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Totalverweigerer bei Palmöl-Kennzeichnung

© Achim Halfmann

Die Umweltschutzorganisation WWF hat zahlreichen deutschen Unternehmen vorgeworfen, die Auskunft über ihren Umgang mit Palmöl zu verweigern. 46 Prozent von insgesamt 255 befragten Firmen seien eine Antwort schuldig geblieben, welche Art Palmöl sie verwenden, kritisierte der WWF in seinem Palmöl-Check. Knapp 44 Prozent der Unternehmen antworteten hingegen und gaben an, vollständig oder zumindest teilweise zertifiziertes Palmöl einzusetzen.

Berlin (afp/csr-news) > Palmöl ist ein wichtiges Basisprodukt für Lebensmittel und viele Körperpflege-, Pharma-, Haushalts- und Hygieneartikel. Es findet sich etwa in Margarine, Cremes, Fertiggebäck, Pizza und Waschmittel. Der Anbau von Ölpalmen vor allem in Ländern wie Indonesien und Malaysia wird seit langem wegen der damit häufig verbundenen Umweltzerstörung und der Arbeitsbedingungen kritisiert. „Die Totalverweigerer reagieren nicht auf Appelle zu Transparenz und Verantwortlichkeit“, kritisierte Jörg-Andreas Krüger vom WWF. Die nächste Bundesregierung müsse deshalb mit gesetzlichen Vorgaben alle Palmöl-Importe an die Einhaltung von ökologischen und sozialen Kriterien knüpfen, forderten die Umweltschützer.

Übersicht Supermärkte (Quelle: Palmöl-Check Scorecard 2017)

Die Firmen Lekkerland, Globus, der Lübecker Marzipanhersteller Niederegger und die Drogeriekette Müller verweigern seit Jahren transparente Angaben über ihren Palmöleinkauf. Dass es auch anders geht, zeigt Wettbewerber Rossmann, der nach mehrfacher 0-Punkte-Bewertung jetzt erstmals im grünen Bereich landet. Die vorderen Plätze belegen Care Naturkost, Daabon, Agrarfrost, Rapunzel Naturkost und Lorenz Bahlsen Snack-World.

Dennoch, so bilanziert der WWF, könne man seit 2009 einen positiven Trend feststellen. 44 Prozent der Unternehmen geben inzwischen an, zertifiziertes Palmöl vollständig oder zumindest teilweise einzusetzen. 88 davon setzen zu 100 Prozent zertifizierte Ware ein – 2015 traf das nur auf 29 Unternehmen zu. Wo Unternehmen auf zertifiziertes Palmöl setzen, ist es in der Regel nach dem RSPO-Standard zertifiziert, den der WWF als Einstieg einstuft. Noch gäbe es zu wenige deutsche Firmen, die als Palmöl-Vorreiter verbindliche Zusatzkriterien zum Mindeststandard RSPO einfordern, Kleinbauern unterstützen oder Bio-Palmöl einsetzen. „Fortschrittliche Palmöl-Produzenten bieten Palmöl von Flächen an, auf denen zum Beispiel das Umwandlungsverbot von Torfböden gilt oder keine gefährlichen Pestizide eingesetzt werden. Aber sie finden keine Abnehmer und müssen ihre Ware häufig unter Wert verkaufen“, so Krüger vom WWF.

Problemfall Futtermittelbranche

Erneut und schon gewohnt schlecht schneidet die Futtermittelbranche ab. „Bei Palmöl reden alle über Nutella, keiner über Wurst, Käse oder Ei. Nur wenige wissen, dass acht Prozent des importierten Palmöls an Geflügel, Schweine und Rinder verfüttert wird. Das macht es den Herstellern von Futtermitteln leicht, sich beim Thema Palmöl aus der Verantwortung zu schleichen“, sagt Jörg-Andreas Krüger. Der WWF fordert, dass Nutztiere bevorzugt vor allem heimische Eiweißpflanzen wie Lupinen oder Ackerbohnen als Futter bekommen. Wo weiter Soja oder Palmöl im Trog landet, müsse dieses wenigstens ökologische und soziale Mindestkriterien erfüllen.

Mit dem Palmöl-Check nimmt der WWF Deutschland seit 2009 regelmäßig die Einkaufspolitik der Käufer und Verarbeiter unter die Lupe. Bewertet wird dabei mithilfe eines Fragenkatalogs, ob sie Nachhaltigkeitskriterien beim Einkauf von Palmöl beachten und was für Palmöl sie verwenden. Befragt werden nur Firmen mit Hauptsitz in Deutschland, die Mitglieder des RSPO sind oder zu den großen Akteuren in ihrer Branche zählen, diesmal 255 Unternehmen.

Von 255 befragten Unternehmen blieben 118 (46 Prozent) jegliche Rückmeldung schuldig. 112 Unternehmen (knapp 44 Prozent) gaben an, vollständig oder zumindest teilweise zertifiziertes Palmöl einzusetzen. Die übrigen Hersteller und Händler sind zwar Mitglied im “Roundtable on Sustainable Palmoil” (RSPO) und haben sich zum Teil Ziele gesetzt, bis wann sie auf zertifiziertes Palmöl umstellen wollen, sie legten aber keine Nachweise für den tatsächlichen Bezug von zertifiziertem Palmöl vor. Die Auskünfte der Unternehmen beziehen sich auf das Kalenderjahr 2016.

Der WWF fordert von den Unternehmen, nur noch von Lieferanten zu kaufen, die weiterführende Kriterien von POIG oder FONAP erfüllen und auch bei Palmkernöl und Derivaten nur zertifizierte Ware einzusetzen.

 

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