Forschungsstellen

Universität Hamburg

Speziell zu CSR – aber auch zu Wirtschaftsethik – wird an der Universität Hamburg an verschiedenen Stellen geforscht – im Rahmen der Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre als auch der Soziologie.

Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Professur für Betriebswirtschaftslehre, insb. Unternehmensethik

Im Bereich Forschung konzentrieren sich unsere Aktivitäten an der Professur für Unternehmensethik insbesondere auf folgende Schwerpunkte:

  • Strategisches Management und Ethik

Entgegen den meisten Ansätzen im strategischen Management gehen wir davon aus, dass Unternehmen als Teil der Gesellschaft letztlich als Mittel zum Zweck und nicht als Selbstzweck zu betrachten sind. Insofern gilt es, die Voraussetzungen, Inhalte und Ergebnisse des Strategieprozesses einer permanenten ethischen Reflexion zu unterzie- hen. Vor diesem Hintergrund erforschen wir, wie Unternehmen ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft besser gerecht werden können. Strategie und Ethik sind demzufolge kein Gegensatz, sondern können im Rahmen einer verantwortungsvollen Unternehmensführung miteinander in Einklang gebracht werden.

Ein Schwerpunkt unserer Forschung liegt dabei in der konzeptionellen Weiterentwick- lung von ethisch verantwortungsvollen Strategieprozessen und der empirischen Erfor- schung von Defiziten in der strategischen Führungspraxis in internationalen Unter- nehmen. Wesentliche Erkenntnisse dieser Forschungsbemühungen sind schon einge- flossen in die Neuauflage eines Lehrbuches zum strategischen Management, das im Jahr 2018 in der 8. Auflage erscheinen wird (Hartmut Kreikebaum/Dirk Ulrich Gil- bert/Michael Behnam; Strategisches Management, 8. Auflage, Lehrbuch, Kohlhammer Verlag).

  • Implementierung von Ethik

Unter Ethik verstehen wir einen permanenten Prozess kritischer Reflexion von be- gründbaren normativen Prinzipien. Ethik und damit verbundene operative Maßnah- men können folglich nicht im strikt technisch-instrumentellen Sinne in Unternehmen implementiert werden. Denn Unternehmensethik liefert nicht unmittelbar anwendba- res Verfügungswissen (Know-How), sondern bringt vielmehr argumentativ begründe- tes Orientierungswissen im Sinne von Grundsätzen und Leitideen hervor (Know- What).

Um ethische Reflexion über das Unternehmen hinaus zu entfalten, ist die freiwillige Bereitschaft zur Übernahme ethischer Verantwortung durch ein umfassendes System von Anreizen und Sanktionsmechanismen auf der Ebene von Branchen (z. B. Branchen- standards) und in der Rahmenordnung (z. B. OECD-Leitlinien) zu ergänzen. In der Un- ternehmenspraxis entstehen oftmals Dilemmata aus der Einführung ethisch er- wünschter Maßnahmen einerseits und der damit verbundenen Wettbewerbsnachteile andererseits, die durch Kostenvorteile von Konkurrenten mit niedrigeren Standards entstehen. Im Rahmen der Forschung gilt es, neue Ansatzpunkte zu entwickeln und bestehende Konzepte zu verbessern (z. B. UN Global Compact, SA 8000), um die unter- nehmensethischen Vorleistungen einzelner Wettbewerber in Zukunft besser zu schüt- zen. Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt dabei im Bereich der sog. Inter- national Accountability Standards.

  • Begründungsansätze einer internationalen Unternehmensethik

In diesem Forschungsbereich stellen wir die theoretische bzw. philosophische Begrün- dung für ein ethisch einwandfreies Handeln in internationalen Unternehmen in den Mittelpunkt der Betrachtung. Da international tätige Unternehmen mit stark differie- renden Norm- und Wertvorstellungen konfrontiert werden, untersuchen wir insbeson- dere, welche Normen und Werte ihnen als Orientierungsrahmen für die Handhabung von Konflikten dienen können und sollen.

