitarbeiterfluktuation sowie zu Berufsunfällen und Ausfalltagen. Bei Umweltbelangen wird zu den Themen Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen am umfassendsten berichtet. Die Hälfte der analysierten Unternehmen veröffentlicht jedoch auch zu Umwelt und Arbeitnehmerbelangen noch keinerlei quantitative Indikatoren. Sichtbar wird in der Studie auch, dass ATX Unternehmen wesentlich transparenter berichten, als Anleihen begebene Unternehmen. Große Lücken zeigen sich beim Thema Menschenrechte und Korruptionsbekämpfung: Lediglich ein Drittel der Unternehmen berichtet über Menschenrechte und nur die Hälfte greift das Thema Korruptionsbekämpfung in ihren Berichten auf. Nur 2 Prozent der Unternehmen veröffentlichen quantitative Indikatoren zu diesen Themenbereichen. Großen Aufholbedarf gibt es auch bei der verpflichtenden Berichterstattung zu Risiken und Due-Diligence-Prozessen, wozu nur ein Drittel der Unternehmen Stellung beziehen.

Externe Überprüfung fehlt vielfach

Neu ist auch, dass von nun an der Aufsichtsrat die nichtfinanziellen Informationen prüfen muss. Somit steigen die Anforderungen an die Qualität der Daten sowie an die dahinterliegenden Reporting-Prozesse. Allerdings verzichten Österreichs Unternehmen derzeit weitgehend auf eine externe Prüfung ihrer Nachhaltigkeitsdaten: Lediglich 28 Prozent holen sich Expertise von außen. Hier hinken die heimischen Unternehmen im internationalen Vergleich (67 Prozent) stark hinterher. In Deutschland und Holland, wo im Zuge der Studie ebenfalls Interviews geführt wurden, lassen nahezu alle großen Unternehmen ihre nichtfinanziellen Berichte durch den Abschlussprüfer prüfen.

Umfassenderes Bild für bessere Entscheidungen

„Wie die Studie zeigt, stellen die Anforderungen des NaDiVeG viele heimische Unternehmen vor neue Herausforderungen. Es geht vor allem um eine strategische Auseinandersetzung mit der Frage: Wo entstehen durch das Unternehmen die größten Auswirkungen und Risiken für Umwelt und Gesellschaft und welche Konzepte werden verfolgt um diese Themen zu managen. Das NaDiVeG verlangt auch eine Bezugnahme auf den Jahresabschluss und unterstreicht damit die Notwendigkeit, wesentliche finanzielle und nicht finanzielle Unternehmensaspekte nicht getrennt voneinander zu betrachten“, so Julia Fessler, Nachhaltigkeitsexpertin bei PwC Österreich, „Eine Darstellung des Unternehmens und seiner Performance aus unterschiedlichen Blickwinkeln ermöglicht Management und Stakeholdern langfristig bessere Entscheidungen zu treffen.“