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Magermodels beschäftigen die deutsche Politik

catwalkphotos/Fotolia

Hierzulande fehlen wirksame Interessenvertretungen und nationale Branchenstandards sind nicht in Sicht.

Hamburg (csr-news) – Das gesundheitsgefährdende Untergewicht mancher Models beschäftigt die Bundes- und Landespolitiker. „Wir brauchen eine gesetzliche Regelung zum Schutz vor Magersucht“, sagt sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dem Spiegel (aktuelle Ausgabe). Und die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer zitiert das Nachrichtenmagazin ebenfalls dazu: „Size-Zero-Models gaukeln ein Ideal vor, welches weder ästhetisch noch gesund ist – mit gefährlichen Langzeitschäden für Körper und Seele bis hin zum Tod.“

Die Diskussion um Magersucht unter Models ist nicht neu und war auch durch den Tod mehrerer Models in den vergangenen Jahren verstärkt worden. Die Französin Isabelle Caro, die 2010 starb, hatte zuletzt mit einem Gewicht von 32 Kilogramm für Kampagnen gegen Magersucht posiert. Sie war bereits im Alter von 13 Jahren an der Essstörung erkrankt.

Als Reaktion auf solche Entwicklungen hatte die Modezeitschrift Vogue bereits 2012 eine weltweite Health-Initiative gestartet. Dort soll es keine Fotostrecken oder Titelbilder mehr mit sogenannten „Magermodels“ oder sehr jungen Mädchen geben. Zudem soll auf die Designer eingewirkt werden, nicht über unrealistische kleine Mustergrößen den Einsatz extrem dünner Models zu begünstigen.

Im vergangenen September veröffentlichten dann die französischen Modegiganten LVMH und Kering eine “Charter on the Working Relations with Fashion Models and their Well-Being“. Darin beschreiben sie Mindeststandards für die Arbeitsbedingungen von Models, etwa in Bezug auf Gesundheit und Gewicht, das Alter, den Umgang mit Nacktheit oder Unterkunft und Verpflegung – aber auch in Bezug auf das Alter und den Umgang mit minderjährigen Models.

Die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Landesstelle NRW (AJS) begrüßt diese Charta. „Viele Models sind noch Kinder, werden aber als Erwachsene inszeniert – und arbeiten unter denselben harten Bedingungen. Zudem stehen Sie unter einem enormen Druck, die häufig in der Branche geforderten „ungesunden“ Körperideale einzuhalten“, so die AJS-Juristin Britta Schülke gegenüber CSR NEWS. „Gerade Jugendliche sind empfänglich für die Idealisierung von professionell inszenierten Size-Zero-Vorbildern.“ Dies gelte ebenso für einen Teil der volljährigen Models. Schülke weiter: „Das Festlegen von Mindestkleidergrößen – Kleidergröße 34, keine Größe 32 für Frauen mehr – und eines ‚gesunden‘ Mindest-BMI sind sicher richtige Schritte, um den Size-Zero-Trend einzuschränken.“

Wie eine CSR NEWS-Umfrage unter Gewerkschaften und Modelagenturen ergab, fehlt es hierzulande – anders etwa als in Großbritannien oder den USA – an einer öffentlichkeitswirksamen Interessenvertretung für Models. Aus Sicht der Agenturen stellt das kein Problem dar:

“Wer auf dem deutschen Markt arbeiten will, darf das nicht mit Frankreich, Italien oder England vergleichen“, sagt Georg Kronbichler, Women Booker bei der Agentur Talents Models. “In Deutschland muss man gesund sein, um modeln zu können.” Models würden häufig ab dem 16. Lebensjahr aufgebaut – oft mit einem ersten freien Shooting ohne Gegenleistung. Man “lässt ein junges hübsches Gesicht nicht laufen”, so Kronbichler. Bei den minderjährigen Models geschehe dabei alles in Abstimmung mit den Eltern.

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