Die Hauptaufgabe unserer Forschung liegt folglich in der Beantwortung der Frage, wie fruchtbar vorhandene Konzepte zur Unternehmensethik (z. B. Integrative Social Contracts Theory, Political CSR) für eine (praktische) Anwendung in internationalen Unternehmen sind und welche Ansatzpunkte sich zu ihrer Weiterentwicklung entde- cken lassen. Eine internationale Unternehmensethik sollte sich aus unserer Sicht auf eine nicht-deduktive Bestimmung von Normen durch sprachliche Mittel konzentrie- ren, die sich z. B. auf universale Prinzipien der Verständigung zurückführen lassen. Vor diesem Hintergrund stehen derzeit insbesondere Konzepte wie die Diskursethik und  die sich in neuerer Zeit entwickelnde Forschungsrichtung der sog. deliberativen Demo- kratie im Mittelpunkt unserer Publikationsprojekte.

Aktuelle Forschungsprojekte an der Professur für Unternehmensethik der Universität Hamburg befassen sich u.a. mit folgenden Themen:

  • Living Wages in Global Value Chains and the Role of Multi-National Enterprises (Stephanie Schrage)
  • Meanings and Manifestations of Corporate Social (Ir-)Responsibility in the Context of Middle Eastern Authoritarianism (Anna-Lena Maier)
  • Business Model Innovation for Sustainable Energy (Sebastian Knab)
  • The Political Role of Multinational Corporations in Global Supply Chains – Ex- amining the Legitimacy, Challenges and Prospects of Multi-Stakeholder Initia- tives (Kristin Huber)
  • Gaining Mutual Benefits through Business-Non-Profit Partnerships in Base-of- the-Pyramid Markets (Jordis Grimm, Dirk Ulrich Gilbert)
  • Creating Value by Sharing Values – Pluralistic Stakeholder Management through Discursive Justification (Maximilian L. Schormair)
  • Exploring the political role of corporations in Multi-Stakeholder governance – the case of the “Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh” (Kristin Hu- ber, Maximilian J. L. Schormair)

Einen detaillierteren Überblick über unseren Forschungsansatz und aktuelle For- schungsprojekte finden Sie auf unserer Webpages zu Forschung, Forschungsschwerpunkten und Forschungsprojekten:

Kontakt:

Prof. Dr. Dirk Ulrich Gilbert
Universität Hamburg | Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Von-Melle-Park 9
20146 Hamburg
Tel.: +49 40 42838-9443
Fax: +49 40 42838-2128
E-Mail: dirk.gilbert@wiso.uni-hamburg.de

Kompetenzzentrum Nachhaltige Universität (KNU)

“Ziel des Kompetenzzentrums Nachhaltige Universität ist es, zur Entwicklung und Gestaltung der Universität Hamburg als einer ‘University for a Sustainable Future’ beizutragen und ihre Zukunftsfähigkeit in Forschung, Lehre, Bildung und Hochschulsteuerung sichern zu helfen”, heißt es auf der Website.

Das KNU bündelt einige Forschungsinitiativen an der Universität Hamburg. Hier finden Sie eine Übersicht geförderter Projekte.

Die Research Group on Sustainable Finance beleuchtet die Rolle des Finanz- und Investmentmarktes für ein nachhaltiges Wirtschaften – unter Berücksichtigung der Kriterien Umwelt, Gesellschaft und Unternehmensführung (Environmental, Social, Governance  – ESG). Aktuelle Forschungsprojekte:

Kontakte:

Prof. Dr. Alexander Bassen
Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbes. Kapitalmärkte & Unternehmensführung
Rentzelstraße 7
20146 Hamburg
Tel.: +49 40 42838-4064
E-Mail: Alexander.Bassen@wiso.uni-hamburg.de

Prof. Dr. Timo Busch
Chair of Management and Sustainability
Rentzelstraße 7
20146 Hamburg
E-Mail: Timo.Busch@wiso.uni-hamburg.de