CSR_NEWS Nachrichten

Unternehmen tabuisieren sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Christine Lüders, Antidiskriminierungsbeauftragte der Bundesregierung © Bund

Nur acht der 30 Dax-Unternehmen haben einem Medienbericht zufolge eine Betriebsvereinbarung gegen sexuelle Belästigung.

Mainz (afp/csr-news) > Eine solche Vereinbarung schaffe aber überhaupt erst die Voraussetzung dafür, dass Betroffene sich trauen können, mit ihrem Anliegen auch zum Arbeitgeber zu gehen, sagte DGB-Vorstandsmitglied Elke Hannack dem ARD-Magazin “Report Mainz”. “Die Mehrzahl der Unternehmen tabuisiert das Thema sexuelle Belästigung”, erklärt die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Christine Lüders.

Die Berliner Charité etwa hat mit einer Betriebsvereinbarung zur sexuellen Belästigung  positive Erfahrungen gemacht: “Das hat auch dazu geführt, dass sich mehr Beschäftigte trauen, darüber zu sprechen und in die Beratung zu kommen”, sagt Christine Kurmeyer, die Gleichstellungsbeauftragte der Charité. Es gebe nun Vertrauen, dass das Thema vom Arbeitgeber ernst genommen werde und ein sachlicher Umgang damit erfolge, erzählt Kurmeyer. Das ermutige Betroffene sich zu melden. Die Charité hatte eine Umfrage unter ihren 17.000 Beschäftigten gemacht: Mehr als 70 Prozent gaben an, schon einmal sexuelle Belästigungen erlebt zu haben. Dieses Ergebnis hatte die Geschäftsleitung überzeugt, das Thema offensiver und transparenter anzugehen.

Tatsächlich gibt es viel mehr Betroffene als gemeldete Fälle: Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Danach geben mehr als die Hälfte aller Beschäftigten an, am Arbeitsplatz schon einmal sexuell belästigt worden zu sein. In den vergangenen zwei Jahren gab es dagegen laut einer Umfrage des ARD-Magazins nur elf Belästigungsbeschwerden in den Dax-Konzernen. “Viele Frauen melden sich nicht, weil sie Repressalien befürchten, wenn sie sexuelle Belästigung in ihrem Betrieb zur Anzeige bringen”, sagte Hannack. Klare Betriebsvereinbarungen seien eine wichtige Voraussetzung, damit Frauen Vertrauen in ihre Arbeitgeber fassen. Solche Vereinbarungen regeln verbindlich, was passiert, wenn sich jemand belästigt fühlt, wie Täter sanktioniert werden können und welche Hilfen es für Opfer gibt.

 

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar